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Kreuzallergien: Belastung im Frühling

Wenn Pollen und Lebensmittel übers Kreuz kommen, helfen Verarbeitung und saisonale Auswahl.

Nahaufnahme einer Pflanze von der surch Schütteln eine Wolke von Pollen freigesetzt wird.
Foto: Free Photos, Pixabay

Von Mai bis August senden fast alle Gräser und Getreide sowie einige Bäume wie die Birke ihre Blütenpollen aus. Für pollenallergische Menschen kann diese Zeit zur regelrechten Doppelbelastung werden, denn sie können auch auf bestimmte Obst- und Gemüsesorten allergisch reagieren. Dann jucken die Lippen, kratzt der Hals, schwillt die Rachenschleimhaut an, kommt es zu Hautrötungen und Pusteln, wässrigem Schnupfen und geröteten, juckenden Augen. Kreuzallergien zeigen sich häufig als Frischobstallergien. Oft gesellt sich zum Heuschnupfen auch eine Überreaktion auf Sellerie, Karotten, Paprika und Gewürzen.

Allergene sind in der Regel Bruchstücke von Proteinen – sogenannte Epitope –, so auch die Kreuzallergene. Von einer Kreuzallergie spricht man, wenn ein Allergen (z. B. Beifusspollen) eine Sensibilisierung auslöst, auf deren Boden ein anderes Allergen (z. B. Sellerie) eine allergische Reaktion verursachen kann. Beide Allergenquellen haben gleiche oder ähnliche Strukturen. So kann es passieren, dass der Körper diesen zweiten Eiweißbestandteil mit dem Allergen verwechselt und eine Antigen-Antikörperreaktion in Gang kommt. Befinden sich die kreuzreagierenden Allergieauslöser in Nahrungsmitteln, entsteht aus einer Allergie zusätzlich eine Nahrungsmittelallergie.

„Wenn jemand eine Allergie gegen Birkenpollen hat, dann besteht zumeist auch eine Allergie gegen Äpfel, Birnen, Karotten, Haselnüsse und Walnüsse“, sagt Dr. Marlies Gruber, Ernährungswissenschafterin und Geschäftsführerin des forum. ernährung heute (f.eh). Eine Birkenpollen-assoziierte Nahrungsmittelallergie wird häufig auch als „Frischobstallergie“ bezeichnet, da das wichtigste Allergen hitzelabil ist und Betroffene gekochtes Obst gut vertragen können. Nüsse allerdings bereiten auch nach dem Erhitzen noch Beschwerden.

Saisonal ist meist verträglich

Für Betroffene gewinnt die Empfehlung, Obst nach Saison zu essen, an Bedeutung. Isst man gegen die Saison, erhöht sich das allergene Potenzial, weil die Luft mit den allergieauslösenden Pollen gesättigt ist und es so zu einer Doppelbelastung für das Immunsystem kommt. Das ist beispielsweise im April und Mai der Fall, wenn die Birkenpollenbelastung am stärksten ist. Betroffene sollten in dieser Zeit auf den Konsum von Äpfeln, Birnen und Steinobst verzichten. Dagegen werden saisonale Obst- und Gemüsesorten besser vertragen, weil zur jeweiligen Erntezeit die entsprechenden Pollen nicht in der Luft sind. Dadurch wird der Histaminspiegel nicht zusätzlich in die Höhe getrieben und es kommt wesentlich seltener zu kreuzreaktiven Symptomen.

Verarbeitung mindert allergisches Potenzial

Da sich die Allergene in Obst und Getreide meist knapp unter der Schale befinden, kann durch Schälen bereits ein Großteil der Allergene entfernt werden. Dadurch steigt die Chance, dass das Lebensmittel keine Beschwerden verursacht. Besser verträglich ist das jeweilige Obst auch, wenn es eine längere Zeit gelagert wird, weil sich dabei die Struktur der Proteine verändert und die allergene Wirkung sinkt. Durch Erhitzen (z. B. Apfelkompott), Raspeln oder Kleinschneiden werden die Proteine ebenfalls denaturiert, wodurch das Obst beschwerdefrei zu genießen ist.

"Neben Verarbeitung und saisonaler Auswahl können alte Sorten zu einer besseren Verträglichkeit von kreuzreaktiven Lebensmitteln beitragen. Viele Menschen mit einer Birkenpollenallergie vertragen beispielsweise alte Apfelsorten wie Boskop, Gravensteiner oder Goldparmäne deutlich besser als Golden Delicious und Granny Smith“, so Marlies Gruber.

Auswirkungen: von unangenehm bis gefährlich

Personen, die während des Sommers vor allem auf Pollen der Gräser und Kräuter reagieren und somit vom Heuschnupfen geplagt werden, sind oft ebenso von einer Allergie auf verschiedene Gewürze betroffen. Bei Beifuß als auslösendes Pollenallergen ist demnach Vorsicht auch bei Sellerie, Karotten, Paprika und Knoblauch sowie Pfeffer, Anis, Curry oder Zimt geboten. Da diese Lebensmittel in vielen Soßen und Suppen enthalten sind sowie Sellerie zu den häufigsten Allergenen bei Erwachsenen zählt, hat das auf die Lebensmittelauswahl der Betroffenen oft enorme Auswirkungen.

Mögliche Beschwerden treten fast immer direkt nach dem Essen auf und reichen von juckenden Hautausschlägen, Kribbeln, Brennen und Schwellungen der Zunge, Lippe oder des Rachenraumes über Heiserkeit, Schwindel, Übelkeit, Durchfall bis zu akuter Atemnot, Asthmaanfall oder anaphylaktischem Schock, der auch tödlich enden kann.

Allergene und deren kreuzreaktiven Lebensmittel im Überblick

Beifusspollen
rohes Gemüse: Karotte, Paprika, Fenchel, Artischocke
erhitztes Gemüse: Sellerie, Selleriegewürz
Gewürze: Anis, Kümmel, Koriander, Dill, Liebstöckel, Basilikum, Oregano, Majoran, Thymian, Estragon, Zimt, Petersilie, schwarzer und grüner Pfeffer, Paprika, Senf, Kardamom, Ingwer, Muskat, Knoblauch, Curry
Tee: Pfefferminze, Kamille
Obst: Mango, Kiwi, Litschi, Avocado

Birkenpollen
rohes Obst: 
Apfel, Birne, Pfirsich, Nektarine, Kirsche, Zwetschge, Kiwi
rohes Gemüse: Sellerie, Karotte
Nüsse: Haselnuss, Walnuss
Gewürze: Zimt

Gräserpollen
Getreide:
 Roggen, Weizen unerhitzt (Frischkornbrei)
Hülsenfrüchte: Erbse, Erdnuss, Linse, Sojabohne
Gemüse: Tomate

Traubenkrautpollen (Ragweed)
Obst:
 Melone, Banane, Mango
Gemüse: Zucchini, Gurke

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