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Naturschutz - wir hinken unseren Zielen hinterher

Greenpeace-Analyse zeigt: In 24 von 37 Naturschutzzielen ist Österreich nicht auf Kurs, erreicht haben wir keines. Lies, was die größten Probleme sind.

Etwa zwei Meter hohe Dominosteine sind hintereinander auf einem Platz aufgestellt. Auf jedem sind Tier- und Pflanzenarten abgebildet. Der erste ist gegen den zweiten gefallen, den 5 Menschen in Greenpeace-Westen vor dem Umfallen schützen.
Ein Protest gegen das Artensterben. Foto: Markus J. Feger/Greenpeace

Vier Jahre nach Beschluss der globalen Biodiversitätsziele im Jahr 2022 steht bei der UN-Biodiversitätskonferenz (COP17) in Jerewan die erste Halbzeitbilanz an. Greenpeace analysiert den 7. Nationalbericht Österreichs und bewertet die Maßnahmen als zu ambitionslos: Nur 13 der 37 festgelegten Naturschutzziele sind auf Kurs, bei 24 macht Österreich zu wenig Fortschritte und erreicht wurde bisher keines.

Ursula Bittner, Biodiversitätsexpertin bei Greenpeace Österreich: „Österreichs Naturschutzpolitik ist eine Dauerbaustelle. Lediglich 2,9 Prozent der Fläche sind derzeit streng geschützt - weit entfernt von dem 10-Prozent-Ziel. Die Regierung spricht von ‚vollständig‘ umgesetzten Maßnahmen gegen Verschwendung, gleichzeitig verursacht Österreich pro Kopf den meisten Siedlungsabfall in der EU.“

Bisher keines von Österreichs 37 Naturschutzzielen erreicht

Die Zahlen der Halbzeitbilanz stellen der heimischen Naturpolitik ein schlechtes Zeugnis aus:

  • Mangelhafter Flächenschutz: Statt der vereinbarten zehn Prozent stehen derzeit nur 2,92 Prozent der Landesfläche unter strengem Schutz.
  • Ungebremster Flächenfraß: Zwischen 2022 und 2025 wurden täglich durchschnittlich 6,5 Hektar Natur verbaut. Mehr als das Zweieinhalbfache des Regierungsziels von 2,5 Hektar.
  • Finanzierungslücke: Nach dem Auslaufen befristeter EU-Mittel verbleiben im heimischen Biodiversitätsfonds ab 2026 nur noch 5 Millionen Euro pro Jahr. Stattdessen fließen jährlich bis zu 5,7 Milliarden Euro an klimaschädlichen Subventionen.
  • Europameister beim Müll: Mit 782 kg Siedlungsabfall pro Kopf belegt Österreich den EU-Spitzenplatz – der Nationalbericht sagt, alle nötigen Politikinstrumente bereits „vollständig“ eingeführt zu haben.
  • Vorreiter bei der Deregulierung: Österreich treibt sowohl im eigenen Land als auch im EU-Kontext den Abbau ökologischer Standards und Kontrollen voran. 

EU-Schutzgebiete oft nur auf dem Papier 

Nicht nur Österreich, auch die EU verfehlt ihre Naturschutzziele. Das sei kein Zufall, resümiert, Greenpeace, sondern das Resultat einer Deregulierungswelle: Statt die Vorgaben des globalen Biodiversitätsrahmens umzusetzen, untergrabe die EU-Kommission ihre eigenen Verpflichtungen. Beim Pestizidrisiko drohe nach dem Aus für verbindliche Reduktionsziele nun unbefristete Zulassungen für 49 Wirkstoffe wie Glyphosat. Unternehmenspflichten wie das Lieferkettengesetz wurden entkernt und ökologische Mindeststandards auch in der Agrarpolitk unter dem Deckmantel der „Vereinfachung“ demontiert. Selbst bei den Schutzgebieten herrsche Mangelverwaltung: Auf dem Papier fast erreicht, lässt der reale Schutz wegen fortlaufender Nutzung zu wünschen übrig. Und bei streng geschützten Flächen liegen bis heute nicht einmal einheitliche EU-Daten vor.

„Wir fordern von Umweltminister Totschnig einen Kurswechsel: Schluss mit der ständigen Deregulierung beim Umwelt- und Forstschutz in Österreich und der EU. Wir brauchen endlich strenge Schutzgebiete, die Wiederherstellung unserer Ökosysteme wie Wälder und ein aufgestocktes Budget für den Artenschutz. Es geht dabei um nichts Geringeres als unsere Lebensgrundlage“, so Bittner.