Gütesiegel für Hygieneprodukte
Über 200 Marken- und Qualitätszeichen finden sich in den heimischen Supermarktregalen – was ist von jenen für Hygieneprodukte aus Papier und Baumwolle zu halten?
Für Hygieneprodukte aus Papier und Zellstoff gibt es wenig gesetzliche Vorschriften, dadurch kommen hier viele Gütesiegel vor - sieben von 15 stuft Greenpeace dabei als wenig oder nicht vertrauenswürdig ein.
Blauer Engel
Blauer Engel für Windeln, Damenhygiene- und Inkontinenzprodukte
Hier gibt es strenge Vorgaben bezüglich Schadstoffen und umwelt- und gesundheitsgefährdenden Chemikalien. Für Zellstoffe setzt der Blaue Engel auf grundlegende Gütesiegel: FSC Mix und PEFC. Diese werden jedoch von Greenpeace nicht als vertrauenswürdig eingestuft, was sich auch für die Bewertung des Gütesiegeln in dieser Produktkategorie auswirkt. Zusätzlich wird angemerkt, dass die Vergabe von Umweltzeichen für Einwegprodukte wie Windeln fragwürdig ist.
Greenpeace-Bewertung: wenig vertrauenswürdig
Blauer Engel für Hygieneprodukte aus Altpapier
In dieser Kategorie müssen ausgezeichnete Produkte aus 100 Prozent Altpapier hergestellt werden. Schadstoffe in Recyclingfasern (z.B. Reste von Druckfarben) müssen begrenzt werden, bei der Produktion düfen keine umwelt- oder gesundheitsgefährdenden Chemikalien eingesetzt werden.
Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig
Europäisches Umweltzeichen
Europäisches Umweltzeichen für Hygienepapiere
Positiv sind die strengen Vorgaben bezüglich Luft- und Abwasseremissionen und CO2-Grenzwerte zu nennen. Auch auf viele bedenkliche Chemikalien wird verzichtet. Das Gütesiegel wird in dieser Kategorie trotzdem nicht besonders stark eingeschätzt, da es neu hergestellten Zellstoff zulässt und nur die relativ niedrigen Standards FSC Mix und PEFC einfordert. Auch mangelnde Transparenz wird angemerkt.
Greenpeace-Bewertung: wenig vertrauenswürdig
FSC
Die FSC-Zeichen werden vom Forest Stewardship Council vergeben - in diesem System erarbeiten unterschiedliche Stakeholder wie Industrie, Umweltorganisationen und indigene Gemeinschaften Richtlinien für nachhaltige Forstwirtschaft.
Dieses Zeichen wird für Holz, Papier, Karton und Latex vergeben.
Die Kriterien sind dabei grundsätzlich gut, jedoch würden diese laut Greenpeace in Ländern unterschiedlich gut umgesetzt. Das Kontrollsystem sei dabei zu schwach. Dadurch würde die Kennzeichnung Abholzung nicht verhindern, sondern im Gegenteil fördern, da sie Greenwashing ermöglicht. Auch gibt es für Papierprodukte keine Kriterien über die Holzproduktion hinaus.
Greenpeace-Bewertung: wenig vertrauenswürdig
FSC Mix
Dieses Zeichen wird für Produkte aus Zellstoff, Papier und Karton vergeben.
Kritisiert werden dabei all jene Punkte, die auch für das FSC-Zeichen selbst angemerkt werden - also die unterschiedlich starke Umsetzung, das zu schwache Kontrollsystem und fehlende Kriterien über die Holzproduktion hinaus. Zusätzlich darf in FSC Mix noch bis zu 30 Prozent nicht-zertifizierten Holzes enthalten sein. Es ist daher noch schwächer einzuschätzen.
Greenpeace-Bewertung: absolut nicht vertrauenswürdig
FSC Recycled
Anders als die anderen FSC-Zeichen, müssen Produkte mit dem FSC Recycled-Zeichen aus 100 Prozent Recyclingmaterial hergestellt sein. Greenpeace bemängelt hier daher nur die Verwechslungsgefahr mit anderen FSC-Zeichen und die fehlenden Richtlinien für Verpackung oder Harstellungsemissionen.
Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig
Global Organic Textile Standard (GOTS)
Das Siegel garantiert, dass bestimmte Umwelt- und Sozialstandards eingehalten wurden - alle Produktionsschritte müssen dabei zertifiziert sein. Viele bedenkliche Chemikalien sind verboten, Energie- und Wassereinsparungen sind in der Produkion verpflichtend. Die verarbeiteten pflanzlichen und ggf. tierischen Materialien müssen zu 90 bzw. 70 Prozent aus biologischem Anbau stammen, je nachdem, ob das Produkt als "GOTS mit Bio-Rohstoffen hergestellt" oder als "GOTS mit x Prozent Bio-Rohstoffen hergestellt" zertifiziert ist.
Bei den Sozialstandards müssen die internationalen Arbeitsnormen eingehalten werden - hier könnte der Standard also noch strenger werden. Um das Siegel weiter zu verbessern, merkt Greenpeace Kontrollen der Abwässer von Fabriken, die färben oder waschen, an.
Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig
IVN-Best
Um das Zeichen zu erhalten, müssen die Produkte zu 100 Prozent aus biologisch angebauten Fasern bestehen - sythetische Fasers sind so wie viele bedenkliche Chemikalien verboten.
Um das Siegel zu verbessern, merkt Greenpeace wie bei GOTS strengere soziale Standards (die internationalen Arbeitsnormen sind bereits Pflicht) sowie ausreichende Kontrollen der Abwässer von Fabriken, die färben oder waschen, an.
Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig
Nordischer Schwan
Der nordische Schwan ist ein skandinavisches Umweltzeichen, das wie das Österreichische Umweltzeichen oder der Blaue Engel verschiedene Kriterien für verschiedene Produktkategorien anwendet. Je nach zertifizierter Produktgruppe können diese strenger oder weniger streng sein - deshalb wird nicht das ganze Siegel bewertet, sondern die jeweilige Anwendung im Hygienebereich:
Nordischer Schwan für Hygieneprodukte
Das Gütesiegel legt hohe Standards bezüglich Schadstoffgehalte, Luft- und Wasserverschmutzung sowie CO2-Emissionen bei der Herstellung vor. Negativ merkt Greenpeace an, dass in Papierprodukten neu hergestellter Zellstoff genutzt werden kann und für diesen die Standards FSC Mix oder PEFC ausreichen. Auch die Transparenz sei niedrig und auch ökologisch problematische Produkte wie Wegwerfwindeln können zertifiziert werden.
Greenpeace-Bewertung: wenig vertrauenswürdig
OEKO-TEX
OEKO-Tex Made in Green legt strenge Maßstäbe in Bezug auf die genutzten Chemikalien an - Greenpeace schätzt die Chemikalienliste des Siegels als Best-Practice ein, die sich auch auf Abwasser und Klärschlamm von Fabriken, die färben oder waschen, bezieht. Auch die Grenzwerte für gefährliche Chemikalien im Endprodukt sind streng. Zusätzlich gibt es Anfroderungen an ein gutes Umweltmanagement.
Als Verbesserungspunkte nennt Greenpeace strengere soziale Kriterien sowie Vorgaben an Nachhaltigkeit der Materialien (Bio-Anteil, Recyclingfähigkeit).
Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig
Der Öko-Tex Standard 100 wird ebenso mittlerweile öfter für Produkte mit Baumwollanteil eingesetzt. Im Gegensatz zum Made in Green ist dieser Standard weniger aussagekräftig – die Vorgaben für das Chemikalienmanagement der letzten Verarbeitungsstufe sind streng, und die Kontrollen unabhängig, jedoch gibt der Standard keine Vorgaben an die Produktion entlang der weiteren Lieferkette. Er prüft die Schadstoffbelastung der Produkte und schützt damit vor allem die Gesundheit der Konstument*innen.
Greenpeace-Bewertung: bedingt vertrauenswürdig
Österreichisches Umweltzeichen
Österreichisches Umweltzeichen für Hygienepapiere aus Altpapier
Für diese Produktgruppe werden 100 Prozent Recyclingpapier vorgeschrieben - anders als in anderen staatlichen Zeichen sind hier neue Fasern also ausgeschlossen. Positiv sind auch die strengen Kriterien zu bedenklichen Chemikalien (wie Bleichmittel) und Rückständen (wie Druckfarben). Weiters gibt es strenge Vorgaben für Luft- und Wasseremissionen in der Produktion sowie zur Verringerung von Verpackung.
Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig
PEFC
Kritisiert wird, das seine Standards kaum über gesetzliche Anforderungen hinausgehen und dass das Siegel keine nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern garantiert. Dabei mangelt es an Transparenz sowie an wirksamen Kontrollen. Ebenso legt das Siegel keine Anforderungen an Produkte, die über die Holzproduktion hinausgehen (wie Schadstoff- oder Chemikalienverordnungen).
Greenpeace-Bewertung: absolut nicht vertrauenswürdig