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Raus mit dem Gift

Wie Hall in Tirol Unkraut und Glyphosat los wurde.

Menschen beim Gemüsemarkt in Hall in Tirol.
Die Gemeinde Hall in Tirol ist eine der ersten Gemeinden, die glyphosatfrei wurde. 44 Mitarbeiter*innen sind im Team von Michael Neuner, Leiter Umweltamt und Stadtservice Hall in Tirol. Darunter finden sich neun Personen mit Behinderung. „Als Gemeinde ist es uns ein besonders Anliegen sie in unsere Arbeitsprozesse zu integrieren weil sie zur Gesellschaft gehören“, sagt Neuner. Auch das sei ein wichtiger Auftrag der Gemeinde. watzek photografie/stadtmarketing hall in tirol

„Wir begleiten die Menschen von der Wiege bis zur Bahre“, erklärt Michael Neuner das Aufgabengebiet seines 44-köpfigen Teams. Das reicht von der Mülltrennung bis zur  Straßenreinigung, von der  Landschaftspflege, bis zum Friedhof. Die Betreuung von Naturflächen nimmt da breiten Spielraum ein. Sportrasen und Spielplätze, aber auch gepflasterte Wege und Plätze wollen unkrautfrei gehalten werden. Zur Bekämpfung rückte das Team viele Jahre mit giftigen Spritzmitteln aus – Stoffe, die den Mitarbeiter*innen selbst schaden aber auch den Menschen auf den Spielplätzen und Sportflächen. Das fühlte sich immer unbehaglicher an. Neuer: „Vor fünf Jahren haben wir entschieden, die giftigen Stoffe aus dem ganzen Gemeindegebiet hinauszubringen“.

Der Reihe nach wurden von den Mitarbeiter*innen Konzepte recherchiert und durchprobiert: die Behandlung mit Essig, mit Heißwasser, mit Abbrennen bis hin zum Heißwasserschaum. „Damals gab es noch keinerlei Erfahrungen. Wir haben alles genau dokumentiert“, erklärt Neuner. Die besten und nachhaltigsten Ergebnisse erzielten die Teams mit Heißwasserschaum. „Im ersten Jahr hatten wir schon einen höheren Arbeitsaufwand. Aber jetzt, im dritten Jahr, ist es schon deutlich besser“, sagt Neuner. „Die Bearbeitungszyklen werden länger. Wir werden vermutlich bei diesem System bleiben.“

Auch die Bevölkerung ist mittlerweile sensibel geworden. Vor fünf, sechs Jahren sei das Spritzen kein Thema gewesen, meint Neuner. Heute werden die Mitarbeiter*innen der Stadt immer wieder auf den weißen Heißwasserschaum angesprochen. Dahinter steht die Befürchtung, dass die Gemeinde mit der großen chemischen Keule arbeite. Wichtig sei daher, die Menschen gut darüber zu informieren, dass es sich um eine umweltfreundliche Maßnahme handelt.

Neuner will aber mehr: „Wir müssen schneller regieren, die Uhr der Umweltzerstörung tickt.“ Er ist überzeugt, dass an allen Fronten gekämpft werden muss und stellt auch den Fuhrpark kontinuierlich auf Akku, Gas und Biosprit aus der regionalen Speiseölsammlung um. „Jeder kleine Beitrag ist wichtig und bringt allen was.“

Autorin: Roswitha M. Reisinger

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