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Arten des Jahres 2026

Anmutig neigt die seltene Wiesenglockenblume das Köpfchen, schwarz glänzt der Alpensalamander: Das sind die Arten des Jahres 2026.

Eine Kollage von Fotos, die einige Tiere und Pflanzen der Arten des Jahres 2026 zeigt.
PazifischeLeuchterflechte, Wiesenglockenblume, Mauswiesel, Salzburger Hoehlenflohkrebs und Kirschlorbeer. Bilder: Norbert J. Stapper/BLAM, Michael Hohla, Stefan Weber, Erhard Christian, Pixabay

Eine leuchtend-gelbe Flechte, verdächtig glänzende Beeren, eine aparte Spinne, die rädergleiche Netze baut, ein flinkes Wiesel und ein Monster unter den Mikroben: Sie alle gehören zu den Arten des Jahres 2026, ausgezeichnet vom Naturschutzbund:

Alien des Jahres: Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus)

Bereits im 16. Jahrhundert wurde der Kirschlorbeer aus seinen Ursprungsgebieten in Südosteuropa und Kleinasien weltweit als Zierpflanze ausgebracht. Die Art gehört zu den Rosengewächsen und ist mit der Kirsche verwandt – die Früchte sind roh giftig. Mit dem Echten Lorbeer, Laurus nobilis, hat sie bis auf die ähnelnde Form und das Aussehen der Blätter trotz des Namens aber nichts zu tun. Die Blütenstände bestehen aus langen, dichten, vielblütigen Trauben, die einen angenehmen Duft verströmen. Die Beeren, die aus den Trauben entstehen, sind schwarz-glänzende und kugelförmig sowie in Traubenform angeordnet und zieren so die Pflanze bis sie abfallen oder vertrocknen.

Glänzende rote und schwarze Beeren zwischen länglichen Blättern.
Foto: Pixabay

Die vermeintlich „perfekte“ Heckenpflanze
Neben seinem attraktiven Aussehen kann der Kirschlorbeer mit seiner Widerstandsfähigkeit und Schnellwüchsigkeit punkten. Er ist krankheitsresistent und hat in unseren Breiten kaum mit Schädlingen zu kämpfen. Diese Eigenschaften machen ihn zu einer beliebten Heckenpflanze – doch ist er für unsere Natur alles andere als unbedenklich, denn es sind gerade jene Gründe, die ihn für Gärtner*innen attraktiv machen, die ihn gleichzeitig zu einer die heimische Natur verdrängenden, invasiven Art mit hohem Ausbreitungspotenzial machen.

Die Gefahren durch Kirschlorbeer
Der Kirschlorbeer hat sich in Österreich mittlerweile invasiv ausgebreitet und ist bereits tief in Wäldern und an Wiesenrändern zu finden. Verbreiten kann sich die Pflanze zum einen durch die Früchte, die entweder weggeschwemmt oder von Tieren forttransportiert werden, und so über weite Entfernungen verstreut werden können. Weiters können sich auch Absenker bilden, das sind Triebe, die sich Richtung Boden krümmen und sich dort neu verwurzeln. Auch abgetrennte Pflanzenteile können neu auskeimen. Nicht zuletzt bildet die Art häufig Schösslinge. All diese Eigenschaften begünstigen es, dass die Pflanze bereits weit in unsere Natur vorgedrungen ist. Problematisch ist, dass die Art sehr stark mit unseren heimischen Arten konkurriert: Das dichte, immergrüne Blattwerk und die starke vegetative Vermehrung entziehen heimischen Pflanzenarten Licht und Nährstoffe oder unterdrücken diese. Weiters führt die Verbreitung des Kirschlorbeers dazu, dass die natürliche Waldverjüngung stark abgemindert wird. Auch Frühjahrsblüher wie Maiglöckchen oder Bärlauch sterben unterhalb des Kirschlorbeers ab, da sie dort zu wenig Licht und Nährstoffe bekommen. Selbst für uns Menschen – insbesondere bei Kleinkindern und Haustieren – ist Vorsicht geboten, da alle Pflanzenteile des Kirschlorbeers giftig sind.

Die Art hat kaum positive Wirkungen auf unsere Natur: Bestäuber können im Allgemeinen ihre Blüten nicht nutzen, die Beeren können nur von einer geringen Zahl an Vögeln gefressen werden, beispielsweise von Amsel oder Singdrossel, und haben auch sonst keinen Mehrwert für unserer Tierwelt. Sein Laub dient nur wenigen Tieren als Nahrungsquelle, selbst als Versteck oder Niststandort ist der Kirschlorbeer in der Regel wenig geeignet. Als Kompost sind die Blätter ebenfalls ungeeignet, da sie sehr zersetzungsresistent sind und für eine effektive Kompostierung fein zerkleinert und fachmännisch untergemischt werden müssen. Durch die in den Blättern enthaltene Blausäure kann falsche Kompostierung Schäden an Kleintieren, wie Insekten, anrichten. Wenn Pflanzenteile in die Natur gelangen, können sich diese leicht weiterverbreiten und so weitere Schäden anrichten.

Wie jetzt mit der invasiven Art umgehen?
Um zu verhindern, dass sich diese invasive Art weiter ausbreitet, sollte man bereits bestehende Kirschlorbeer-Hecken gegen heimische Heckengehölze tauschen, jedenfalls aber keinen neuen Kirschlorbeer anpflanzen. In der Schweiz ist der Verkauf des Kirschlorbeers seit 1. September 2024 untersagt, auch in Deutschland diskutiert man ein Verbot. In Österreich ist die invasive Pflanze hingegen noch frei in jedem Bau- und Pflanzenmarkt erhältlich. Teils wird die Art sogar als bienen- und insektenfreundlich angepriesen. Der Naturschutzbund spricht sich daher für ein Verbot des Verkaufs des Kirschlorbeers in Österreich aus und appelliert gleichzeitig an die Gartenbesitzer, vom Kauf und der Anpflanzung dieser problematischen invasiven Art Abstand zu nehmen.

Text: Carolina Trcka-Rojas, Ines Hickmann

Blume des Jahres: Wiesen-Glockenblume (Campanula patula)

Die Wiesen-Glockenblume ist eine zweijährige bis ausdauernde, lockerrasig wachsende, meist 30 bis 60 cm hoch werdende Art der Fettwiesen, Niedermoorwiesen, seltenen Magerwiesen und schottrigen Ruderalstellen. Im Pannonikum tritt die Art zudem an lichten Stellen in trocken-warmen Eichenmischwäldern auf. Die Äste des Blütenstandes sind locker ausgebreitet, ihre verwachsenen Kronblätter etwa bis zur Mitte gespalten, die freien Kronzipfel ausgebreitet. Hauptblütezeit ist Mai bis Juli.

Sternförmige zartlila Blüten inmitten einer Wiese.
Die Wiesenglockenblume, Foto: Michael Hohla

Bei den Glockenblumen reifen die Staubblätter vor den Fruchtblättern. Schon in der Knospe wird der Pollen am bürstenartig behaarten Griffel (Griffelbürste) abgelagert und dann später durch Zurückziehen der Griffelhaare freigegeben. Es handelt sich um sogenannte sekundäre Pollenpräsentation: In der geöffneten Blüte wird der Pollen nicht auf den Staubbeuteln, sondern am Griffel präsentiert. Der Griffel dient quasi als „Kletterstange“ für Insekten. Bestäuber sind vor allem Bienen und Hummeln. Die Fruchtreife erfolgt von August bis Oktober. Die halbkugeligen Kapselfrüchte geben ihre Samen aus drei kleinen Öffnungen ab, wenn Wind oder Tiere daran rütteln. Die leichten Samen werden außerdem als Körnchenflieger ausgebreitet.

In der Exkursionsflora werden drei Unterarten unterschieden, die sich bezüglich des Verbreitungsgebiets und die Länge der Kelchblätter unterscheidet.

Die wissenschaftliche Erforschung und Bewertung der mitteleuropäischen Sippen der Wiesen-Glockenblume, die sich zum Teil auch durch ihre Ploidiestufe – im Wesentlichen diploid und tetraploid – unterscheiden, ist noch nicht abgeschlossen. Im Gesamtverbreitungsgebiet der Art, das von Europa bis Sibirien reicht, wird eine Reihe von Unterarten und Varietäten unterschieden.

Gefährdung der Wiesen-Glockenblume
Der Großteil der österreichischen Vorkommen der Wiesen-Glockenblume gehört zur Unterart patula und wird Gewöhnliche Wiesen-Glockenblume, Campanula patula subsp. patula, genannt. Ihr Auftreten ist heute keineswegs mehr „gewöhnlich“, zählt sie doch zu den am stärksten rückläufigen Arten unserer Flora. Vor allem in den überdüngten Fettwiesen des nördlichen Alpenvorlands ist sie heute durch die intensive Bewirtschaftung als Vielschnittwiesen oft verschwunden.

Es ist abzusehen, dass bei anhaltendem Rückgang Campanula patula subsp. patula in naher Zukunft als gefährdet geführt werden muss. Campanula patula subsp. jahorinae gilt hingegen im Alpenraum als ungefährdet, in der Böhmischen Masse und im nördlichen Vorland als gefährdet. Aus dem südöstlichen Vorland und dem Pannonikum gibt es bisher keine Angaben dieser Unterart.

Lebensraum und Verbreitung in Österreich
Die diploide Gewöhnliche Wiesen-Glockenblume gilt im Bewusstsein älterer Pflanzenkenner*innen noch immer als eine typische Art der früheren, traditionell bewirtschafteten frischen Fettwiesen, die von den Tieflagen bis in die untere Bergstufe immer seltener anzutreffen sind. In diesen „Blumenwiesen“ wächst sie österreichweit gemeinsam mit Margeriten (Leucanthemum vulgare agg.), Schafgarben (Achillea millefolium agg.), der Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), dem Scharfen Hahnenfuß (Ranunculus acris), dem Wiesen-Labkraut (Galium album), dem Rot-Klee (Trifolium pratense), dem Sauer-Ampfer (Rumex acetosa), dem Wiesen-Pippau (Crepis biennis) und einigen weiteren Vertretern der Glatthaferwiesen. Möchte man heute einen Wiesenblumenstrauß mit der Wiesen-Glockenblumen pflücken, gelingt dies in der unmittelbaren Umgebung meist nicht mehr. Zu selten ist diese charakteristische Art in Siedlungsnähe aufgrund des Verlustes geeigneter Wiesenstandorte geworden.

In Kärnten wachsen beide heimischen Unterarten vor allem in vom Menschen beeinflussten Habitaten, ihre Verbreitungsgebiete überschneiden sich kaum. In Oberösterreich findet man sie unter anderem auf Waldschneisen, in Waldwiesen oder an Forststraßenrändern, also an vorwiegend gestörten Wuchsorten. Die österreichischen Hauptvorkommen liegen in der submontanen und untermontanen Höhenstufe. Das heißt, sie meidet einerseits die tiefsten Lagen des Pannonikums und andererseits die Hochlagen des Alpengebiets.

Ernannt von: Naturschutzbund gemeinsam mit Flora Austria, Verein zur Erforschung der Flora Österreichs und Universität Wien

Text von Michael Hohla

Einzeller des Jahres: Kraken (Kraken carinae)

Was nach Seemannsgarn klingt, existiert wirklich: Kraken carinae ist eine winzige Amöbe, die sich wie das mythische Seeungeheuer „Kraken“ mit unzähligen Armen durch ihre Welt tastet. Unter dem Mikroskop entfaltet der Kraken ein filigranes Netz aus feinen Fäden – seine „Tentakel“ – mit denen er Beute fängt und zu sich heranzieht.

Eine Mikroskopaufnahme zeigt lange verzweige Fäden.
Bild: Kenneth Dumack

Das Netz des Mikrokraken – Jagen mit lebenden Fäden
Wenn Kraken carinae auf Beute lauert, spannt er ein Netz aus dünnsten Fäden – Pseudopodien, die bis zu fünfzigmal länger als sein Zellkörper sind. Diese durchsichtigen „Tentakel“ verschmelzen miteinander und bilden ein Fangnetz, das Bakterien wie in einer unsichtbaren Falle festhält. Doch das ist erst der Anfang: Entlang dieser Fäden wandern gefangene Bakterien wie auf einem Förderband in Richtung Zellkörper – dorthin, wo sie verdaut werden. Kraken carinae ist also kein Jäger, der sprintet, sondern ein Lauerjäger, der Beuteorganismen in seiner Umgebung mit einem lebenden Fadennetz regelrecht abfischt.

Feuer frei im Mikrokosmos – der Kraken schießt zurück!
Unter dem Elektronenmikroskop zeigt sich, dass die Oberfläche des Zellkörpers mit winzigen Schuppen besetzt und Extrusomen unterfüttert ist – letztere sind kleine „Abschussvorrichtungen“, die in Sekundenbruchteilen reagieren können. Vielleicht dienen sie als Schutzschild gegen andere Einzeller, vielleicht auch als Waffe, um Beute zu lähmen. Niemand weiß es genau. So oder so: Dieser Einzeller mit eingebauter Rüstung und Geheimwaffe dient als ein Beispiel dafür, wie viel Erfindungsreichtum die Evolution selbst in die kleinsten Kreaturen steckt.

Spektakuläre Fortbewegung
Wie ein Ozeanriese, der sich auflöst und anderswo wieder auftaucht – so bewegt sich Kraken carinae. Er zerlegt seinen eigenen Zellkörper, transportiert ihn durch seine Fäden und baut sich an anderer Stelle wieder zusammen – extrem ungewöhnlich!

Eine völlig neue Linie des Lebens
Molekulare Analysen zeigen: Kraken carinae gehört zu den Cercozoa –Protisten – die zu den wichtigsten Bakterienfressern der Erde gehören. Seine Position im Stammbaum war so ungewöhnlich, dass eine neue Familie, die Krakenidae, und Ordnung, die Krakenida, geschaffen werden mussten.

Wo lebt dieses Mikromonster?
Gefunden wurde Kraken carinae in deutschen und spanischen Böden – aber auch in einem antarktischen See. Offenbar ist er ein echter Kosmopolit. In jedem Gramm der untersuchten Böden leben hunderte Individuen, die geduldig auf vorbeiziehende Bakterien lauern.

Warum er so schwer zu finden ist
Wenn er doch in deutschen Böden lebt, warum wurde er erst vor kurzem entdeckt? Kraken carinae ist extrem empfindlich, bewegt sich kaum und wächst langsam – ein Alptraum für Mikrobiologen. Nur durch Geduld und feine Mikroskopie gelang seine Entdeckung. Dennoch zeigt dieser Einzeller, wie viel unentdeckte Vielfalt in Böden und Sedimenten steckt. Jede neue Art wie Kraken carinae erzählt ein Stück der Evolution neu – und erinnert uns daran, dass selbst ein Krümel Erde voller Überraschungen steckt.

Ernannt von: Gesellschaft für Eukaryotische Mikrobiologie

Text von Prof. Dr. Kenneth Dumack

Flechte des Jahres: Pazifische Leuchterflechte (Candelaria pacifica)

Wie beim Moos des Jahres fiel die Wahl unter den Flechten auf eine Art, die aufgrund ihrer  Ähnlichkeit zu anderen Arten bisher ganz sicher oft übersehen wurden. Die Leuchterflechten der Gattung Candelaria sind trotz der geringen Größe der einzelnen Individuen auffällige Bewohner der Rinde freistehender Laubbäume, da sie in der Regel in größeren Beständen auftreten und leuchtend gelbe gefärbt sind. Lange galt die Gewöhnliche Leuchterflechte als der einzige Vertreter der Gattung in Europa bis 2002 die Pazifische Leuchterflechte, Candelaria pacifica, aus Nordamerika beschrieben und auch für Europa nachwiesen wurde.

Eine gelbgrüne Flechte, die erhaben ist und fast wie eine Koralle wirkt.
Foto: Norbert J. Stapper

Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten
Die Pazifische Leuchterflechte bildet Bestände aus kleinen gelben Lagern, die vorwiegend deutlich, fast aufrecht vom Untergrund abstehen. Sie sind in kleine Schuppen aufgelöst bzw. in Läppchen zerschlitzt, an deren Rändern meist reichlich Blastidien, also asexuelle Reproduktionsstrukturen, gebildet werden.

Die Unterseite ist unberindet, daher wird das spinnwebige Mark sichtbar, aus dem wenige zarte rhizinenartige Bündel entspringen. Da die Algen nicht durch eine Rinde verdeckt werden, erscheint die Unterseite zumindest feucht grünlich bis dunkelgrün, während sie in trockenem Zustand eher weißlich ist. 

Candelaria pacifica kann mit verschiedenen anderen gelben Rindenflechten verwechselt werden. Leicht lässt sich die Gelbe Wandflechte, Xanthoria parietina, wegen der großen, breitlappigen Lager unterscheiden. Weniger einfach ist das bei der ähnlichen Leuchter-Gelbflechte, Polycauliona candelaria. Betupft man diese jedoch mit Kalilauge (KOH), färbt sie sich sofort tiefrot färbt, während die Leuchterflechte ihre Farbe nicht verändern. Ähnlich sind noch Dotterflechten, Candelariella, die auf KOH auch nicht reagieren - diese bilden jedoch nur sehr kleine, dem Substrat anliegende Schüppchen aus.

Am ehesten zu verwechseln ist die Art mit Candelaria concolor - hier ist die berindete Unterseite jedoch glänzend weiß und aus ihr entspringen kräftige wurzelartige Strukturen, sogenannte Rhizinen. Auch sind die Lager von Candelaria concolor deutlich kräftiger, die Läppchen ziemlich regelmäßig mehrfach zerteilt und eher dem Substrat anliegend.

Ökologie
Candelaria pacifica tritt zusammen mit ihrer Schwesterart auf der subneutralen bis mäßig sauren, meist staubimprägnierten, eutrophierten Rinde von freistehenden Laubbäumen und -sträuchern auf, selten auch an Nadelbäumen und Holz oder ganz selten auf Gestein.

Die Art dringt weit bis in die Städte vor - im Nordwestdeutschen Tiefland besonders an alten Linden im Siedlungsbereich, im Süden Deutschlands vor allem von Ahorn und Eiche, aber auch an Pappel, Walnuss, Kirsche, Weide, Linde, Esche, Apfelbaum, Hainbuche, Ulme, Holunder, Robinie, Erle, Götter- und Maulbeerbaum sowie an Pfaffenhütchen fanden. In Österreich ist die Pazifische Leuchterflechte ebenfalls meist auf letzteren Arten zu finden.

Verbreitung und Gefährdung
Unsere Flechte des Jahres 2026 wurde erst vor wenigen Jahren von der Schwesterart abgetrennt, weshalb über ihre Verbreitung nur ungenügende Kenntnisse vorliegen. Beschrieben wurde sie von der Westküste Nordamerikas. Darüber hinaus existieren Vorkommen in Südamerika, Skandinavien, den Niederlanden und der Türkei. In der Folge wurde sie aus zahlreichen anderen europäischen Ländern gemeldet. In Nordeuropa scheint sie häufiger zu sein als ihre Schwesterart. 

Candelaria pacifica breitet sich aus, daher erscheint sie auf den Roten Listen nicht als gefährdet, sofern sie überhaupt schon aufgeführt wird. Erfreulicherweise wird der Wert von freistehenden Laubbäumen sowohl in der offenen Landschaft als auch in der Stadt endlich breit anerkannt und gehört die Luftbelastung mit Schwefelverbindungen weitgehend der Vergangenheit an. So liegen für Flechten, die an eutrophierter Rinde wachsen, an der sich beispielsweise Stickstoffverbindungen angelagert haben, keine erkennbaren Gefährdungsursachen vor.

Biologie
Candelariella pacifica verbreitet sich sowohl generativ, das heißt sexuell, durch Sporen, die in den Schläuchen (Asci) der Fruchtkörper (Apothecien) gebildet werden, wie auch vegetativ durch Blastidien, kleinen Thallusabschnürungen, die an den Spitzen, später auch an den Rändern und auf der Fläche der Thalli, so nennt man die vegetativen Körper von Flechten, entstehen. In Europa wurde die Bildung von Apothecien bisher nur einmal in der Türkei beobachtet, während sie in Nordamerika gelegentlich vorkommt.

Wie alle Flechten lebt die Art mit einem photosynthetisch aktiven Symbiosepartner zusammen, in diesem Fall mit chlorococcoiden Grünalgen.

Ernannt von: Naturschutzbund Österreich, Bryologisch-Lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa (BLAM) e. V.

Text von Wolfgang von Brackel, Christian Berg & Norbert Stapper (gekürzt).

Fledermaus des Jahres: Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri)

Der Kleine Abendsegler ist eine mittelgroße Fledermausart, die, im Gegensatz zum nahe verwandten Großen Abendsegler, Nyctalus noctula, in Österreich relativ selten nachgewiesen wird. Ihr primärer Lebensraum sind Laub- und Mischwälder mit einem ausreichenden Angebot an Baumhöhlen und -spalten die als Quartiere genutzt werden können. Quartiere an und in Gebäuden, wie man sie von einer Reihe anderer Fledermausarten kennt, werden in Mitteleuropa kaum genutzt. Zur Jagd, die im freien Luftraum erfolgt, nutzt die Art ganz unterschiedliche Lebensräume, von Wäldern über Hecken und Wiesen bis zu verschiedenen Gewässertypen. Entscheidend ist hier vielmehr das Vorkommen von Nahrungsinsekten – hauptsächlich Falter und Zweiflügler – in ausreichend hoher Dichte.

Eine Nahaufnahme des Gesichts einer Fledermaus.
Foto: Wolfgang Forstmeier

Lebensraum
Über das Jahr hinweg nutzen Individuen des Kleine Abendsegler eine große Zahl unterschiedlicher Quartiere. Während sich die Weibchen im Frühsommer zur Jungenaufzucht in Wochenstubenquartieren, meist in Baumhöhlen, mit bis zu 50 Tieren zusammenfinden, verbleiben die Männchen bis in den Spätsommer einzeln oder in kleinen Gruppen in Höhlen- oder Spaltenquartieren. Die Wochenstubengesellschaften wechseln über den gesamten Sommer sehr häufig, vielfach nach jeweils wenigen Tagen, ihr Quartier und sind damit auf eine hohe Zahl geeigneter Baumhöhlen in einem Gebiet angewiesen. Im Spätsommer besetzen die Männchen dann Balz- bzw. Paarungsquartiere, die meist exponierter liegen, um sich dort mit den Weibchen zu paaren. Ab Oktober ziehen die Tiere in die Winterquartiere, die in Bäumen aber auch an Felsen oder Gebäuden liegen können, um dort bis April zu überwintern. Sommer- und Winterquartier der Art sind oft weit voneinander entfernt, das heißt, es kommt zu saisonalen Zugbewegungen, die erwiesenermaßen bis zu 1500 km weit sein können.

Gefährdung
Durch seine Biologie ist der Kleine Abendsegler in der modernen Kulturlandschaft einer Reihe von Gefährdungsfaktoren ausgesetzt und daher auch in der Österreichischen Roten Liste als gefährdet eingestuft. Das Angebot an Baumhöhlen und ähnlichen Quartieren ist in forstwirtschaftlich intensiv genutzten Wäldern vielfach kaum noch ausreichend, um die Ansprüche der Tiere im Sommerhalbjahr zu decken. Großflächiges Belassen von höheren Anteilen an Alt- und Schwachholz in den Beständen würde die Situation verbessern. Teilweisen Ersatz können auch Nistkästen in ausreichend hoher Zahl bieten. Daneben ist sicher der Rückgang der Insektenbiomasse ein grundsätzliches Problem für alle heimischen Fledermausarten und damit auch für den Kleinen Abendsegler. Als weiterer potenzieller Gefährdungsfaktor muss in verstärktem Maße die Windkraftnutzung gesehen werden. Durch direkte Kollision bzw. sogenanntes Barotrauma sind sowohl lokale Populationen – auf den allnächtlichen Jagdflügen – als auch saisonal durchziehende Individuen gefährdet. Diesem Umstand könnte, durch geeignete Standortwahl und Abschaltautomatiken bei Windkraftanlagen begegnet werden.

Die Fledermaus des Jahres wird ernannt von BatLife Europe.

Text: BatLife Europe

Wassertier des Jahres: Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis)

Der im Durchschnitt 20 Zentimeter lange Fisch kam früher außer in den Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Kärnten in allen Bundesländern vor. Heute gilt er laut der „Roten Liste der Fische Österreichs“ als „vom Aussterben bedroht“.

Nahaufnahme eines geschecken und gestreiften Fisches, der am Boden des Gewässers ruht und einen Bart hat.
Foto: Nationalpark Donau-Auen / Grotensohn

Der ursprüngliche Lebensraum des Schlammpeitzgers sind vor allem naturbelassene stehende bis langsam fließende Gewässer mit Schlammgrund, wo er sich vergraben kann. Ein Schwerpunkt des Vorkommens dieser Art besteht in Ostösterreich, ein nicht unbeachtliches Vorkommen findet man beispielsweise im Nationalpark Donau-Auen. Der ganzjährig geschonte Schlammpeitzger ernährt sich von wirbellosen Tieren, wie Insektenlarven und Würmern. Er ist nachtaktiv, kann als Überlebenskünstler auch Trockenzeiten überdauern und besitzt die Fähigkeit zur Darmatmung.

Der bis zu 30 Zentimeter lange Körper des Schlammpeitzgers ist bis zu den nach hinten verlagerten Rücken- und Bauchflossen beinahe drehrund. Das unterständige Maul weist sechs Bartfäden am Ober- und vier Barteln am Unterkiefer auf.

Der Schlammpeitzger kann mehr als 20 Jahren alt werden, die Geschlechtsreife wird mit zwei bis drei Jahren erreicht. In der Zeit von April bis Juli legt das Weibchen 4.500 bis 13.000 klebrige, 1,3 bis 1,5 Millimeter große Eier über Wasserpflanzen ab.

Ernannt von: Österreichischer Fischereiverband, Landesfischereiverbände, Bundesamt für WasserwirtschaftÖsterreichisches Kuratorium für Fischerei

Text von Klaus Berg

Höhlentier des Jahres: Salzburger Höhlenflohkrebs (Niphargus salzburgensis)

Zahlreiche Tiere besiedeln unser Grundwasser und viele davon sind auch in Höhlen zu finden. Dazu zählen die fast ausschließlich in unterirdischen Gewässern lebenden Höhlenflohkrebse der Gattung Niphargus.

Der Salzburger Höhlenflohkrebs, Niphargus salzburgensis, wurde 1935 erstmals von Schellenberg beschrieben. Erst 2020 zeigten molekulargenetische Untersuchungen, dass es sich um eine eigenständige Art handelt. Da diese Art in zahlreichen Höhlen und Quellen ausschließlich in Österreich nachgewiesen ist, wurde sie zum Höhlentier des Jahres 2026 gewählt. Niphargus salzburgensis steht beispielhaft für die gesamte Gattung Niphargus - mit der Ernennung soll darauf hingewiesen werden, dass gerade bei der Erforschung der unterirdischen Ökosysteme und der darin vorkommenden Organismen noch große Wissenslücken bestehen.

Auf schwarzem Hintergrund ist in weiß eine Vergrößerungsaufnahme eines Flohs zu sehen. Er hat einen länglichen Körper und eine Vielzahl an Fortsätzen.
Foto: Erhard Christian

Augen- und pigmentlos
Höhlenflohkrebse sind wie die meisten Grundwassertiere augen- und pigmentlos. Daher auch der Name „Niphargus“, der so viel wie „glänzend wie Schnee“ bedeutet. Ihr Körper ist seitlich abgeflacht, wodurch sie sich in Seitenlage über den Gewässerboden fortbewegen und auf weichem Sediment eine charakteristische Schleifspur hinterlassen. Mit einer Körperlänge von wenigen bis über 20 mm zählen sie zu den größten Grundwassertieren Mitteleuropas. Höhlenflohkrebse bevorzugen gleichmäßig niedrige Temperaturen, kommen aber auch mit Temperaturschwankungen zurecht. Ihre Nahrung besteht aus kleinen Grundwassertieren und vor allem aus tierischen und pflanzlichen Resten.

Die Männchen von Niphargus salzburgensis sind mit 20 mm etwas größer als die Weibchen mit höchstens 16 mm. Das letzte Paar der Schwanzfüße nahe dem Körperende ist bei den Männchen stärker verlängert. Wie bei Flohkrebsen üblich, besitzen die Weibchen einen Brutbeutel aus Chitinplatten. Dieser liegt bauchseitig zwischen den Hüften und schützt die Eier bis zum Schlüpfen der Jungtiere. Sonst ist über den Salzburger Höhlenflohkrebs, seine Eigenheiten oder sein Verhalten, noch nichts bekannt.

Verbreitung & Verwandtschaft
Höhlenflohkrebse der Gattung Niphargus sind von Spanien und Irland bis in den Iran verbreitet. Im Norden begrenzt der Rand der eiszeitlichen Vergletscherung ihr Vorkommen.

Mit mehr als 450 beschriebenen Arten ist Niphargus die größte Gattung unter den Flohkrebsen, Amphipoda. Niphargus-Arten leben im Grundwasser, nur wenige sind in Oberflächengewässer zurückgekehrt. Auch aus der Tiefe von Alpenseen sind dauerhafte Vorkommen bekannt. Regelmäßig findet man sie im Grundwasser von Lockersedimenten in Höhlen, Stollen, Brunnen und Quellen. Über das Grundwasser gelangen sie auch in die Wasserversorgung, wo sie durch Filter abgefangen werden.

Jahr für Jahr werden neue Niphargus-Arten entdeckt, wobei molekulargenetische Methoden eine entscheidende Rolle spielen. Es ist sehr schwierig, manchmal sogar unmöglich, nah verwandte Arten nur anhand von körperlichen Merkmalen zu unterscheiden. Aus Österreich sind bisher 20 verschiedene Niphargus-Arten gemeldet, sieben davon wurden ursprünglich anhand von Tieren aus Österreich beschrieben. Die aktuelle Artenliste ist allerdings nicht vertrauenswürdig, da nur wenige dieser Tiergruppen mit modernen Methoden überprüft wurden. Sicher nachgewiesen sind in österreichischen Höhlen drei Arten, die man früher für dieselbe Art (Niphargus tatrensis) gehalten hat – Niphargus salzburgensis, Niphargus moogi und Niphargus lurensis.

Das größte Verbreitungsgebiet der drei eng verwandten Arten hat der Salzburger Höhlenflohkrebs:  Es erstreckt sich entlang der Nördlichen Kalkalpen in einem breiten, 200 km langen Streifen vom Hagengebirge in Salzburg bis in die Gutensteiner Alpen Niederösterreichs. Dies ist bemerkenswert, da eine derartige Ausdehnung der Verbreitung bei Niphargus-Arten sehr selten ist.

Gefährdung & Schutz
Die größte Gefahr in Österreich stellt das Unwissen über diese Tiergruppe dar. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, den Lebensraum Höhle und dessen Schutz in den Fokus zu rücken. Ein ausgedehntes Monitoring würde dazu beitragen, das Wissen über die Biodiversität in unseren Höhlen und unterirdischen Gewässern zu verbessern und die Vielfalt zu bewahren.

Weitere Informationen: hoehlentier.de, hoehle.orgcavernicola.ch

Ernannt von Verband Österreichischer Höhlenforschung (VÖH)

Text von Katharina Bürger & Erhard Christian

Insekt des Jahres: Warzenbeißer (Decticus verrucivorus)

Der Warzenbeißer gehört zu den größten und bulligsten Insekten Österreichs und sein bedrohlich wirkender Name macht neugierig, um welches Tier es sich denn dabei handeln mag. Stellvertretend für viele andere Heuschreckenarten spielt er eine immer wichtigere Rolle als Indikatorart für naturschutzrelevante Flächen. Vielleicht waren es ja diese Argumente, die dem Warzenbeißer, Decticus verrucivorus, die Kürung zum "Insekt des Jahres 2026" durch das zuständige Kuratorium einbrachte.

Eine Nahaufnahme einer Heuschrecke im Gras. Sie ist rosa-grün gefärbt.
Foto: Sylvia Wanzenboeck

Kleiner Riese
Mit einer Kopf-Rumpflänge von 26 bis 42 mm zählt der Warzenbeißer zu den größten Heuschrecken Mitteleuropas, rechnet man den Legebohrer der Weibchen mit dazu, kann das Tier fast sieben cm Länge erreichen. Durch seine – trotz der Größe – gedrungene bullige Gestalt wirkt er aber nicht so grazil wie die nahezu gleich großen und bekannteren Grünen Heupferde. Seine Grundfarbe ist recht variabel, wobei der grüne Farbton meist dominiert, daneben kommen aber immer wieder braune, graue oder sogar rosaviolette Tiere in allen möglichen Mischformen vor. Die meist körperlangen Flügel sind mit dunklen und hellen Flecken durchsetzt. Auffällig sind auch die – im Erwachsenenalter – stets dunklen Augen, die ähnliche Arten in Österreich nicht haben.

Die unvollkommene Verwandlung
Wie alle Heuschrecken gehört der Warzenbeißer zu den hemimetabolen Insekten, das heißt: Bei der larvalen Entwicklung kommt es zu einer allmählichen Ausbildung imaginaler Merkmale, insbesondere der Flügel und der Geschlechtsorgane. Das Puppenstadium fehlt, daher nennt man diese Entwicklungsform auch „unvollkommene Verwandlung“. Die Eier werden im Sommer und Herbst in den Boden gelegt, bevorzugt an offenen, vegetationslosen Stellen, die aber dennoch eine gewisse Feuchtigkeit aufweisen müssen. Die Nymphen schlüpfen meist im übernächsten Jahr, gelegentlich aber auch schon im folgenden Frühjahr, selten aber doch überwintern die Eier auch bis zu sieben Mal – vor allem in höheren Lagen oder bei ungünstiger Witterung. Obwohl die Nymphen sieben Larvenstadien durchlaufen, können schon ab Juni erwachsene Tiere angetroffen werden.

Zick – Zick – Zick
Wie viele seiner Verwandten können männlichen Warzenbeißer „stridulieren“: also durch das Aneinanderreiben der sogenannten „Schrillleiste“ sowie der „Schrillkante“, die sich an den Vorderflügeln befinden, Laute erzeugen. Der recht laute Gesang beginnt meist mit unregelmäßig vorgetragenen "zick"-Lauten, deren Abstände sich immer mehr verkürzen bis sie schließlich als typisches monotones "Geschäpper" aus den Wiesen ertönen. Dabei bewegen sich die Tiere entweder am Boden oder klettern auf senkrechte Halme, wo sie gerne kopfüber angetroffen werden. Bei Bedrohung lassen sie sich blitzschnell in die Vegetation fallen: Damit ähneln die kleinen Riesen in ihrem Fluchtverhalten eher Mäusen oder Froschlurchen da sie in der Regel nicht in die Weite springen oder gar auffliegen, wie man es von anderen Heuschrecken kennt.

Breite Palette an Lebensräumen
Der Warzenbeißer besiedelt eine Vielzahl an Lebensräumen, einerseits trockene Wiesen und Halbtrockenrasen, andererseits aber auch Feucht- und Moorwiesen. Auch Ackerbrachen zählen zu seinen bevorzugten Habitaten. Diesbezüglich gibt es auch große regionale Unterschiede, so bevorzugt er im Osten Österreichs kurzrasige Flächen, während er beispielsweise in Tirol in verbrachenden Halbtrockenrasen häufiger nachgewiesen wurde als etwa in niederwüchsigen Magerrasen. Wichtig dürfte ein Mosaik an Offenböden und vertikalen Pflanzstrukturen wie Grashorsten, Hochstauden oder Zwergsträucher sein.

Warzenbeißer als hochsensible Zeigerart
Die Rolle als Bioindikatoren betreffen fast alle Insektenfamilien, besonders Heuschrecken reagieren oft sehr rasch auf Veränderungen ihrer Umgebung: So sind ihre Anwesenheit bzw. ihr Fehlen Hinweise auf die Qualität eines Biotopes. Das trifft besonders stark auf den Warzenbeißer zu, denn sowohl zu hohe und dichte Vegetation als auch eine intensivierte Nutzung oder Düngung der Flächen bewirken einen raschen Rückgang dieser Art. Im Gegenzug dazu hat aber eine völlige Nutzungsaufgabe interessanterweise exakt denselben Effekt.

Vorsicht bissig!
So wie viele Laubheuschrecken, insbesondere aus der Unterfamilie der Beißschrecken, vermag der Warzenbeißer recht kräftig zuzubeißen. Diese Eigenschaft brachte ihm wohl seinen doch recht eigenwilligen Namen ein, zumal man dem gleichzeitig ausgewürgten braunen Magensaft warzen- verödende Eigenschaften nachsagte. Dies machte man sich, besonders in Skandinavien, als Behandlungsmethode zunutze. Immerhin konnte man bei immunbiologischen Analysen des Sekretes eine hohe zellauflösende, jedoch blutgruppenspezifische Enzymaktivität nachweisen.

Ernannt von: Österreichische Entomologische Gesellschaft, Naturschutzbund Österreich

Text von Werner Reitmeier.

Lurch/Reptil des Jahres: Alpensalamander (Salamandra atra)

Mit der Wahl des lackschwarzen Alpensalamanders zum Lurch des Jahres 2026, steht eine nicht nur wegen ihrer Färbung außergewöhnliche Amphibienart im Fokus: Der lebendgebärende Bewohner unwirtlicher Gebirgszonen ist ein Überlebenskünstler – und steht für die Vielfalt und Verwundbarkeit alpiner Lebensräume.

Ein glänzender und tiefschwarzer Lurch sitzt auf einem bemoosten Stein.
Foto: Benny Trapp

Alpensalamander sind Lebendgebärer
Alpensalamander bewohnen strukturreiche Bergwälder, feuchte Strauchheiden und Grasmatten der Alpen sowie einiger Gebirge des Balkans, meist oberhalb von 800 Metern. Während sich die meisten Amphibien in Gewässern fortpflanzen und ihre zahlreichen Eier oder Larven dort absetzen, bringt der lebendgebärende Alpensalamander nach zwei bis vier Jahren Tragzeit nur ein oder zwei voll entwickelte Jungtiere an Land zur Welt – kleine Ebenbilder der Eltern. Die Entwicklung der Larven verläuft komplett im Mutterleib, wo sich der Nachwuchs von der übrigen Eimasse und einem speziellen Zellgewebe im weiblichen Uterus ernährt. Dies stellt eine in Europa einzigartige Entwicklung innerhalb der Lurche dar, die den Alpensalamander in Bezug auf die Fortpflanzung unabhängig von Gewässern macht.

Exot im alpinen Raum
Unter den 21 Amphibienarten Österreichs ist der Lurch des Jahres 2026 auch wegen seiner ungewöhnlichen, nahezu rein alpinen Verbreitung ein Exot. Er kommt in allen Bundesländern mit Ausnahme von Wien und dem Burgenland vor. Die größte Anzahl von Nachweisen stammt aus dem Westen des Landes, aus Vorarlberg und dem Tiroler Außerfern. Die spezielle Lebensweise mit wenigen Jungen und einer extrem geringen Reproduktionsrate bringen gravierende Nachteile mit sich. Unter allen Landwirbeltieren besitzt der Alpensalamander auch die längste Tragzeit. Noch ist der Alpensalamander in Gebieten, in denen er vorkommt, zwar oft häufig, noch scheint seine Bestandsentwicklung stabil. Dennoch ist die Art in der Roten Liste Österreichs von 2007 auf der „Vorwarnliste“ eingestuft – eine neue Liste ist in Arbeit. Die Auswirkungen der Klimakrise auf die hochspezialisierte Art sind noch schwer abzuschätzen. Österreich hat jedenfalls eine sehr hohe Verantwortung für ihren Erhalt, befinden sich hier doch mehr als 50 Prozent des weltweiten Verbreitungsgebietes der Art.

Was den Alpensalamander bedroht
Nicht nur die Klimakrise bedroht die charismatischen Bergbewohner. Hinzu kommen Risikofaktoren wie die Erschließung von Wäldern durch Forststraßen, einhergehend mit erhöhter Nutzungsintensität naturnaher Waldbestände, die verstärkte Erschließung und Veränderung von Lebensräumen im Zuge der Sport- und Freizeitnutzung, die Intensivierung der Almwirtschaft, aber auch der häufige Verkehrstod auf alpinen Straßen und Wegen. Zukünftig droht weiters die akute Gefahr durch den gefährlichen Salamander-Chytridpilz. Dieser vor rund 20 Jahren nach Deutschland eingeschleppte Krankheitserreger, der beim Feuersalamander meist tödlich wirkt, wurde beim verwandten Alpensalamander bislang noch nicht im Freiland nachgewiesen. Im Labor aber erwies sich auch diese Art als anfällig für Infektionen, und Nachweise des Pilzes gelangen bereits in Molchbeständen in nächster Nähe zu Vorkommen des Alpensalamanders.

Mit der Wahl zum „Lurch des Jahres 2026“ soll das sympathische „Berg- oder Regenmandl“, wie der Alpensalamander in seiner Heimat auch genannt wird, als Botschafter für den langfristigen Schutz der alpinen Natur wirken – und nicht zuletzt auf die Folgen der globalen Klimakrise aufmerksam machen.

Ernannt von: Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT), Österreichische Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH), info fauna – Nationales Daten- und Informationszentrum der Schweizer FaunaNaturschutzbund Deutschland (NABU)

Text von Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT e. V.)

Mineral des Jahres: Epidot

Epidot ist ein weniger bekanntes, doch sehr weit verbreitetes Mineral, das die Menschheit schon seit Jahrhunderten fasziniert. Vor allem in der Wissenschaft hat seine Untersuchung maßgeblich zum Verständnis der Entstehung von Gesteinen und Gebirgen beigetragen und ist ungebrochen Gegenstand der Forschung. Zahlreiche Vorkommen finden sich auf der ganzen Welt, es sind jedoch nur vergleichsweise wenige Stellen bekannt, an denen große, besonders schön ausgebildete Kristalle auftreten. Die wohl bedeutendste unter den historischen Fundstellen, die Exemplare von Weltrang lieferte, befindet sich in Österreich: die berühmte „Knappenwand“ im Untersulzbachtal, Salzburg.

Eine Nahaufnahme eines Gesteines mit durchsichtigen Kristallen und grün-goldig schimmernden Plättchen.
Foto: Robert Krickl

Epidot besteht aus sechs chemischen Elementen
In seiner Reinform wird Epidot chemisch betrachtet von sechs verschiedenen chemischen Elementen aufgebaut: Calcium, Aluminium, Eisen, Silicium, Sauerstoff und Wasserstoff. Strukturiert ergibt sich die Formel Ca2Al2(Fe,Al)(SiO4)(Si2O7)O(OH), was das Mineral als Mitglied der Gruppensilikate erkenntlich macht. In der Natur sind jedoch häufig Abweichungen von dieser Papierform zu finden, die auf „Verunreinigungen“, also auf den gegenseitigen Ersatz verschiedener Atome an den jeweiligen Positionen zurückzuführen sind. Angeordnet sind die Atome in einer monoklinen Kristallstruktur, was so viel heißt, als dass diese eine vergleichsweise niedere Symmetrie aufweisen. Morphologisch tritt Epidot meist in Form prismatischer Kristalle auf, die häufig stark gestreckt oder nadelig ausgebildet sind. Bei größeren Individuen ist häufig eine Streifung bestimmter Flächen zu beobachten. In metamorphen Gesteinen – etwa in Amphiboliten oder Glimmerschiefern – bildet er oft körnige bis blättrige Aggregate, während in alpinen Klüften schöne, klar ausgebildete Einzelkristalle entstehen können. Bezüglich deren Ausbildung konnte Epidot als eines der flächenreichsten Minerale festgestellt werden.

Verschieden ausgeprägte Färbungen
Für die Färbung ist vor allem der Eisengehalt verantwortlich. Generell ist Epidot von hellgelblich bis dunkelbraun zu finden, sehr typisch sind grünliche Töne, die häufig mit der Farbe von Pistazien oder Oliven verglichen wurden. Dabei zeigt die Art einen ausgeprägten Pleochroismus, das heißt, die Farbe erscheint je nach Blickrichtung unterschiedlich. Kristalle sind in einem breiten Spektrum von durchsichtig bis opak zu finden, der glasartige, zum Teil starke Glanz verleiht schön ausgebildeten Kristallen große Attraktivität.

Epidot ist ein Schwermineral
Aufgrund seiner Dichte kann die Art zu den Schwermineralen gerechnet werden, mit einem – teilweise stark variablen – Wert von rund 3.5 g/cm3 liegt sie im oberen Bereich jener von gesteinsbildenden Mineralen. Die Härte ist mit 6 bis 7 – nach Mohs – relativ hoch, jedoch nicht ausreichend für die Titulierung als Edelstein. Auch eine vollkommene Spaltbarkeit entlang einer Ebene machen ein Verschleifen und Fassen herausfordernd.

Geschichte und Anwendung
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Epidot als eigenständige Mineralart erkannt. 1865 wurde durch Zufall eines der historisch bedeutsamsten Vorkommen entdeckt – auf der berühmten Knappenwand im Untersulzbachtal, Salzburg. Von verschiedenen Personen und Institutionen wurden hier die wohl schönsten und größten Epidotkristalle der Welt gewonnen. Die Stufen mit Kristallgrößen zuverlässig bis rund 10 cm – nicht verifizierbare Berichte sprechen gar von bis zu armdicken und -langen Kristallen – gelangten in zahlreiche Museumssammlungen und machten die Knappenwand international berühmt. Mittlerweile sind viele weitere Fundstellen aus der ganzen Welt bekannt – meist handelt es sich jedoch um kleine Kristalle in Gesteinen. Nur vergleichsweise selten sind größere, schön ausgebildete Kristalle zu finden.

Begehrtes Objekt für Museen & Wissenschaft
Obwohl einige Eigenschaften der Verwendung als Schmuckstein eher abträglich sind, wurden mitunter auch Kristalle verschliffen. Neben der großen Bedeutung als begehrtes Objekt sowohl in privaten als auch musealen Sammlungen, liegt der größte Wert vor allem in der Wissenschaft. So geben etwa Wachstum, chemische Zusammensetzung und Einschlüsse von Epidot-Kristallen Auskunft darüber, wann, wie und wo ein Gestein entstanden ist und welchen Bedingungen es im Laufe seiner Geschichte ausgesetzt war. Somit liefern sie wertvolle Informationen über die Entstehung von Lagerstätten, Gebirgen, ja generell des heimischen Untergrunds.

Ernannt von: Arbeitsgemeinschaft "Mineral des Jahres"

Text von Robert Krickl

Moos des Jahres: Mecklenburgische Schnabeldeckelmoos (Rhynchostegium megapolitanum)

Das Mecklenburgische oder Wärmeliebende Schnabeldeckelmoos wurde wie die Flechte des Jahres 2026 unter den Moosen ausgewählt, da sie aufgrund ihrer großen Ähnlichkeit zu anderen, häufigen Arten bisher oft übersehen wurde. Besonders im vegetativen Zustand ist es leicht mit verschiedenen Arten der Familie Brachytheciaceae zu verwechseln, insbesondere mit dem an ähnlichen Stellen häufig vorkommenden Rauhstieligen Kurzbüchsenmoos.

Eine Nahaufnahme gelblich-beiger Moosästchen.
Foto: Christian Berg/BLAM

Aussehen und Erkennungsmerkmale
Das Moos bildet sehr lockere, etwas glänzende Filze mittlerer Größe aus, die häufig von Gräsern durchwachsen sind. Die kräftigen Pflanzen sind hell- bis gelbgrün, kommen aber auch als Einzelpflanzen zwischen anderen Moosarten vor. Die niederliegenden bis aufsteigenden, bis zu zehn Zentimeter langen Stämmchen tragen unregelmäßig angeordnet ungleich lange, einfache oder seltener verzweigte beblätterte Äste. Die locker gestellten Stammblätter sind eiförmig und in eine feine, nicht selten gedrehte Spitze ausgezogen. Der Blattrand ist fein gesägt. Die meist einfache, sich nach oben verschmälernde Rippe reicht knapp über die Blattmitte. Vereinzelt finden sich Rhizoiden am Blattgrund. Die Astblätter sind ähnlich, etwas kleiner und schmaler. Wenn die Art Sporophyten bildet – was häufig geschieht, steht die ovale Kapsel geneigt bis horizontal auf dem Kapselstiel. Sie besitzt einen schief und lang geschnäbelten Deckel. Die fein gekörnten Sporen werden 12 bis 16 µm groß.

Unterscheidung von ähnlichen Arten
Die Art lässt sich von anderen Arten dieser Gattung relativ leicht anhand der Sporophyten unterscheiden: Die Seta ist glatt und der Kapseldeckel ist lang geschnäbelt. Ohne Sporophyten ist die Unterscheidung dagegen schwierig und einige Erfahrung nötig, da viele Brachythecium-Arten selbst sehr variabel sind.

Ökologie
Rhynchostegium megapolitanum liebt es warm, hell, trocken, reich an Basen und mäßig reich an Nährstoffen sowie ohne viel Konkurrenz. Es findet sich daher gerne an mageren Böschungen, Wegrändern, an offenen Stellen in Hängen, in Weinbergen, Halbtrockenrasen. Seltener taucht es an Mauern, auf Felsköpfen oder in Kiesgruben sowie in weiteren sonnigen, trockenen, mageren Standorten in Wiesen und Grasflächen aller Art auf. In ruderalen Trockenrasen kommt es bis in die Städte vor. In Norddeutschland und in den Niederlanden wächst es auf nährstoffreichen, sandigen Böden in lichten Wäldchen, Gebüschen oder an grasbewachsenen Hängen sowie auf kalkhaltigem Dünensand.

Schon 1983 fand man die Art bei bryofloristischen Arten in der Dübener Heide deutlich häufiger als nach der Literatur erwartet. 2007 wurde gezeigt, dass sich die Art im Burgenland ausgebreitet hat und man führte dies auf die Erhöhung der Temperaturen im Lauf der Klimaveränderung sowie auf erhöhte Stickstoffdepositionen zurück. Wir finden die Art also heute öfter als früher, haben aber die Überlagerung, dass wir erstens mehr auf sie achten, und dass sie zweitens wahrscheinlich wirklich häufiger wird. Dieses Beispiel zeigt schön, dass das Übersehen von Arten tatsächlich dazu führt, bestimmte Trends in der Bestandsentwicklung nicht zu erkennen.

Verbreitung und Gefährdung
Die Art ist von Nordafrika – einschließlich der Kanarischen Inseln – über das gesamte Mittelmeergebiet bis zu den Britischen Inseln und Südskandinavien sowie bis Zentral- und Südwestasien verbreitet. In Österreich sind die bekannten Vorkommen von Rhynchostegium megapolitanum weitgehend auf den Osten des Landes beschränkt, mit Angaben aus dem Burgenland und den Hainburger Bergen in Niederösterreich sowie Einzelfunden aus Wien und der Steiermark. In Deutschland kommt sie in allen Bundesländern vor mit einer Häufung in klimatisch kontinental geprägten Trockengebieten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg einerseits sowie dem Nordwestlichen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz andererseits, was sie als wärmeliebende Tieflandart ausweist. In den Mittelgebirgen fehlt sie völlig. In der Schweiz findet sie sich vorwiegend in Becken- oder Tallagen mit der großen Masse der Populationen in der kollinen und untermontanen Höhenstufe unter 600 m.

Wegen des unvollständigen Wissens über die Verbreitung sind Angaben zur Gefährdung ebenfalls schwierig. In der Roten Liste der Laubmoose Österreichs ist sie als ausgestorben verzeichnet, was sicher nicht mehr dem aktuellen Stand entspricht: So kommt sie etwa mit steigender Tendenz im Burgenland vor. Als mögliche Gefährdungsursachen kommen alle Faktoren in Frage, die die mageren Gras-Lebensräume einschränken, wie Eutrophierung, Melioration, Umbruch, Überbauung und viele andere. Andererseits dürften sich der Art durch die Klimaerwärmung neue Lebensräume erschließen.

Biologie
Rhynchostegium megapolitanum ist einhäusig, das heißt die männlichen und weiblichen Organe finden sich auf einer Pflanze. Dadurch kommt es relativ häufig zur Ausbildung von Sporogonen. Darüber hinaus verbreitet sich die Art vegetativ durch Sprossbruchstücke.

Zur Namensgebung
Der Gattungsname leitet sich aus dem griechischen rhynchos (= Schnabel) und stegion (= Deckel) her, was auf den deutlich geschnäbelten Deckel der Kapsel bezogen ist. Der Artname bezieht sich auf den Fundort des Typus in Mecklenburg, das latinisiert zu Megalopolis bzw. Ducatus megapolitanus (= Herzogtum Mecklenburg) wurde. Die Annahme, dass "megapolitanum" in der Bedeutung "zu sehr großer Stadt gehörig" auf ein Vorkommen in Großstädten, etwa in Berlin hinweist, ist irreführend. Vielmehr geht es auf die überlieferte Bezeichnung „Magnapolis“ (= Große Burg, slawisch „Wiligrad“) für die Hauptburg des Volksstammes der Obotriten zurück, die in der Nähe des heutigen Dorfes Mecklenburg lag. Im 19. Jahrhundert übernahmen dann die mecklenburgischen Botaniker wie J. C. Timm oder G. G. Detharding den Begriff für das ganze Land und nannten ihre Florenwerke „Flora Megapolitana“. Der berühmte Bryologe Johann Hedwig nannte im Jahre 1801 eine in Mecklenburg bei Malchin entdeckte neue Moosart Timmia megapolitana, das Mecklenburgische Grobzahnmoos.

Ernannt vom Naturschutzbund Österreich und der Bryologisch-Lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa (BLAM) e. V.

Text von Wolfgang von Brackel, Christian Berg und Norber Stapper.

Nutztier des Jahres: Mangaliza, Turopolje & Tux-Zillertaler Rind

In Österreich gibt es über 40 gefährdete Nutztierrassen, deshalb werden jährlich zwei Rassen zur „Art des Jahres“ ernannt - dieses Jahr jedoch sogar drei, um auf den züchterischen Wert alter Landrassen aufmerksam gemacht werden, deren Erhalt einen wichtigen Beitrag zur landwirtschaftlichen Vielfalt und regionalen Identität leistet.

Mangaliza-Schwein: robust, wetterfest & genügsam

Das Mangaliza-Schwein – auch als „Wollschwein“ bekannt – stammt ursprünglich aus Ungarn und wird in drei Farbschlägen gezüchtet: blond, rot und schwalbenbäuchig. Es gilt als besonders robust, wetterfest und genügsam und eignet sich hervorragend für die Freilandhaltung. Sein feinfaseriges, wohlschmeckendes Fleisch mit hohem intramuskulärem Fettanteil wird von Feinschmeckern besonders geschätzt.

Drei haarige Schweine verschiedener Farbgebungen in einem Stall.
Foto: Thomas Leithäusl
 

Turpolje-Schwein: anspruchslos, widerstandsfähig & langlebig

Das Turopolje-Schwein hat seinen Ursprung in den Auenlandschaften Kroatiens. Mit seiner hellen, weißlich-grauen Haut mit deutlich abgegrenzten schwarzen Flecken im Borstenkleid ist es bestens an feuchte Weidegebiete angepasst. Diese alte, seltene Rasse ist anspruchslos, widerstandsfähig und langlebig, liefert aromatisches Fleisch und spielt eine wichtige Rolle in der extensiven Weidewirtschaft.

Mehrere gefleckte Schweine an einer Tränke im Freien.
Foto: Peter Grosz

Tux-Zillertaler Rind: fruchtbar & trittsicher bis ins hohe Alter

Das Tux-Zillertaler Rind, die älteste Tiroler Rinderrasse, steht für Kraft, Genügsamkeit und alpine Anpassungsfähigkeit. Das Rind ist typischerweise tiefrot gefärbt (Zillertaler), kann aber auch schwarz-braunen gefärbt sein (Tuxer) und besitzt helle Flanken. Es wird als Zweinutzungsrind für Milch und Fleisch geschätzt, überzeugt durch Langlebigkeit, Fruchtbarkeit und Trittsicherheit und trägt wesentlich zur Erhaltung der genetischen Vielfalt heimischer Rinder bei.

Zwei schwarze Rinder mit weißen Bäuchen und Hörnern auf einer Almwiese.
Foto: Lois Mair

Ernannt von ARCHE Austria.

Text von ARCHE Austria, Rinderzucht Tirol

Pilz des Jahres: Zweisporige Stachelspor-Koralle (Phaeoclavulina macrospora)

Mit der Zweisporigen Stachelspor-Koralle macht die Österreichische Mykologische Gesellschaft auf eine in Europa ausgesprochen seltene Pilzart von Magerstandorten aufmerksam.

Eine blassgelbe, verzweigt wachsende Korallenpilzart zwischen Blättern und Wiese.
Foto: Thomas Ruecker

Beschreibung
Die bis zu 6 cm hohen Fruchtkörper der Zweisporigen Stachelspor-Koralle haben einen einfachen, oft deutlich in den Erdboden eingesenkten zylindrischen Strunk. Die Basis ist zunächst weiß und geht oberhalb langsam in eine ockergelbe bis schmutzig-gelbe Farbe über. Die korallenförmigen Äste sind dick, graugelb bis olivgelb gefärbt und häufig längsrippig. Die Astenden heben sich durch goldgelbe bis organgegelbe Farben ab. Die Berührungsstellen des Fruchtkörpers verfärben sich weinbraun und schließlich schwarz(braun). Das Fleisch ist weißlich bis blassgelb und verfärbt sich rotbräunlich bis schwarz. Der Geruch des Pilzes ist unauffällig und der Geschmack bitter.

Lebensweise
Die Angaben zur Standortsökologie der Zweisporigen Stachelspor-Koralle sind unterschiedlich. Zum einen gibt es Funde in Magerwiesen, aber auch in Nadel- und Laubwäldern sowie im grasreichen Kiefernwald. In jedem Fall bevorzugt die Art nährstoffarme Habitate.
Die Zweisporige Stachelspor-Koralle gehört heute nach neuesten Ergebnissen zur Gattung Phaeoclavulina. Diese bildet eine einheitliche Gruppe innerhalb der Schweinsohrartigen. Früher war sie als Ramaria broomei in der Gattung der Korallen zu finden.

Verwechslungsmöglichkeiten
In Verbindung mit den Standortsansprüchen, den auffällig gefärbten Fruchtkörpern, die sich bei Berührung deutlich verfärben, ist eine Verwechslung mit anderen Korallenpilzen kaum möglich. Der deutsche Name – Zweisporige Stachelspor-Koralle – bezieht sich auf besondere mikroskopische Merkmale, wie ihre zweisporigen Basidien – auch Sporenständer genannt – und ihre stacheligen Sporen, die diesen Pilz sicher bestimmbar machen.

Verbreitung
Die vor über 100 Jahren aus dem Teutoburgerwald in Deutschland beschriebene Zweisporige Stachelspor-Koralle kommt in zahlreichen Ländern Nord-, West- und Mitteleuropas vor, ist aber überall selten. Länder mit sicheren Nachweisen sind Deutschland, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Schweden, die Schweiz und Spanien. Nachweise in den USA sind umstritten, hier besteht wahrscheinlich eine Verwechslung mit Ramaria americana, einer amerikanischen Korallenpilz-Art.

Funde in Österreich
In Österreich gibt es derzeit nur ein bekanntes Vorkommen auf der Südseite des Gaisbergs in Salzburg auf etwa 630 m Seehöhe. Standort ist ein Trespen-Halbtrockenrasen, der von einem Buchen-Tannenmischwald umgeben ist. Bemerkenswert ist der Umstand, dass 25 Jahre nach dem Erstnachweis (1995) die Zweisporige Stachelspor-Koralle am gleichen Standort (immer) noch aufgefunden werden konnte. Es ist damit möglich, dass eine symbiontische Beziehung mit Gefäßpflanzen besteht. Als Begleitpilze kommen an diesem Standort auch zahlreiche Saftlingsarten wie z. B. der Rosarote Saftling, Porpolomopsis calyptriformis, vor.

Gefährdung
In der von der IUCN (International Union for the Conservation of Nature) betreuten Inititative für eine Globale Rote Liste der Pilze (Global Fungal Red List Initiative) wird die Zweisporige Stachelspor-Koralle als gefährdet (vulnerable) eingestuft. In der 2017 erschienenen Roten Liste der Großpilze Österreichs wird diese Art ebenfalls in der Kategorie 2 – stark gefährdet (endangered) – geführt.

Schutzmaßnahmen
Obwohl unterschiedliche ökologische Angaben vorliegen, wurde die Zweisporige Stachelspor-Koralle zumeist in Magerwiesen, einem typischen Kulturlandschaftstyp, gefunden. Der besondere Wert dieser Flächen liegt darin, dass diese Wiesen durch die zumeist exponierte Lage nur extensiv genutzt werden und bis heute von massivem Düngereintrag verschont geblieben sind. Um diesen spannenden Pilz zu erhalten, sind die extensive Bewirtschaftung seiner kostbaren Lebensräume und die Vermeidung von Düngung essenziell.

Text: Thomas Rücker, Irmgard Krisai-Greilhuber

Spinne des Jahres: Streifenkreuzspinne (Mangora acalypha)

Die Streifenkreuzspinne ist häufig und weit verbreitet und daher bei Spaziergängen und Streifzügen in der Natur fast überall anzutreffen. Und man kann sie leicht erkennen: Nicht nur die Spinne selbst ist aufgrund ihres charakteristischen Zeichnungsmusters auf dem Hinterleib unverwechselbar, auch ihr Netz ist mit seiner hohen Anzahl an Speichen und dem feinmaschigen Zentrum von den Netzen anderer Radnetzspinnen leicht zu unterscheiden.

Mit der Wahl der Spinne möchten das Naturhistorischen Museum Wien, die Arachnologischen Gesellschaft (AraGes) und die European Society of Arachnology (ESA) einerseits eine „wenig beliebte“ Tiergruppe ins rechte Licht rücken - sie erhoffen sich aber auch Daten zur aktuellen Verbreitung zu bekommen. In diesem Sinne: halte beim nächsten Spaziergang die Augen offen und hilf mit deiner Fundmeldung bei der Dokumentation dieser Art: www.naturbeobachtung.at.

Eine Nahaufnahme einer Spinne mit weißem Hinterleib und schwarz-brauner Zeichnung.
Foto: Wolfgang Kairat

Die Streifenkreuzspinne – eine Radnetzspinne
Die Streifenkreuzspinne, Mangora acalypha, gehört zur Familie der Radnetzspinnen, Araneidae. Diese Spinnenfamilie ist die drittgrößte weltweit und besteht aus 198 Gattungen mit über 3.160 Arten. Die Gattung Mangora umfasst 190 Arten, von denen in Europa aber nur diese eine Art vorkommt.

Verbreitung, Lebensraum & Gefährdung
Die Streifenkreuzspinne ist paläarktisch verbreitet und kommt in ganz Europa vor. Die bevorzugte Höhenstufe ist planar-kollin (bis 800 m Seehöhe) mit immer selten werdenden Funden bis zu 1000 m Seehöhe in Deutschland bzw. sogar 1500 m in Frankreich. Mangora acalypha bewohnt viele, vornehmlich sonnige Lebensräume wie Trockenrasen, Wiesen, Gärten, Ruderalstandorte und lichte Wälder. Aufgrund ihrer Häufigkeit und einer großen Habitatverfügbarkeit wird sie in den Roten Listen als nicht gefährdet eingestuft. 

Beschreibung
Die Körperlänge von Mangora acalypha beträgt bei Weibchen 4,5 bis 6 mm, die Männchen sind mit 3 bis 3,5 mm etwas kleiner. Beide Geschlechter ähneln sich in Färbung und Zeichnung. Der Vorderleib ist einfarbig hell gelblich oder grünlich braun und weist einen schwarzen Rand sowie einen schwarzen Mittelstreifen auf. Der Grundton des Hinterleibs ist weißlich-gelb. Charakteristisch ist die Zeichnung auf der Oberseite des Hinterleibs: Sie besteht aus drei dunklen Streifen – genauer gesagt sind es drei Reihen schwarzer Punkte, die durch Längsstriche verbunden sind. Die Interpretation dieses Zeichnungsmusters ist sehr unterschiedlich und reicht von einfachen Streifen – daher der Populärname im deutschsprachigen Raum – bis hin zur Form eines Cricketschlägers – „cricket-bat orb weaver“ in England – oder einer kleinen Flasche – „mangore petite bouteille“ in Frankreich.

Lebensweise
Mangora acalypha hat eine Fortpflanzungsperiode vom späten Frühling bis zum Sommer. Geschlechtsreife Tiere sind von April bis August anzutreffen. Ab etwa Mitte Mai legt das Weibchen seine Eier ab. Der Kokon aus weißer Seide mit einem Durchmesser von 4 bis 5 mm umschließt etwa 25 Eier. Die Jungspinnen schlüpfen noch im Juli und machen die ersten Häutungen durch. Sie überwintern im Boden in Moos und Streu, im Frühjahr erfolgen weitere Häutungen der Jungspinne bis zur Reifehäutung zum geschlechtsreifen Tier.

Die Streifenkreuzspinne baut ihre Netze sowohl an der Basis der Vegetation auf niedrigen Pflanzen in der Krautschicht als auch auf Sträuchern und Büschen, meist in sonnigen offenen Habitaten. Das rund 20 bis 30 cm breite Netz ist meist schräg ausgerichtet mit 40 bis 60 Speichen und einem geschlossenen Zentrum – der Nabe oder Netzmitte – aus sehr fein gesponnenen Seidenfäden. Die Streifenkreuzspinne baut keinen separaten Schlupfwinkel, und hält sich tagsüber meist in der Mitte des Netzes auf. Bei Störung lässt sie sich entlang eines Spinnfadens zu Boden fallen oder sucht Schutz in der umgebenden Vegetation. Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus kleinen Fluginsekten, wie Mücken und Fliegen, die sich im Netz verfangen.

Ähnliche Arten
Es gibt keine Verwechslungs-Arten: Die Streifenkreuzspinne ist leicht anhand der Zeichnung des Hinterleibs zu erkennen.

Text von Christoph Hörweg und Norbert Milasowszky

Streuobst des Jahres: Traxleder Apfel

Ein junger Zufallssämling aus Oberösterreich wurde vom Verein Streuobst Österreich zur Streuobstsorte des Jahres 2026 gewählt. Damit soll gezeigt werden, dass auch heute – neben gezielt gezüchteten Sorten – der Zufall noch immer eine wichtige Rolle bei der Entstehung neuer Apfelsorten spielt.

Bis zum späten 18. Jahrhundert entstanden nahezu alle gängigen Obstsorten durch natürliche Kreuzungen und Zufallssämlinge. Erst um 1770 begann man in Frankreich Sorten bewusst zu kreuzen, um die besten Eigenschaften zweier Elternsorten zu vereinen. Damit begann in Europa das goldene Zeitalter der Pomologie: Es wurde gesammelt, getauscht und gezüchtet, bis man gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der enormen Sortenfülle begann, die Vielfalt im Erwerbsobstbau zu reduzieren. Auch heute spielt die Züchtung – besonders beim Apfel – eine bedeutende Rolle: Sie zielt auf bessere Lagerfähigkeit, höhere Krankheitsresistenz oder optimierte Inhaltsstoffe, etwa zur Reduktion von Allergenen, ab.

Enge Verbindung von Natur und Kulturlandschaft
Trotzdem haben es immer wieder Zufallssämlinge geschafft, sich zu behaupten und bis heute zu bleiben. Bekannte internationale Beispiele sind der „Gravensteiner“, der schon seit 1669 bekannt ist oder der niederländische „Schöner aus Boskoop“. Auch in Österreich haben solche Naturfunde Geschichte geschrieben: Der „Kronprinz Rudolf“, um 1860 in der Steiermark entdeckt, geht auf einen zufällig aufgegangenen Baum zurück. Ebenso entstand der „Ilzer Rosenapfel“ vermutlich aus einem Wildsämling im Raum Ilz. Solche regionalen Entdeckungen zeigen, wie eng Natur und Kulturlandschaft miteinander verbunden sind.

Ein typischer Apfel, rot mit gelbgrünen Fleck, einmal ganz, einmal aufgeschnitten mit hellem Fruchtfleisch.
Foto: Siegfried Bernkopf

Der „Traxleder Apfel“ als Zufallssämling
Der Name „Traxleder“ geht auf den Hausnamen einer Sölde – eines bäuerlichen Kleinstanwesens – in Edt, Gemeinde Kirchheim im Innkreis, zurück. Dort entstand der „Traxleder Apfel“ um das Jahr 1990 zufällig aus einem Kern. Molekulargenetische Untersuchungen in Südtirol konnten seine Elternsorten identifizieren: den „Berner Rosenapfel“ und den „Weißen Klarapfel“. Vom Berner Rosenapfel stammen die rote bis dunkelrote Schalenfarbe und vom Klarapfel die frühe Reifezeit – meist Mitte bis Ende August.

Einer der besten heimischen Tafeläpfel
Der Baum zeigt sich am Standort starkwüchsig, mit einer eher kugeligen Krone, ist anspruchslos und robust gegenüber Krankheiten, Frost und Schädlingen. Die Früchte beeindrucken durch ihre attraktive Färbung und eine oft ausgeprägte Fleischwulst in der Stielbucht – ein für Pomologen wichtiges Erkennungsmerkmal. Das Fruchtfleisch ist von herausragender Qualität, gekennzeichnet durch die besondere Saftfülle und den erfrischend säuerlich-süßen aromatischen Geschmack. Damit zählt der „Traxleder Apfel“ zu den besten heimischen Tafeläpfeln in diesem frühen Reifesegment.

Sinnbild für Streuobstkultur
Der Traxleder Apfel steht sinnbildlich für das, was Streuobstkultur ausmacht – Vielfalt, Regionalität und das wunderbare Zusammenspiel von Mensch und Natur. Mit der Wahl zur Streuobstsorte des Jahres 2026 setzt Streuobst Österreich ein Zeichen für die Bedeutung genetischer Vielfalt und den Wert traditioneller Streuobstbestände, in denen auch heute noch die Zufälle von morgen reifen.

Ernannt von ARGE Streuobst Österreich.

Text von Siegfried Bernkopf, ARGE Streuobst

Tier des Jahres: Mauswiesel (Mustela nivalis)

Am Start zur Wahl des Tiers des Jahres 2026 waren heuer der Rothirsch, das Alpenmurmeltier und das Mauswiesel. Mauswiesel und Alpenmurmeltier lieferten sich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen, doch schließlich schaffte es das flinkere Tierchen aufs Podest: Das Mauswiesel ist nicht nur flink, es ist auch das kleinste säugetierfressende Raubtier der Welt und eine wahrer Kalorienvertilgungsmeister – denn Mauswiesel fressen täglich ein Drittel ihres Körpergewichts.

Ein Mauswiesel mit braunem Fell und weißem Bauchfleck schaut hinter einem Stein hervor.
Foto: Stefan Weber

Die kleinsten ausgewachsenen Mauswiesel, Mustela nivalis, haben eine Körperlänge von bloß 12 cm und sind nur 30 g schwer. Die Größe der zu den Mardern gehörenden Tiere unterscheidet sich jedoch nach Region und Geschlecht: Mauswiesel-Männchen können sogar eine maximale Länge von 25 cm und ein Gewicht von bis zu 200 g erreichen. Mauswiesel gehören, wie Baummarder und Steppeniltis, aber auch Dachs, Vielfraß und Otter, zur Familie der Marder, Mustelidae. Ähnlich wie andere Wiesel haben sie einen schlanken, langgestreckten Körperbau, wodurch sie sich perfekt durch Höhlen und enge Zwischenräume bewegen können. Die Tiere haben meist ganzjährig braunes Fell an der Oberseite und sind unten weißlich. Im Hochgebirge und in manchen nördlichen Regionen färbt sich – ähnlich wie bei dem verwandten Hermelin – ihr ganzes Fell im Winter schneeweiß ein.

So lebt es sich als Mauswiesel
Mauswiesel sind Einzelgänger und leben in Territorien. Diese sind sehr eng an ihre Hauptbeute, und zwar Kleinnager, gebunden. Mauswiesel sind vorwiegend dämmerungsaktiv, können aber ebenso am Tag und in der Nacht unterwegs sein. Als Unterschlupf nutzen sie Baumwurzeln, Erdspalten, Baumlöcher und Steinhaufen aber auch alte Baue anderer Säugetiere. Ausschließlich während ihrer Paarungszeit erlauben Mauswiesel Artgenossen den Zutritt zu ihren Revieren. Die Männchen leben während der Monate der Paarungszeit meist nomadisch und besuchen die Reviere der Weibchen. Mauswiesel sind grundsätzlich während des ganzen Jahres paarungs- und fortpflanzungsfähig, solange genügend Nahrung vorhanden ist. Frühling bis Spätsommer ist jedoch ihre Hauptpaarungszeit.

Die marderartigen Tierchen können eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume bewohnen und sind überaus anpassungsfähig. Besonders häufig sind sie in offenen Landschaften, naturnahen Wäldern, intakten Hecken und extensiven landwirtschaftlichen Flächen zu finden. Während Mauswiesel von diversen Arten gejagt werden – darunter Eulen, Füchse und Bussarde – sind ihre Populationen in intakten Lebensräumen nichtsdestoweniger langfristig stabil. Gefahren lauern trotz allem insbesondere durch den Verlust und die Zerschneidung ihrer Lebensräume sowie den Straßenverkehr.

Das Mauswiesel & seine Beute
Mauswiesel müssen täglich etwa ein Drittel ihres Körpergewichts vertilgen, um überleben zu können. Die kleinen Tiere fressen hauptsächlich Wühlmäuse: Die unterirdische Jagd derselben durch enge Gangsysteme meistern sie dank ihres flexiblen, schlanken Körperbaus und ihres gut ausgebildeten Geruchssinns. Ebenso auf dem Speiseplan der Marderartigen stehen Mausarten, Spitzmäuse, Vögel, Eidechsen, Insekten und Würmer. Was überraschen mag: Mauswiesel können sogar Beutetiere erlegen, die um ein Vielfaches größer sind als sie selbst, wie etwa ausgewachsene Kaninchen. Dennoch ist die Populationsdichte der Mauswiesel größtenteils vom jeweiligen Wühlmausvorkommen abhängig. Nimmt dieses ab, schrumpft auch die Mauswieseldichte.

Mauswiesel beobachten und schützen
Der Naturschutzbund bittet, „glückliche“ Beobachtungen des scheuen Mauswiesels via Foto auf seiner Citizen-Science-Plattform www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App zu teilen. Die so gesammelten Daten werden von Expert*innen ausgewertet und für die Erforschung und somit auch den Schutz der Tiere verwendet.

Ernannt von: Naturschutzbund Österreich per öffentlicher Online-Abstimmung

Text von Ines Hickmann.

Vogel des Jahres: Kiebitz (Vanellus vanellus)

In den vergangenen 25 Jahren halbierte sich die Anzahl der Kiebitze in Österreich. Daher ernennt die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich diesen charakteristischen Feldvogel zum Vogel des Jahres 2026. Doch der Kiebitz ist nicht verloren: Maßgeschneiderte Schutzmaßnahmen können das Überleben dieses stark gefährdeten Bodenbrüters sichern. Als sogenannte Schirmart kann der Kiebitz wesentlich dazu beitragen, den dramatischen Verlust an Biodiversität im Ackerland zu bremsen.

Ein Vogel mit branschwarzen Schwingfedern, weißen Bauch und Augenfleck und schwarzem Hals und Kopfgefieder, das am Hinterkopf lang absteht.
Foto: Flora Bittermann

Dramatischer Rückgang
Von allen Vogelartengruppen Österreichs geht es den Feld- und Wiesenvögeln am schlechtesten. Sie leiden vor allem unter der Intensivierung der Landwirtschaft und dem Lebensraumverlust im ländlichen Raum. Der Kiebitz ist eine allseits bekannte, sehr beliebte und auffällige Vogelart, die durch Ruf, Aussehen und Flugkünste viele Menschen beeindruckt. Aktuell werden nur mehr rund 3.800 bis 6.900 Brutpaare österreichweit gezählt, ein Minus von 57 Prozent seit 1998. Der Kiebitz gilt in Österreich laut Roter Liste als potenziell gefährdet und ist auf der BirdLife-Ampelliste in der Kategorie mit der höchsten Handlungspriorität geführt. Hauptursache ist der massive Verlust geeigneter Brut- und Nahrungsflächen.

Der Kiebitz braucht Hilfe
Der Kiebitz war ursprünglich ein Bewohner feuchter und mager bewachsener Wiesen mit guter Rundum-Sicht. Da sumpfige Wiesen aber weitgehend entwässert und kultiviert wurden, hat der Kiebitz sein ursprüngliches Habitat verloren. Der Vogel schaffte jedoch teilweise den Umstieg auf einen Ersatzlebensraum mit Rundum-Sicht, die Ackerlandschaft.

Besonders während der empfindlichen Brutzeit von März bis in den Juni ist er dort jedoch zahlreichen Gefahren ausgesetzt: Viele Gelege werden in dieser Zeit unbeabsichtigt durch landwirtschaftliche Bewirtschaftung zerstört. Auf Äckern ist es die Bodenbearbeitung, die die Nester zerstört, noch bevor die Küken schlüpfen können. Im Grünland ist es vor allem die frühe Mahd. Weil der Kiebitz ab März seine Eier bevorzugt auf unbebaute Äcker ablegt und dort brütet, gerät er seit Jahrzehnten in die Mühlen der modernen Technik der Feldbewirtschaftung. Viele Erstgelege des Bodenbrüters werden zumeist vollständig durch die maschinelle Bewirtschaftung im April vernichtet.

Wenn es Küken schaffen zu schlüpfen, stehen sie vor einem ernsthaften Problem: In den Getreideanbaugebieten steht ab Mai die Vegetation so dicht und hoch, dass diese Flächen für die Kiebitze nicht mehr nutzbar sind. In den Maisanbaugebieten treffen die Jungvögel auf eine trockene und nahezu insektenfreie Umgebung, in der eine effiziente Nahrungsaufnahme unmöglich ist. Doch dieser negative Ablauf kann mittels einfacher Maßnahmen gestoppt werden.

Lösungsansätze
Einerseits schützt eine verzögerte Aussaat von Mais und Soja die Erstgelege der Kiebitze. Andererseits können die Gelege-Standorte markiert werden, sodass die Gelege bei der Feldbewirtschaftung ausgespart werden können. Die österreichweite Initiative „Gemeinsam für den Kiebitz“ setzt sich gezielt für den Schutz des Kiebitzes und weiterer gefährdeter Bodenbrüter in der heimischen Agrarlandschaft ein. Aktuell arbeitet BirdLife in rund 14 Projektregionen österreichweit ganz gezielt – in enger Zusammenarbeit mit Landwirt*innen – für den Schutz des Kiebitzes in der heimischen Agrarlandschaft. Erfolgreiche Vorgängerprojekte gab es bereits in Oberösterreich.

Wie erkenne ich einen Kiebitz?
Der Kiebitz ist ein kräftiger, etwa taubengroßer Regenpfeifer mit markantem Aussehen: Er ist schwarzweiß gefärbt mit metallisch grünem Glanz am Rücken und besitzt eine lange, dünne Federholle, so nennt sich der spitz zulaufende Federschopf auf seinem Hinterkopf. Im Flug fallen vor allem seine breit gerundeten Flügel auf. Der Kiebitz ist eine sehr markante und gut bekannte Vogelart.

Vorsicht: Verwechslungsgefahr
Eigentlich ist er unverwechselbar, doch werden manchmal Kiebitze mit Wiedehöpfen verwechselt, die ebenfalls eine Haube am Kopf tragen und recht breite Flügel haben, jedoch beigeorange gefärbt sind und schwarzweiß gestreifte Flügel und Rücken haben. Zudem ist ihre Federhaube beigeorange mit schwarzen Spitzenflecken und kann wie eine „Irokesenfrisur“ aufgestellt werden. Weit entfernt fliegende Kiebitz-Trupps könnten mit anderen Limikolen – das sind Wat- und Stelzvögel – verwechselt werden, im Flug sollte man daher auf die kontrastreiche schwarzweiße Zeichnung und die gerundeten Flügel achten.

Stimme
In seinem Revier ist der Kiebitz sehr stimmfreudig: Er produziert verschiedene langgezogene heisere Rufe, etwa chii-wääh und "jodelnden" Gesang (kiju-wid-ju-wid). Im Balzflug beginnt der bemerkenswerte Vogel sogar zu wummern. Dieses Geräusch wird durch seine Flügelfedern erzeugt

Lebensraum
Der Kiebitz nutzt in Mitteleuropa landwirtschaftlich geprägte Gebiete. In Oberösterreich, das mit 2.000 bis 3.000 Brutpaaren etwa die Hälfte des österreichischen Bestandes aufweist, brüten etwa 90 Prozent der Kiebitze auf Ackerflächen. Dort leidet der Kiebitz jedoch unter der Intensivierung der Landwirtschaft und dem Verlust von feuchten Stellen in und um die Ackerflächen. Zur Nahrungssuche benötigt der Kiebitz feuchte Böden, in denen er nach Insekten, Würmern und kleinen Wirbellosen stochern kann. In natürlichen oder wiederhergestellten Landschaften bevorzugt der Kiebitz offene, feuchte Lebensräume wie Wiesen, Moore und Flussniederungen. Dort sind extensiv genutzte oder brachliegende Flächen mit kurzem Bewuchs, wo er seine Bodenmulden als Nistplätze anlegen kann, essenziell.

Nahrung
Der Kiebitz frisst hauptsächlich kleine Bodentiere. Den größten Anteil davon machen Insekten und deren Larven – vor allem im Frühjahr – aber auch Regenwürmer aus. Im Winter ernährt sich der Vogel auch vegetarisch.

Verhalten
Vor allem am Frühjahrszug können große „Kiebitz-Trupps“ beobachtet werden, die oft mit Staren, zuweilen auch mit Goldregenpfeifern vergesellschaftet sind. Der Vogel brütet häufig in lockeren Kolonien in Bodennestern mit typischerweise vier tarnfärbigen Eiern. Als Bodenbrüter ist der Kiebitz gegenüber Nesträubern, wie z. B. Füchsen, sehr gefährdet. In der Regel können jene Nesträuber in größeren Kolonien effektiver abgewehrt werden. Der Erhalt größerer, zusammenhängender Brutgebiete ist auch deshalb von zentraler Bedeutung.

Was man für den Kiebitz tun kann
Ein gezielter Lebensraumschutz für den Kiebitz umfasst die Anlage und den Erhalt von feuchten Mulden – sogenannten „Sutten“ – Brachen sowie Feuchtwiesenresten in der Ackerlandschaft. Bis Mitte Juni sollten unbewirtschaftete „Kiebitz-Inseln“ in Feldern angelegt werden, was sich bereits in vielen Länder bewährt hat. Die Verzögerung der Ansaat von Mais oder Soja bis etwa zum 10. Mai verhilft Kiebitz-Kolonien zu gutem Schlupferfolg der Erstgelege. Zudem hilfreich ist es, aktuelle Neststandorte abzustecken, um sie bei der Bearbeitung der Felder auszusparen.

Text von Susanne Schreiner.

Weichtier des Jahres: Kleine Walddeckelschnecke (Cochlostoma septemspirale)

Die Kleine Walddeckelschnecke ist eine der wenigen landlebenden Schneckenarten, die nicht zu den Lungenschnecken, sondern zu den Kiemenschnecken gehört. Aus diesem Grund bevorzugt sie luftfeuchte, schattige Habitate, wie Spalten und Hohlräume an und unter Steinen, in denen sie gegen Austrocknung geschützt ist. Cochlostoma septemspirale ist eine kleine Schnecke mit turmartigem Gehäuse, die in Mittel- und Südeuropa vorkommt und besonders stark an kalkreiche Lebensräume gebunden ist. Man findet sie vor allem in beschatteten Felslandschaften, an steinigen Waldrändern und lichten Hängen. Die Aktivität der Tiere ist eng an die Luftfeuchtigkeit gebunden und findet hauptsächlich in feuchten Perioden statt, meist nachts oder nach Regenfällen. Während trockener Phasen bleiben die Schnecken oft wochen- oder monatelang tief in Spalten verborgen.

Eine Schnecke mit einem langgezogenen, hohen, braunen Gehäuse und beigen Streifen.
Foto: Robert Patzner

Walddeckelschnecken sind getrennt geschlechtlich
Wie alle landlebenden Kiemenschnecken besitzt sie einen Deckel – das Operculum – mit dem sie bei Trockenheit ihre Gehäuseöffnung verschließen kann. Dieser kalkige Deckel sitzt am hinteren Teil des Fußes und verschließt automatisch das Gehäuse, wenn sich der Weichkörper in die Schale zurückzieht. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zu anderen heimischen Landschnecken ist die Position der Augen. Sie befinden sich nicht an der Spitze der Fühler, wie zum Beispiel bei der Weinbergschnecke, sondern an deren Basis. Im Gegensatz zur Weinbergschnecke und der ungeliebten Spanischen Wegschnecke, die Zwitter sind, sind die Kleinen Walddeckelschnecken getrennt geschlechtlich. Die Weibchen legen im Frühsommer wenige, etwa 1 mm große Eier, die mit zuvor aufgenommen Kalkpartikeln beklebt werden, in geschützten Felsspalten ab. Diese Schalen schützen vor Austrocknung und Fressfeinden. Die Entwicklung verläuft direkt ohne ein Larvenstadium.

Wovon sich Walddeckelschnecken ernähren
Die Ernährung besteht überwiegend aus faulenden Pflanzenteilen, Algenrasen, Pilzmyzelien, Bakterienfilmen und feinem Detritus, die sie mit ihrer Raspelzunge – der Radula – von Fels- und Steinoberflächen abweidet. Zu ihren natürlichen Feinden zählen Laufkäfer und deren Larven, Kurzflügler, Spitzmäuse und gelegentlich Vögel.

Wo die Walddeckelschnecke zu Hause ist
Cochlostoma septemspirale ist in Österreich in zwei Arealen verbreitet: Im Norden kommt die Art relativ geschlossen in den Kalkgebieten zwischen Berchtesgadener Alpen und dem Ennstal vor, mit Vorstößen nach Norden und Osten. Im Süden findet man sie in den Kalkalpen entlang des Gail- und Drautales. Cochlostoma septemspirale gilt europaweit und auch in Österreich als nicht gefährdet. Die starke Zunahme von Fichten in den ursprünglichen Mischwäldern hat jedoch einen negativen Einfluss auf die Art. Im Gegenzug profitiert sie von künstlichen Mauern und Steinriegeln. Der Verlust solcher Strukturen, die Verbuschung offener Hänge und Steinbruchaktivitäten können lokal zu Rückgängen führen. Aufgrund ihrer Habitatbindung ist die Art ein nützlicher Indikator für kalkreiche, strukturreiche Landschaften.

Ernannt von Haus der NaturNaturschutzbund Österreich

Text: Robert A. Patzner

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