Green Producing
Welche Gütesiegel Filmdrehs nachhaltiger machen.
Anreise, Technik, Set, Verpflegung und Postproduktion – Filmdrehs sind komplex. Und sie belasten Umwelt und Klima: Im Schnitt verursachen TV- und Video-Produktionen etwa 15 Tonnen CO2-Äquivalente pro Stunde Laufzeit, große Filme und actiongeladene Serien deutlich mehr. Und doch tut sich auch hier etwas: Eine 90-minütige Tatort-Folge schlägt sich normalerweise mit 100 bis 140 Tonnen CO2-Äquivalenten zu Buche – umweltbewusst produzierte Folgen der Serie kommen mit etwas mehr als der Hälfte aus. Das sind wichtige Siegel und Initiativen auf dem Weg zu nachhaltiger Unterhaltung:
Österreichisches Umweltzeichen für Green Producing (UZ 76)
Das Label bewertet sowohl das Produktionsunternehmen (u. a. Büro, Mobilität und IT) als auch die konkrete Produktion – vom Drehort über Transport, Szenenbild, Maske, Kostüm und Catering bis zur Unterkunft. Zertifiziert wird daher immer die jeweilige Produktion, geprüft wird durch unabhängige Stellen. Beispiele sind „Dancing Stars 2025“, Folgen der „Science Busters“, von „SOKO Kitzbühel“ und „SOKO Linz“.
Ecoprod
Ein international verbreitetes, besonders in französischen Produktionen eingesetztes Label. Produktionen wählen aus 85 Nachhaltigkeitsmaßnahmen in Bereichen wie Energie, Mobilität, Beschaffung, Arbeitsbedingungen oder Inklusion. Sieben Kriterien sind Pflicht und mindestens 65 Prozent der Punkte nötig, um zertifiziert zu werden; geprüft wird durch ein unabhängiges Institut (AFNOR).
EMA Green Seal / Gold Seal
Vergeben durch die Environmental Media Association aus den USA. Je nach Umfang der umgesetzten Maßnahmen gibt es das Green Seal (ab 75 Punkten) oder das Gold Seal (ab 125 Punkten). Die Bewertung basiert überwiegend auf Selbstauskunft ohne externe Audits – niederschwellig, aber auch weniger aussagekräftig.
albert
Eine britische Initiative, die eng mit den British Academy Film Awards verbunden ist. albert erhebt jährlich die Auswirkungen sowie die wichtigsten Verbesserungsfelder der Branche mit Fokus auf den CO₂-Fußabdruck von Produktionen, stellt Tools zur Verfügung und zeichnet gute Praxis aus – weniger ein klassisches Label, sondern eher ein System für mehr Transparenz und kontinuierliche Verbesserung.
Michaela R. Reisinger