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Vitamine im Blumenmeer

Blütenpracht entzückt das Auge und erfreut die Seele. Wer sie um die eine oder andere Gemüsepflanze ergänzt, erfährt überdies, was Ernteglück bedeutet.

Blühende Pflanzen vor intensiv grünem Hintergrund.
Foto: Erda Estremera

Traditionelle Bauerngärten zeigen, dass die übliche Trennung zwischen Zier- und Nutzgarten nicht zwingend notwendig ist. Ein fröhliches Miteinander von duftenden Blumen, Kräutern und schmackhaftem Gemüse bietet sich gerade für kleine Flächen im Garten oder auf dem Balkon an.

Christian Kreß, Inhaber der Staudengärtnerei Sarastro, experimentiert gerne mit diesen ungewöhnlichen Kombinationen. In einem neu angelegten Staudenbeet pflanzte er kurzerhand ausgewählte Gemüse in die verbleibenden Lücken. Sein Fazit: Gemüse kann sehr gut in einem Blütenmeer gedeihen, wenn ein paar Grundsätze beachtet werden.

Pflanzen mit ähnlichen Bedürfnissen kombinieren

Gemüsepflanzen benötigen mehr Nährstoffe als viele Blütenstauden. Deshalb lässt sich Gemüse am besten mit Stauden kombinieren, die ebenfalls hohe Ansprüche an den Boden stellen. Gemüseaffine Stauden wie Phlox, Pfingstrose, Akelei, Mädchenauge, Lupinie und Rittersporn brauchen für gutes Gedeihen lockeren humosen Boden. Am einfachsten lässt sich eine passende Komposition in neu angelegten Beeten realisieren. Gemüsepflanzen können aber auch Lücken in bestehenden Blumenbeeten füllen. Eine Handvoll Kompost im Pflanzloch sorgt für ausreichende Nahrung.

Ein Hochbeet mit Blumen und Salat.
Die Studentenblume vertreibt mit ihren ätherischen Ölen Schädlinge, bekämpft Nematoden und verbessert die Bodenstruktur - eine tolle Ergänzung in jedem Gemüsebeet. Foto: Imarzi, Shutterstock

Ein Platz an der Sonne

Die meisten Gemüsesorten verlangen nach Licht und Wärme. Ein Wechsel von Hoch und Niedrig verleiht einem Beet Struktur und Spannung und schafft sonnige Bedingungen für alle. Nach oben strebende Gemüsepflanzen, wie Porree, fügen sich gut in niedrig oder luftig-zart wachsende Blütenstauden ein. Alles überragend wachsen Gurkenpflanzen oder die rotblühende Feuerbohne, von der sowohl die jungen Hülsen als auch die reifen Bohnen geerntet werden können. Umgekehrt bekommen Kräuter oder niedrigere Gemüse wie Karotten, Gemüsezwiebeln oder Rote Rüben unter Rosenhochstämmchen oder Sonnenblumen ausreichend Licht zum Wachsen. Walderdbeeren können als aromatische Bodendecker fungieren.

Küchenkräuter

Kräuter eignen sich hervorragend, um einen Ziergarten an der einen oder anderen Stelle zum Nutzgarten zu machen. Im Gegensatz zu Gemüsen stellen die meisten niedrige Ansprüche an den Boden, umso mehr aber brauchen sie Wärme. Salbei, Indianernessel oder Johanniskraut fügen sich harmonisch in Staudenkompositionen ein. Blumenbeetumrandungen können mit Thymian, Bohnenkraut oder Oregano gestaltet werden. Auch Schnittlauch eignet sich dazu, benötigt aber – im Gegensatz zu den Vorgenannten – nährstoffreichen Boden.

Rotstieliger Mandgold steht im blühenden Blumenbeet.
Mangold – hier in all seiner rot/grünen Farbenpracht – wird übrigens von Schnecken weitgehend gemieden. Foto: CJMcKendry, iStock

Rot-Grün-Kontraste

Rotblättrige Gemüsesorten vereinen Essbarkeit und optische Attraktivität. Sie erzeugen spannende Kontraste zum Blattgrün vieler Staudenpflanzen. Sogar in Blumenarrangements öffentlicher Parks tauchen rotblättrige, gelb- oder rotstielige Mangoldsorten als Akzente auf. Mangold wird übrigens von Schnecken weitgehend gemieden. Auch die blutrot geäderten Blätter Roter Rüben wirken ausgesprochen dekorativ. Grünkohlsorten wie „Redbor“ oder „Scarlet“ erinnern mit ihren großen abstehenden Blättern an Palmen. Sind sie anfangs noch rötlich, so intensiviert sich die Farbe im Herbst zu einem intensiven Rotviolett. Beim Kochen verlieren die Blätter die rote Farbe.

Gaumenfreuden vom Balkon

Kirschtomaten, Kräuter und Salat in Töpfen auf einem Tischchen sowie auf kleinen Regalbrettern und im Hängekorb verteilen die Pflanzen auf unterschiedliche Höhen.
Foto: Michel Viard, iStock

Pflanzen duften, sie kühlen durch Verdunstung an heißen Tagen die Luft ab und spenden Schatten. Und sie binden viel Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff. Wer der Natur auf dem Balkon Raum gibt, kann für sich einen beschaulich-erholsamen Rückzugsort schaffen. Mit einigen bepflanzten Gefäßen verwandelt sich ein reizloser Beton-Balkon in ein hübsches und nahrhaftes Paradies.

Vertikal ist ideal

Auf dem Balkon bietet sich das Konzept des vertikalen Gartens an. Mit kreativen Pflanzbehältern und -systemen kann sich das Grün zur Decke strecken. An einem Wandgitter – alternativ einem ausrangierten Lattenrost – klettern Bohnen oder Mini-Gurken nach oben. Am Hängeregal können auf mehreren Etagen Kräuter gezogen werden. Pflanzenleitern und -treppen sind eine weitere dekorative Option, um auf mehreren Ebenen gärtnern zu können.

Und dann sind da noch die die guten alten Balkonblumenkisterl – idealerweise mit eingebautem Wasserreservoir. Außen am Balkongeländer befestigt, verbrauchen sie keinen Platz. Sie eigenen sich für Kräuter, Pflücksalat und Mangold genauso wie für Blumen. Oder aber sie werden von Hängeerdbeeren-Ausläufern besiedelt, die in Blumenampeln über der Balkonbrüstung wachsen.

Ein Handspaten steckt in der Erde eines Hochbeets.
Foto: Walkersalmanac, Pixabay

Torffreie Pflanzerde

Die Blumenerde in kleineren Pflanzbehältern und Töpfen sollte jedes Jahr, jene in den größeren Kübeln alle zwei Jahre ausgetauscht werden. Die Pflanzen zehren nämlich mit der Zeit die Erde aus.

Ein Hauptbestandteil gängiger Blumenerden ist Torf, der aus schützenswerten Mooren abgebaut wird. Deshalb soll Balkonerde mit Bedacht gewählt werden. „Torfreduziert“ bedeutet nicht torffrei. Und selbst Bio-Erde ist nicht zwingend ohne Torf. Hundertprozentig torffrei sind mit dem Österreichischen Umweltzeichen gekennzeichnete Erden.

Gourmet-Balkon

Wer einen niederschwelligen Einstieg ins Balkongärtnern sucht, ist mit Kräutern gut beraten. Manche immergrüne, zum Beispiel Thymian, können nicht nur im Sommer, sondern auch in der kalten Jahreszeit geerntet werden.

Für den Feinschmecker-Balkon empfiehlt sich pflegeleichtes Gemüse. Viele Gemüsesorten, wie Gurken oder Tomaten, gibt es in balkontauglichem Mini-Format. Sogar Obst ist balkontauglich. Wenn es auch nicht für Marmelade ausreicht, so kann doch ein aromatischer Naschgarten entstehen. Viele Obstbäumchen und Beerensträucher gibt es inzwischen für den Kübelanbau in Säulen- und Mini-Versionen. Ein Zitronenbaum bringt Urlaubsflair auf den Balkon.

Egal ob zu ebener Erde oder am Balkon, ein Öffnen der strikten Grenzen zwischen Zier- und Nutzgarten kann Gärtnern – im wahrsten Sinne des Wortes – schmackhafter machen.

Einige Kräuter in Pflanggefäßen neben einer Eisenlaterne.
Foto: Congerdesign, Pixabay

Balkontaugliche Obst- und Gemüsesorten

Pflegeleichte Gemüse:

Radieschen
Erbsen
rankende Bohnen
Zwiebeln
Pflücksalat
Mangold
Gurken
Cherry-Paradeiser
Chilis und Paprika

Obst:

Erdbeeren
Himbeeren und Brombeeren (spezielle Balkonzüchtungen)
Heidelbeeren
Physalis
Zitronen und Feigen (Überwinterung im Innenraum)
Pfirsich- und andere Obstbäumchen

Ganzjährige Kräuter:

Thymian
Salbei
robuste Rosmarin-Sorten
Bergbohnenkraut
Currykraut

Einziehende mehrjährige Kräuter:

Schnittlauch
Liebstöckel
Estragon
Minze
Zitronenmelisse

Linktipp: Die Website des deutschen Naturschutzbundes enthält gut strukturierte Listen mit Pflanzen für Sonnen- und Schattenbalkone: nabu.de

Gudrun Troppmann

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