Aber bitte mit Geschmack!
Sommer, Sonne, Wasser trinken? Gar nicht so einfach im Alltag. Trotz der warmen Temperaturen vergessen wir im Alltag leicht, regelmäßig zu trinken. So klappt es!
Je älter wir werden, desto stärker verflüchtigt sich unser Durstgefühl. Eineinhalb bis zwei Liter am Tag sind ideal – bei Anstrengungen wie Sport oder einem Tag im Strandbad darf es auch schon mal mehr sein. Bei zu wenig Flüssigkeit reagiert der Körper mit Müdigkeit und Kopfweh. Sogar der Kreislauf kann kollabieren. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollten wir bewusst Trinkpausen einlegen und auf eigene Trinkrituale setzen.
Trinkroutine entwickeln
Ernährungstrainerin Anna Nicklaus trinkt selbst täglich zwei Liter Wasser beziehungsweise ungesüßten Tee. „Ich starte meinen Tag mit einer großen Tasse warmen Wasser auf nüchternen Magen, um meinen Kreislauf anzuregen und die Verdauung für das bevorstehende Frühstück in Schwung zu bringen“, verrät sie. Um tagsüber mehr zu trinken, hilft es, einen schönen Krug direkt am Arbeitsplatz in Sicht- und Greifweite zu positionieren, einen Timer am Handy zu stellen, der einen stündlich ans Trinken erinnert, oder eine große Trinkflasche bei sich zu haben, die ein- bis zweimal am Tag geleert werden sollte.
Ich starte meinen Tag
mit einer großen Tasse
warmen Wasser auf
nüchternen Magen,
um meinen Kreislauf
anzuregen.
Anna Nicklaus, Ernährungstrainerin
„Trinken kann man lernen. Es ist eine Gewohnheit. Mir hilft es sehr, zu sehen, was ich schon getrunken habe. Dazu fülle morgens ich einen großen Krug mit Wasser und trinke diesen bis Mittag leer“, erzählt Kräuterpädagogin Kerstin Matschitsch. Auch ein Trinkprotokoll hat sie bereits ausprobiert. „Dazu mache ich eine Liste und hänge diese an meine Kühlschranktür. Ich schreibe dort auf, wie viele Gläser ich schon getrunken habe, und habe so meine Flüssigkeitsmenge immer vor Augen.“
Von gekauften Limonaden aus dem Supermarkt halten beide nicht viel. „Aufgrund ihres hohen Zuckergehaltes zähle ich diese nicht zu den Getränken, sondern zu den Süßigkeiten. Süßigkeiten befinden sich an der Spitze der österreichischen Ernährungspyramide und sollten nur selten sowie bewusst genossen werden“, klärt Ernährungstrainerin Nicklaus auf.
Alternativen attraktiv machen
Kinder für Alternativen zu begeistern, ist aber nicht einfach. Das weiß auch Matschitsch: „Ich habe selbst zwei Kinder in einem Alter, wo gekaufte Trendgetränke der Renner sind. Was ich für wichtig halte, ist, dass man Kindern nicht grundsätzlich alles verbietet, sondern ihnen Alternativen schmackhaft macht. Dazu binde ich die Kinder bei der Herstellung von Getränken mit ein. Sie lieben es, kreativ zu sein, und ein selbst gemachtes Getränk schmeckt gleich viel besser“, erzählt die Kräuterpädagogin. Bei ihr zu Hause gibt es daher selbst gemachtes Holunderblütenwasser, Eistee oder Wiesendudler. Es braucht nur wenig, um einem Glas Wasser den langweiligen Geschmack zu nehmen. Und das ganz ohne Zucker, Zusatzstoffe oder Kalorienbomben.
Infused Water
„Infused“ kann mit „aufgegossen“ übersetzt werden – verschiedene Zutaten wie Obst, Gemüse und Kräuter werden mit frischem Wasser aufgegossen und dann für ein oder zwei Stunden in den Kühlschrank gestellt. Während dieser Zeit gehen die Aromen auf das Wasser über. Der Geschmack ist nicht so intensiv wie bei einem Saft, das Wasser bekommt aber doch eine fruchtige Note und macht vor allem in einem größeren Wasserspender oder Krug auch gleich optisch etwas her.
Die Zutaten sollten immer vorab gewaschen und frisch verarbeitet werden. Bereits beim Kauf auf Bio-Qualität achten! Infused Water ist nicht lange haltbar, daher sollte es innerhalb eines Tages verbraucht werden. Es ist aber möglich, den Krug zwei Mal mit Wasser aufzufüllen. So hat man mehr davon. Besonders aromatisch ist die Kombination von Obst oder Gemüse mit Kräutern: Ingwer-Zitrone, Gurke-Minze, Melone-Rosmarin oder Himbeer-Melisse sind echte Klassiker. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Erlaubt ist, was einem persönlich schmeckt.
Saft-Spritzer
Wer nicht lange warten will, peppt sein Wasser mit ein paar Spritzern Zitronen- oder Orangensaft auf. Optisch ein Hingucker sind in einem Eiswürfelbehälter eingefrorene Kräuter oder frische Früchte. Auch Fruchtsaft lässt sich so einfrieren und wird zum farbenfrohen Blickfang. Allerdings entfaltet sich der Geschmack im Glas dabei nur langsam.
Trinken kann man
lernen. Es ist eine
Gewohnheit. Mir hilft
es sehr, zu sehen,
was ich schon getrunken
habe.
Kerstin Matschitsch, Kräuterpädagogin
Vorsicht ist bei „Vitamin-Wassern“ geboten. Sie beinhalten neben Aromastoffen auch oft Zucker. Daher immer einen genauen Blick auf die Inhaltsstoffe am Etikett werfen. Selbst „natürliche Aromen“ stammen meist nicht direkt aus der Frucht, sondern aus dem Labor. Eine gesündere Alternative sind Smoothies mit Wildkräutern. Dazu einfach zwei bis drei Handvoll Wildkräuter sammeln, zum Beispiel Brennnessel, Löwenzahn, Gundermann, Vogelmiere und Giersch, und das Ganze mit etwas Obst und Wasser fein pürieren. Ein richtiger Powerdrink, der sich im Sommer gut als Frühstück oder Snack am Nachmittag eignet.
Klassiker Tee
Erfrischend ist im Sommer auch Tee, der durchaus lauwarm und ungesüßt getrunken werden kann. Pfefferminze ist für heiße Tage ideal und erfrischt mit seinem Duft den Geist. Ebenfalls kühlend wirkt Brennnesseltee. Zusätzlich kann er durch seine entwässernde Wirkung Wasser in den Beinen vorbeugen. Zitronenmelisse belebt und beruhigt, Salbeitee lindert Schweißausbrüche. Die Blüten der Wilden Malve oder Käsepappel färben das Wasser dunkelblau und sorgen für dezenten Geschmack. Zaubertrick: Mit ein paar Spritzern Zitrone verfärbt sich das blaue Wasser in leuchtendes Pink. Das macht nicht nur bei Kolleg*innen im Büro und Kindern mächtig Eindruck, sondern auch bei der nächsten Sommerparty!
Für Fortgeschrittene
Schon vor mehreren Tausend Jahren verwendeten die Menschen Oxymel (Sauerhonig) als Medizin und Pflanzensirup. Dabei werden Kräuter für rund ein Monat in Essig und Honig eingelegt. Aufgespritzt mit Wasser ergibt das ein isotonisches Getränk, das die Verdauung anregt. Eine Vielzahl von Kräutern und Blüten können auf diese Weise konserviert werden.
Wer eine Wasserdampfdestille zu Hause hat, kann verschiedene Kräuter und Blüten auch damit verarbeiten. Bereits im Mittelalter stellten Wasserbrennerinnen mithilfe von Wasserdampf Pflanzenwasser her. Heute wird dieses Hydrolat genannt und in der Naturkosmetik verwendet. In der Küche können damit aber auch Speisen gewürzt und Getränke aromatisiert werden. Ein paar Spritzer reichen aus, um aus einfachem Wasser ein duftendes Lavendelwasser zu machen.
Etwas aufwendiger ist die Herstellung von Wasserkefir oder Kombucha – natürlich sprudelnde Limonaden, die in einem kontrollierten Fermentationsprozess hergestellt werden. Dazu braucht es Zucker. Allerdings wird dieser verstoffwechselt – beim Wasserkefir sind dabei Hefepilze und Milchsäurebakterien, beim Kombucha Hefepilze und Essigsäurebakterien am Werk.
Glas für Glas
Egal wie das Wasser geschmacklich aufgewertet wird, die Basis bilden Zutaten von guter Qualität. Leitungswasser eignet sich als Durstlöscher hervorragend und kann in Österreich bedenkenlos getrunken werden. Auch umwelttechnisch sprechen einige Gründe für das Wasser aus der Leitung: Es kommt ohne weite Transportwege direkt nach Hause und spart jede Menge Verpackung ein. Aus gesundheitlicher Sicht ist ein eigener Wasserfilter nicht notwendig, die Qualität des Leitungswassers wird regelmäßig überprüft. Wer trotzdem Filter oder Wasserenthärtungsanlagen nutzt, muss unbedingt auf ihre Hygiene achten, da sich Keime darin sehr schnell vermehren können.
Da unser Körper übrigens keine Wasserreserven bilden kann, macht es keinen Sinn, auf Vorrat zu trinken. Lieber Glas für Glas durch den Tag trinken!
Anita Arneitz
Probieren Sie eines der Rezepte für natürliche Sommergetränke aus!