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Renaturierungs-Atlas

Eine neue Online-Karte des Umweltministeriums zeigt erstmals detailliert, wo Österreich Flüsse wieder in einen naturnahen Zustand bringen könnte.

Ein Bach plätzschert im Vordergrund, dahinter grüne Landschaft und ein Berg auf dem sich noch letzte Schneereste finden.
Foto: Niklas Ohlrogge, niamoh.de/Unsplash

Eine neue Onlinekarte des BMLUK zeigt erstmals detailliert, wie Österreich die Ziele der EU-Renaturierungsverordnung im Bereich der Flüsse erreichen will. Insgesamt sollen in Österreich 2.531 Kilometer Flüsse renaturiert werden, davon knapp 450 km bis 2030. Auf europäischer Ebene ist vorgesehen, bis 2030 insgesamt 25.000 Kilometer Flüsse wieder frei fließen zu lassen und Auen zu revitalisieren. Frei fließende Flüsse sind zentral für Biodiversität, Hochwasserschutz und stabile Wasserressourcen. Stark verbaute Gewässer hingegen beschleunigen den Verlust von Arten und erhöhen die Risiken durch Klimafolgen. In Österreich befinden sich laut Studie der Universität für Bodenkultur (BOKU) nur 15 Prozent der Flusstrecken in einem sehr guten ökologischen Zustand - das sind 4.749 Kilometer. Die Analyse hat 32.267 Flusskilometer untersucht und 11.500 Kilometer als besonders schutzwürdig eingeschätzt, weil sie von besonderer Bedeutung für bedrohte Arten sind. Nur noch 1 Prozent wird von ökologisch bedeutenden, intakten Auen begleitet. Rund 60 Prozent der Fischarten sind daherbereits bereits gefährdet.

Gefährdete Arten

Für den stark gefährdeten Huchen, den größten lachsartigen Fisch Europas, besteht so die Gefahr, dass er in den nächsten 20 Jahren in Österreich ausstirbt. Er kommt nur noch auf rund 50 Prozent (2.700 Kilometer) des ehemaligen Verbreitungsgebiets vor, nur auf 20 Prozent kann er sich natürlich fortpflanzen. Gute Bestände oder hohes Entwicklungspotenzial gibt es nur noch auf rund 400 Flusskilometern. Davon sind nur 9 Prozent streng geschützt.

Die gefährdete Äsche kommt nur noch auf rund 5.000 Flusskilometern vor. Nur noch auf 330 Kilometern (11 Prozent der beprobten Strecken) gibt es gute Vorkommen. Kümmerliche 16 Prozent der intakten Bestände (50 Kilometer) sind vor weiteren Verschlechterungen streng geschützt

Die seltene und streng geschützte Deutsche Tamariske kommt nur alpin und voralpin an Flüssen mit natürlicher Flussdynamik vor und ist und vom Aussterben bedroht. Die Vorkommen beschränken sich auf 0,5 Prozent der Flüsse (150 Kilometer), davon ist nur ein Drittel streng geschützt;

Der Flussuferläufer brütet nur mehr auf 0,3 Prozent der Fließgewässerstrecken (100 Kilometer), davon sind nur 38 Kilometer streng geschützt.

Bundesländer im Vergleich

In den Plänen sieht die Analyse des WWF vor allem in Tirol deutliche Defizite. Bereits bestehende Pläne zur Flussaufweitung an der Isel wurden demnach nicht gemeldet, obwohl sie sowohl ökologisch als auch für den Hochwasserschutz relevant wären. Kritisiert wird außerdem, dass mögliche Auswirkungen geplanter Wasserkraftprojekte auf frei fließende Flüsse im Renaturierungsplan teilweise vorweggenommen dargestellt werden.

Gesamt hält der WWF auch fest, dass acht von zehn Wasserkraft-Anlagen ökologische Mindeststandards verfehlen . Sie sollen zuerst saniert und ihre Effizienz gesteigert werden, bevor neue Kraftwerke gebaut werden.

Andere Bundesländer zeigen laut WWF ambitioniertere Ansätze: Die Steiermark plant bis 2030 mit rund 158 Kilometern die meisten Renaturierungen, während Niederösterreich etwa 140 Kilometer vorsieht. Auch in Salzburg, Kärnten, dem Burgenland und Vorarlberg sind Maßnahmen geplant, etwa Flussaufweitungen oder der Rückbau von Querbauwerken. Insgesamt sieht der WWF sowohl Fortschritte als auch ungenutzte Potenziale bei der Wiederherstellung österreichischer Flüsse.

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