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Gütesiegel für Hygieneprodukte

Über 200 Marken- und Qualitätszeichen finden sich in den heimischen Supermarktregalen – was ist von jenen für Hygieneprodukte aus Papier und Baumwolle zu halten?

Eine Rolle Toilettenpapier liegt auf hellblauem Hintergrund.
Foto: Claire Mueller/Unsplash

Für Hygieneprodukte aus Papier und Zellstoff gibt es wenig gesetzliche Vorschriften, dadurch kommen hier viele Gütesiegel vor - sieben von 15 stuft Greenpeace dabei als wenig oder nicht vertrauenswürdig ein.

Blauer Engel
Ein blauer Kreis in dem sich in weiß
Der Blaue Engel ist das Umweltzeichen der deutschen Regierung und dem Österreichischen Umweltzeichen sehr ähnlich - für verschiedene Produkte müssen unterschiedliche Kriterien erfüllt werden. Wie das Gütezeichen eingeschätzt wird, hängt daher stark von der vergebenenen Kategorie ab.

Blauer Engel für Windeln, Damenhygiene- und Inkontinenzprodukte

Hier gibt es strenge Vorgaben bezüglich Schadstoffen und umwelt- und gesundheitsgefährdenden Chemikalien. Für Zellstoffe setzt der Blaue Engel auf grundlegende Gütesiegel: FSC Mix und PEFC. Diese werden jedoch von Greenpeace nicht als vertrauenswürdig eingestuft, was sich auch für die Bewertung des Gütesiegeln in dieser Produktkategorie auswirkt. Zusätzlich wird angemerkt, dass die Vergabe von Umweltzeichen für Einwegprodukte wie Windeln fragwürdig ist.

Greenpeace-Bewertung: wenig vertrauenswürdig

Blauer Engel für Hygieneprodukte aus Altpapier

In dieser Kategorie müssen ausgezeichnete Produkte aus 100 Prozent Altpapier hergestellt werden. Schadstoffe in Recyclingfasern (z.B. Reste von Druckfarben) müssen begrenzt werden, bei der Produktion düfen keine umwelt- oder gesundheitsgefährdenden Chemikalien eingesetzt werden.

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

Europäisches Umweltzeichen
Ein blauer Rahmen, darin eine Blume, deren Blüte aus einem Eurozeichen und den Sternen der Europäischen Union gebildet ist, und die Beschriftung
Das EU Ecolabel sorgt für eine einheitliche Kennzeichnung von Produkten im gemeinsamen europäischen Markt - es wird von der Europäischen Union vergeben. Um das Gütesiegel einzuschätzen, muss man auch stark die jeweilige Kategorie und ihre Kriterien betrachten.

Europäisches Umweltzeichen für Hygienepapiere

Positiv sind die strengen Vorgaben bezüglich Luft- und Abwasseremissionen und CO2-Grenzwerte zu nennen. Auch auf viele bedenkliche Chemikalien wird verzichtet. Das Gütesiegel wird in dieser Kategorie trotzdem nicht besonders stark eingeschätzt, da es neu hergestellten Zellstoff zulässt und nur die relativ niedrigen Standards FSC Mix und PEFC einfordert. Auch mangelnde Transparenz wird angemerkt.

Greenpeace-Bewertung: wenig vertrauenswürdig

FSC

Die FSC-Zeichen werden vom Forest Stewardship Council vergeben - in diesem System erarbeiten unterschiedliche Stakeholder wie Industrie, Umweltorganisationen und indigene Gemeinschaften Richtlinien für nachhaltige Forstwirtschaft.

Ein grünes Hakerl, das zum Baum wird. Darunter steht FSC.
FSC

Dieses Zeichen wird für Holz, Papier, Karton und Latex vergeben. 

Die Kriterien sind dabei grundsätzlich gut, jedoch würden diese laut Greenpeace in Ländern unterschiedlich gut umgesetzt. Das Kontrollsystem sei dabei zu schwach. Dadurch würde die Kennzeichnung Abholzung nicht verhindern, sondern im Gegenteil fördern, da sie Greenwashing ermöglicht. Auch gibt es für Papierprodukte keine Kriterien über die Holzproduktion hinaus.

Greenpeace-Bewertung: wenig vertrauenswürdig

Eine grüne Plakette auf der das FSC Siegel gezeigt wird. Darunter steht FSC Mix

FSC Mix

Dieses Zeichen wird für Produkte aus Zellstoff, Papier und Karton vergeben.

Kritisiert werden dabei all jene Punkte, die auch für das FSC-Zeichen selbst angemerkt werden - also die unterschiedlich starke Umsetzung, das zu schwache Kontrollsystem und fehlende Kriterien über die Holzproduktion hinaus. Zusätzlich darf in FSC Mix noch bis zu 30 Prozent  nicht-zertifizierten Holzes enthalten sein. Es ist daher noch schwächer einzuschätzen. 

Greenpeace-Bewertung: absolut nicht vertrauenswürdig

Eine grüne Plakette mit dem FSC Gütezeichen, darunter steht FSC Recycled aus Recyclingmaterial.
 

FSC Recycled

Anders als die anderen FSC-Zeichen, müssen Produkte mit dem FSC Recycled-Zeichen aus 100 Prozent Recyclingmaterial hergestellt sein. Greenpeace bemängelt hier daher nur die Verwechslungsgefahr mit anderen FSC-Zeichen und die fehlenden Richtlinien für Verpackung oder Harstellungsemissionen.

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

Global Organic Textile Standard (GOTS)
Das GOTS-Siegel ist ein grüner Kreis mit einem weißen stilisierten Hemd. Um den Kreis steht
Der Global Organic Textile Standard (GOTS) steht für ökologisch und sozial verantwortliche Textilproduktion - es wurde vom internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft entwickelt. Es wird überwiegend für Textilien verwendet, kann aber auch für andere Baumwollprodukte wie Wattepads genutzt werden.

Das Siegel garantiert, dass bestimmte Umwelt- und Sozialstandards eingehalten wurden - alle Produktionsschritte müssen dabei zertifiziert sein. Viele bedenkliche Chemikalien sind  verboten, Energie- und Wassereinsparungen sind in der Produkion verpflichtend. Die verarbeiteten pflanzlichen und ggf. tierischen Materialien müssen zu 90 bzw. 70 Prozent aus biologischem Anbau stammen, je nachdem, ob das Produkt als "GOTS mit Bio-Rohstoffen hergestellt" oder als "GOTS mit x Prozent Bio-Rohstoffen hergestellt" zertifiziert ist.

Bei den Sozialstandards müssen die internationalen Arbeitsnormen eingehalten werden - hier könnte der Standard also noch strenger werden. Um das Siegel weiter zu verbessern, merkt Greenpeace Kontrollen der Abwässer von Fabriken, die färben oder waschen, an.

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

IVN-Best
Ein blauer Kreis mit einem blauen Punkt und einem blauen Ring dessen Enden als Pfeile gestaltet wurden darin. Innen steht
IVN Best kennzeichnet Textilien aus Naturfasern, die ökologisch und frei von schädlichen Chemikalien und nach hohen sozialen Standards produziert wurden - es ist das derzeit strengste Gütezeichen für Naturfasern am Markt. Es wird vom internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft vergeben - ebenso wie GOTS kann der Standard auch für Hygieneprodukte eingesetzt werden, in der Praxis ist das aber noch selten.

Um das Zeichen zu erhalten, müssen die Produkte zu 100 Prozent aus biologisch angebauten Fasern bestehen - sythetische Fasers sind so wie viele bedenkliche Chemikalien verboten.
Um das Siegel zu verbessern, merkt Greenpeace wie bei GOTS strengere soziale Standards (die internationalen Arbeitsnormen sind bereits Pflicht) sowie ausreichende Kontrollen  der Abwässer von Fabriken, die färben oder waschen, an.

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

Nordischer Schwan
Ein Kreis wird aus grünen Strichen gebildet in dem ein stilisierter fliegender Schwan in weiß zu sehen ist

Der nordische Schwan ist ein skandinavisches Umweltzeichen, das wie das Österreichische Umweltzeichen oder der Blaue Engel verschiedene Kriterien für verschiedene Produktkategorien anwendet. Je nach zertifizierter Produktgruppe können diese strenger oder weniger streng sein - deshalb wird nicht das ganze Siegel bewertet, sondern die jeweilige Anwendung im Hygienebereich:

Nordischer Schwan für Hygieneprodukte

Das Gütesiegel legt hohe Standards bezüglich Schadstoffgehalte, Luft- und Wasserverschmutzung sowie CO2-Emissionen bei der Herstellung vor. Negativ merkt Greenpeace an, dass in Papierprodukten neu hergestellter Zellstoff genutzt werden kann und für diesen die Standards FSC Mix oder PEFC ausreichen. Auch die Transparenz sei niedrig und auch ökologisch problematische Produkte wie Wegwerfwindeln können zertifiziert werden. 

Greenpeace-Bewertung: wenig vertrauenswürdig

OEKO-TEX
Ein türkiser Tropfen in dem
OEKO-TEX MADE IN GREEN kennzeichnet Textilien und Lederartikel, die in umweltfreundlichen Betrieben und an sicheren und sozialverträglichen Arbeitsplätzen produziert wurden. Es wird auch für Baumwollprodukte zunehmend genuztn.

OEKO-Tex Made in Green legt strenge Maßstäbe in Bezug auf die genutzten Chemikalien an - Greenpeace schätzt die Chemikalienliste des Siegels als Best-Practice ein, die sich auch auf Abwasser und Klärschlamm von Fabriken, die färben oder waschen, bezieht. Auch die Grenzwerte für gefährliche Chemikalien im Endprodukt sind streng. Zusätzlich gibt es Anfroderungen an ein gutes Umweltmanagement.
Als Verbesserungspunkte nennt Greenpeace strengere soziale Kriterien sowie Vorgaben an Nachhaltigkeit der Materialien (Bio-Anteil, Recyclingfähigkeit).

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

Der Öko-Tex Standard 100 wird ebenso mittlerweile öfter für Produkte mit Baumwollanteil eingesetzt. Im Gegensatz zum Made in Green ist dieser Standard weniger aussagekräftig – die Vorgaben für das Chemikalienmanagement der letzten Verarbeitungsstufe sind streng, und die Kontrollen unabhängig, jedoch gibt der Standard keine Vorgaben an die Produktion entlang der weiteren Lieferkette. Er prüft die Schadstoffbelastung der Produkte und schützt damit vor allem die Gesundheit der Konstument*innen.

Greenpeace-Bewertung: bedingt vertrauenswürdig

Österreichisches Umweltzeichen
umweltzeichen
Das Österreichisches Umweltzeichen ist das staatliche Umweltzeichen in Österreich. Es betrachtet die Umweltauswirkungen von Produkten im gesamten Lebenszyklus und legt für unterschiedliche Produkttypen Kriterien vor. Da diese je nach Produktgruppe stärker oder schwächer sind, bezieht sich die Bewertung wiederum auf die spezifische Produktsparte. 

Österreichisches Umweltzeichen für Hygienepapiere aus Altpapier

Für diese Produktgruppe werden 100 Prozent Recyclingpapier vorgeschrieben - anders als in anderen staatlichen Zeichen sind hier neue Fasern also ausgeschlossen. Positiv sind auch die strengen Kriterien zu bedenklichen Chemikalien (wie Bleichmittel) und Rückständen (wie Druckfarben). Weiters gibt es strenge Vorgaben für Luft- und Wasseremissionen in der Produktion sowie zur Verringerung von Verpackung.

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

PEFC
Stilisierte Bäume in einem grünen Pfeilkreis, darunter steht PEFC, Förderung nachhaltiger Waldwirtschaft.
PEFC steht für Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes und wurde von der europäischen Forst. und Holzwirtschaft gegründet. Greenpeace schätzt es als "von den Interessen dieses Wirtschaftszweiges geprägt" ein. 
Kritisiert wird, das seine Standards kaum über gesetzliche Anforderungen hinausgehen und dass das Siegel keine nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern garantiert. Dabei mangelt es an Transparenz sowie an wirksamen Kontrollen. Ebenso legt das Siegel keine Anforderungen an Produkte, die über die Holzproduktion hinausgehen (wie Schadstoff- oder Chemikalienverordnungen). 

Greenpeace-Bewertung: absolut nicht vertrauenswürdig