Feld- und Wiesenvögel im Sinkflug
Seit 1998 hat sich der Bestand typischer Wiesen- und Feldvögel in Österreichs ungefähr halbiert - Verbesserungen von biodiversitätsfördernden Maßnahmen bremsen den Sinkflug und geben Hoffnung zur Trendumkehr.
Aus einer Auswahl 23 häufiger Vogelarten der Kulturlandschaft berechnet BildLife im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums seit 1998 alljährlich den Farmland Bird Index (FBI). Sein Verlauf zeigt eine klar negative Entwicklung. 2025 liegt der FBI auf dem bisher niedrigsten Wert, bei 53,3 Prozent. Das bedeutet, dass seit 1998 jeder zweite Feld- und Wiesenvogel verschwunden ist. Im europäischen Vergleich steht Österreich jedoch besser da als die meisten anderen EU-Mitgliedsstaaten: In den letzten zwölf Jahren kam es zu einer Abflachung - das Verschwinden wird langsamer. EU-weit ist noch keine Abflachung im Abwärtstrend zu beobachten.
„Gemäß der Verordnung zur Wiederherstellung der Natur muss der Farmland Bird Index in Österreich bis zum Jahr 2030 um fünf Prozent gesteigert werden. Bisher wurde diese Trendumkehr leider noch nicht geschafft“, erklärt Norbert Teufelbauer, Projektleiter bei BirdLife Österreich. „Dafür braucht es die Fortführung und noch zielgerichtetere Weiterentwicklung eines starken Agrarumweltprogramms, vor allem mit dem Erhalt der bunten Blumenwiesen und der Betonung von Ackerbrachen!“
Bestandstrends heimischer Feld- und Wiesenvögel
14 von 23 Indikatorarten (61%) haben im Bestand seit letztem Jahr weiter abgebaut, die verbleibenden neun Arten (39%) verzeichneten sich jedoch positiv. Langzeittrends ab dem Jahr 1998 bestätigen das Bild: 14 Arten (70%) gehen zurück (Rebhuhn, Turteltaube, Kiebitz, Feldlerche, Sumpfrohrsänger, Dorngrasmücke, Wacholderdrossel, Braunkehlchen, Europäisches Schwarzkehlchen, Baumpieper, Bluthänfling, Girlitz, Grauammer, Goldammer), vier Arten (20%) blieben stabil (Wendehals, Neuntöter, Star, Feldsperling) und zwei Arten (10%) nehmen zu (Turmfalke, Stieglitz).
„Das Schicksal der Grauammer macht uns besonders betroffen. Aufgrund des seit 2023 weiter gesteigerten Brachenanteils wäre zu erwarten gewesen, dass sich dieser positiv auf die Bestände auswirkt. Doch diese Art ist mittlerweile so selten geworden, dass sie kurz vor dem Aussterben steht“, so Teufelbauer. Es gibt jedoch auch aktuelle Hinweise darauf, dass es zumindest lokal Zunahmen im Bestandstrend gibt, die mit der Zunahme an Brachen zusammenhängen könnten. Dies gibt Hoffnung auf eine doch noch einsetzende Wirkung des landwirtschaftlichen Förderprogramms.
Der spezialisierte Lebensraum von extensiv genutzten Wiesen und Altgrasstreifen wird diesem Grünlandbewohner zum Verhängnis. Um den attraktiven Brutvogel bei uns zu erhalten – am wahrscheinlichsten ist das in höheren Lagen und in speziell betreuten Gebieten – sind größere Anstrengungen für den Erhalt von artenreichen Mähwiesen mit spätem Schnittzeitpunkt erforderlich.
Auch beim Schwarzkehlchen bestehe laut Auskunft des Experten eine realistische Chance auf Erholung.
Seine Bestände brachen durch massive Schlechtwetter im Vorfrühling 2012 massiv und katastrophal ein.
Im Langzeittrend könnte der Bestand in den nächsten Jahren weiter ansteigen.
Was ist der Farmland Bird Index?
Der Farmland Bird Index gehört zum Gemeinsamen Begleitungs- und Bewertungsrahmen zur Evaluierung der Maßnahmen für die Entwicklung des ländlichen Raumes (CMES – Common Monitoring and Evaluation System) im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP). Er gilt als ein offizieller Biodiversitätsindikator Österreichs und der EU im Rahmen der Ländlichen Entwicklung - und er ist auch ein Kernindikator für die Bewertung des Zustands und der Wiederherstellung landwirtschaftlicher Ökosysteme laut EU-Wiederherstellungsverordnung. Der FBI muss neben anderen Indikatoren bereits bis 2030 verbessert werden, zur Erreichung dieses Ziels müssen Maßnahmen zur Wiederherstellung ergriffen werden.
Datengrundlage für den österreichischen Farmland Bird Index ist das „Monitoring der Brutvögel Österreichs“, ein Bestandserfassungsprogramm für häufige Vogelarten, das von BirdLife Österreich durchgeführt wird, sich überwiegend auf die Mitarbeit Freiwilliger stützt („Citizen Science“) und von Expert*innen qualitätsgesichert und ausgewertet wird. Dieses Zählprogramm läuft seit dem Jahr 1998. Die Erhebungen erfolgen standardisiert nach genau vorgegebener Methode. Aus den jährlichen Zählergebnissen kann für alle in ausreichender Zahl erfassten Vogelarten die Bestandsentwicklung berechnet werden. Aus einer Auswahl 23 häufiger Vogelarten der Kulturlandschaft wird in einem zweiten Schritt der Farmland Bird Index berechnet.