Klimadebatte: leiser, aber konstruktiv
In der Zivilgesellschaft wird es stiller, während sich Unternehmen stärker einbringen, zeigt die dritte Ausgabe des Klimadiskurs-Monitorings des KONTEXT Instituts.
2025 ist die Klimadebatte insgesamt leiser geworden, gleichzeitig haben sich die Wirtschaftsthemen verdreifacht. Die dritte Ausgabe des Klimadiskurs-Monitorings zeigt, dass seit 2023 kein anderes Thema im Klimadiskurs so stark an Relevanz gewonnen hat, wie die Verknüpfung von Standort- und Wirtschafts- mit der Klimapolitik - während im Vergleich zum Jahr 2023 in den untersuchten Medien um ein Viertel weniger über Klimapolitik berichtet wurde. Trotzdem blieb der Diskurs überwiegend konstruktiv. Die Notwendigkeit von Klimaschutz und insbesondere der Energiewende wird mittlerweile von fast allen relevanten Akteursgruppen anerkannt.
„Die aktuelle Energiekrise zeigt, dass wir uns schnellstmöglich aus der Öl- und Gasabhängigkeit befreien müssen. Das erfordert einen nationalen Kraftakt – und es erfordert konstruktiven Diskurs, in dem Ökologisierung und Wirtschaftspolitik gemeinsam gedacht werden. In diesem Lichte sind die Ergebnisse des Klimadiskurs-Monitorings sehr ermutigend”, sagt KONTEXT-Vorständin Tina Deutsch.
Die wichtigsten Ergebnisse:
Akteure: Politiker*innen prägen den Klimadiskurs weiterhin am stärksten, werden dabei jedoch nur von etwas mehr als der Hälfte der Befragten als konstruktiv empfunden. Die Wissenschaft bleibt die wichtigste konstruktive Stimme (mit 92 Prozent) - auch wenn sie den diskurs deutlich weniger prägt als die Politik. Während zivilgesellschaftliche Akteur*innen und Aktivist*innen an Sichtbarkeit verlieren, gewinnen Unternehmen stark an Einfluss in der Debatte. Sie argumentieren zwar vergleichsweise verschleppend, bei Energiethemen beteiligen sie sich jedoch konstruktiv.
Parteien: Die ÖVP äußert sich konstruktiv zu Energiethemen, verschleppt jedoch überdurchschnittlich durch wirtschaftspolitische Risikoargumente und Blockaden zentraler EU-Klimamaßnahmen. SPÖ und NEOS nehmen eine untergeordnete Rolle in der Klimadebatte ein. Die FPÖ dominiert den verschleppenden Diskurs, die Grünen den konstruktiven.
Themen: Energie ist das derzeit dringlichste Thema und wird überwiegend konstruktiv diskutiert. Auch Wirtschaftspolitik und Standortfragen gewinnen stark an Relevanz verzeichnen den größten Zuwachs unter den Themenfeldern seit 2023. CO2-Bepreisung und Mobilität sind die am stärksten verschleppten Themen. Hier gibt es immer noch viele Scheinlösungen im Diskurs.
Technologien: Bei konkreten Technologien stehen erneuerbare Energien im Mittelpunkt. Über den Ausbau von Windkraft, Wasserkraft und Photovoltaik wird dabei überdurchschnittlich konstruktiv gesprochen, während bei Technologien im Verkehrssektor häufig verschleppt wird.
Politische Ebene: Die österreichische Klimapolitik dominiert den medialen Diskurs (63% der Aussagen mit geografischem Bezug). Gleichzeitig wird bei EU-Themen und Aussagen, die das Ausland betreffen, überdurchschnittlich verschleppt. Besonders häufig werden die USA und Deutschland als Negativbeispiele für Klimapolitik herangezogen. Konstruktive internationale Beispiele bleiben dagegen unterrepräsentiert.
„Der Diskurs über Wirtschafts- und Standortpolitik in Verbindung mit Klimapolitik ist überwiegend konstruktiv und stellt die Chancen der Ökologisierung für Wohlstand und Sicherheit in den Mittelpunkt. Im verschleppenden Diskurs dominieren dagegen Ängste vor Veränderung und kurzfristige wirtschaftliche Risiken”, sagt KONTEXT-Studienautorin Anna Pixer, die diese Beobachtung mit beispielgebenden Zitaten in der Studie darstellt.
Tina Deutsch ergänzt: „Wie wir über Klimapolitik sprechen, entscheidet, welche politischen Entscheidungen getroffen werden. Die aktuelle Energiekrise bietet den besten Nährboden für eine neue Transformationsgeschichte, um das Land aus der kontinuierlichen Abhängigkeit zu befreien.”
Die ganze Studie zum Download findest du hier.
Hintergrund
Das Klimadiskurs-Monitoring 2026 ist die dritte systematische Analyse des medialen Klimadiskurses in Österreich durch das KONTEXT Institut. Anhand einer Political Claims Analysis wurde ermittelt, welche Akteursgruppen 2025 zu Wort kamen und welche Themen auf welche Art besprochen wurden. Die dritte Analyse ermöglicht nun nicht nur eine Momentaufnahme des Diskurses im letzten Jahr, sondern legt strukturelle Dynamiken offen.