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Gütesiegel für Lebensmittel

Über 200 Marken- und Qualitätszeichen finden sich in den heimischen Supermarktregalen – doch welche halten, was sie versprechen?

Kurz vorweg: Verschiedene Siegel setzen unterschiedliche Schwerpunkte – und treffen daher Aussagen über unterschiedliche Bereiche der Nachhaltigkeit. Während „Fairtrade“ beispielsweise die sozialen Auswirkungen im Blick hat, überprüft „Tierwohl kontrolliert“ die Tierhaltung. Beides ist wichtig – für die Bewertung muss man daher im Hinterkopf behalten, wofür ein Gütesiegel steht – und wofür nicht.

Weitere Zeichen folgen in Kürze.

agroVet
Das Logo von agroVet für Eier aus Freilandhaltung zeigt einen grünen Kreis mit der Aufschrift
Die agroVet GmbH überprüft und zertifiziert Unternehmen für verschiedenste Standards im Rohstoff-, Lebens- und Futtermittelbereich, bis hin zu Standards für erneuerbare Energien. 

Der agroVet HG-Standard stellt die Haltungsform und Herkunft von Eiern fest, die gesetzlich sonst nicht angegeben werden müssen. Durch ihn kann auch in verarbeiteten Produkten sichergestellt werden, aus welchem Land und welcher Haltungsform diese stammen. Relevant ist dies für konventionelle Produkte, da die Eier in Bio-Produkten stets aus Freilandhaltung stammen.

Im Greenpeace-Zeichencheck werden die agroVet HG-Standards positiv bewertet, da diese eine Kennzeichnungslücke schließen und somit für mehr Produkttransparenz sorgen – kritisiert wird lediglich, dass die Zeichen für Boden- bzw. Freilandhaltung nicht gut unterscheidbar wären und nicht immer das genaue Herkunftsland angegeben würde, sondern lediglich „EU/Nicht-EU“. Aus Tierschutz-Sicht empfiehlt Greenpeace Produkte mit Freilandeiern.

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig und umweltfreundlich (Bewertung 2022, in der neueren Einschätzung nicht enthalten)

Global2000-Bewertung: noch nicht bewertet

AMA Gütesiegel und Zusatzmodule

Die AgarMarkt Austria (AMA) vergibt das AMA-Gütesiegel, sechs Zusatzmodule sowie das AMA-Biosiegel.

Beim AMA-Gütesiegel findet sich im Hintergrund eine stilisierte rot-weiß-rote-Flagge, davor steht in einem weißen Oval

Das AMA-Gütesiegel

Dieses Gütezeichen bewertet eine breite Auswahl pflanzlicher und tierischer Lebensmittel und garantiert ihre Herkunft: Alle Rohstoffe, die in Österreich verfügbar sind, müssen auch aus Österreich stammen – Tiere müssen in Österreich geboren, aufgezogen und geschlachtet werden. Auch die Verarbeitung und Verpackung muss in Österreich stattfinden. Gentechnische veränderte Organsimen dürfen nicht enthalten sein, jedoch dürfen bestimmte Tierarten wie Rinder oder Schweine mit importiertem, gentechnisch verändertem Futter gefüttert werden. Die Grundlage des bekannten Siegels ist das österreichische AMA-Gesetz. Neben der inländischen Herkunft regeln die Richtlinien auch Hygieneprozesse und Dokumentation. Der Kontrollprozess ist dreistufig: Eigenkontrolle, externe Kontrolle und Überkontrolle.

Greenpeace schätzt das AMA-Gütesiegel als mäßig vertrauenswürdig ein – einerseits aufgrund der genetisch veränderten Futtermittel, andererseits weil der Tierschutz nur wenig über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht. Auch Global2000 schätzt das AMA-Gütesiegel als Zertifizierung mit niedrigem Anspruch ein – aus Umweltsicht stellt die konventionelle Landwirtschaft einen niedrigen Anspruch dar und die Tierwohl-Kriterien gehen wenig über das gesetzliche Mindestmaß hinaus. Bei der Fundiertheit erreicht es aber einen mittleren Anspruch.

Greenpeace-Bewertung: mäßig vertrauenswürdig

Global 2000-Bewertung: gesamt niedriger Anspruch – niedriger Anspruch bezüglich Tierwohl und Umwelt, Soziales aufgrund österreichischer Produktion nicht im Fokus, mittlerer Anspruch auf Fundiertheit

AMA Zusatzmodule

Das Zusatzmodul
Eines der verschiedenen Zusatzmodule des AMA Gütesiegels.
Zusätzlich zum AMA-Gütesiegel können freiwillige Zusatzmodule erfüllt werden. Diese beziehen sich auf unterschiedliche Themenbereiche, wie mehr Tierwohl, regionale Herkunft, besondere Fütterung und Tierhaltung oder seltene Rassen. Nicht für alle können die Kriterien leicht eingesehen werden. Mehr Tierwohl bedeutet jedoch beispielsweise für Schweine 60 Prozent mehr Platz, eingestreute Liegeflächen und Beschäftigungsmaterial, für Rinder 40 Prozent mehr Platz sowie eingestreute Liegeflächen. Die besondere Fütterung schreibt die Nutzung europäischer Futtermittel ohne Gentechnik vor.
Gesamt werden die Zusatzmodule von Greenpeace als vertrauenswürdig eingeschätzt, da sie für die jeweiligen Bereiche tatsächliche Verbesserungen bedeuten – jedoch müssen sie kombiniert werden, um auch gesamt gesehen einen echten Fortschritt zu bedeuten.

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

Das AMA-Biosiegel besteht aus einem weißen Kreis, das von einer dicken und einer dünnen roten Linie umrahmt ist. Im Kreis steht

AMA Biosiegel

Das AMA-Biosiegel garantiert die Bio-Qualität von Produkten. Die Anforderungen gehen dabei über jene der EU-Bio-Verordnung hinaus – unter anderem sind zum Beispiel sind 25 Prozent weniger Lebensmittelzusatzstoffe erlaubt, die Kriterien zu Pflanzenschutz- und Düngemitteln sind strenger und auch die Rinderhaltung unterliegt höheren Anforderungen was die Menge an Kraftfutter, das Platzangebot und die Stallgestaltung betrifft. Die rot-weiße Fassung des Siegels garantiert darüber hinaus auch, dass alle landwirtschaftlichen Rohstoffe, die es in Österreich gibt, auch aus Österreich stammen (Zutaten aus anderen Ländern dürfen maximal 30 Prozent ausmachen), während beim schwarz-weißen Siegel die Rohstoffe aus verschiedenen Ländern stammen dürfen.

Greenpeace schätzt das AMA-Biosiegel als sehr vertrauenswürdig ein, da es die Anforderungen des EU-Bio-Siegels in einigen Punkten überschreitet. Negativ wird lediglich angemerkt, dass keine genauere Herkunftsangabe vorhanden sein – dass zum Beispiel das Bundesland oder der verarbeitende Betrieb genannt wird. Die Global2000 Bewertung unterstreicht den hohen Anspruch bezüglich Umwelt und Tierwohl, sieht aber bei der Fundiertheit Luft nach oben.

Greenpeace-Bewertung: sehr vertrauenswürdig

Global 2000-Bewertung: gesamt mittlerer Anspruch – hoher Anspruch bezüglich Umwelt und Tierwohl, mittlere Fundiertheit, Soziales aufgrund österreichischer Produktion nicht im Fokus

ASC (Aquaculture Stewardship Council)
Ein türkises Logo mit einem weißen Häckchen, einem weißen stilisierten Fisch und weißer Schrift:
Der Aquaculture Stewardship Council möchte eine verantwortungsvolle Fischzucht sicherstellen – er wurde 2010 von der niederländischen „Sustainable Trade Initiative“ IDH und dem WWF Niederlande als unabhängige und gemeinnützige Organisation gegründet.

Der ASC-Standard zertifiziert Fische und Meeresfrüchte aus Aquakultur – genauer sind es elf unterschiedliche Standards für 17 verschiedene Tiergruppen. Seit 2017 gibt es außerdem einen übergreifenden ASC-MSC-Standard für Algen.

Das ASC-Siegel gibt Kriterien bezüglich Umweltauswirkungen, Arbeitsbedingungen und sozialer Wirkung vor. Beispielsweise muss der Standort für die Zucht geeignet sein, die Wasserqualität als auch die Sterblichkeitsrate müssen nachgewiesen werden. Das Fischfutter muss rückverfolgbar sein, marine Bestandteile dürfen nicht von überfischten Beständen stammen. Gentechnisch verändertes Futter ist erlaubt, dies betrifft beispielsweise Soja – leider ist derzeit nur für Fischeinkäufer ersichtlich, ob gentechnisch verändertes Futter zum Einsatz gekommen ist, nicht jedoch für Konsument*innen. Antibiotika dürfen nur im Krankheitsfall verabreicht werden und sind bei bestimmten Arten wie Garnelen gänzlich verboten. Auch Antibiotika, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „critically important“ (unerlässlich) klassifiziert wurden, dürfen nicht eingesetzt werden um der Bildung von Resistenzen vorzubeugen.

Bei der sozialen Verantwortung werden zum Beispiel Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter*innen, der Verzicht auf Kinderarbeit und faire Löhne genannt. Die Zertifizierung erfolgt nach einem von ISEAL anerkannten globalen System. Auch von der Global Sustainable Seafood Initiative ist der ASC-Standard anerkannt.

Trotzdem ist das Siegel nicht unumstritten: Der Greenpeace-Zeichencheck kritisiert einerseits, dass gentechnisch verändertes Futter zulässig sei und andererseits verfüttertes Fischmehl und -öl aus Wildfang stamme – dies bedeute, dass die Aquakulturen die Meere nicht entlasten, sondern weiter ausbeuten würden. Diesbezüglich erwidert der ASC, dass es Grenzwerte für Fischmehl und -öl im Futter gäbe, die je nach Fischart variieren aber den Einsatz effektiv begrenzen würden. In der Lachszucht mache Wildfisch beispielsweise weniger als 21 Prozent des Futters aus, bei Garnelen nur knapp 13 Prozent. 2023 sollen diese Standards auch noch erhöht werden – alle Bestandteile, die mehr als ein Prozent eines Futters ausmachen, müssen dann rückverfolgbar sein und „verantwortlich beschafft werden“. Details dazu wird es im Laufe des nächsten Jahres geben.

Weiters gibt Greenpeace zu Bedenken, dass die Kriterien nicht stringent genug durchgesetzt würden – so würden deutlich mehr Chemikalien und Antibiotika eingesetzt, als die Grenzwerte erlauben und nur 20 Prozent aller zertifizierten Farmen alle Kriterien erfüllen. Laut ASC müssen dabei aber die Arten der Abweichungen unterschieden werden: Farmen mit großen Abweichungen („major non-conformities“) – bei denen beispielsweise Wasseranalysen komplett fehlen – können nicht zertifiziert werden. Wenn andererseits beispielsweise Wasseranalysen im Rahmen der Vorgabe liegen, aber noch nicht über einen ausreichend langen Zeitraum aufgenommen wurden, handelt es sich nur um eine kleine Abweichung („minor non-conformity“) – dabei ist eine Zertifizierung möglich. Die Abweichung muss dann aber auch in einem Zeitraum von 12 Monaten behoben werden. Der Maßnahmenplan dafür wird im öffentlich einsehbaren Auditreport festgehalten, die Entscheidung trifft ein vom ASC unabhängigen Zertifizierer. Der ASC möchte damit Betrieben die Möglichkeit geben, sich im Rahmen der Zertifizierung kontrolliert und nachweislich zu verbessern, als sie bei kleinen Abweichungen bereits vom Programm auszuschließen.

Um dieses Thema transparenter aufzubereiten empfiehlt die Informationsplattform Bewusstkaufen.at, erfüllte Anforderungen durch ein abgestuftes Label ersichtlich zu machen.

Trotz aller Kritik ist für den Verein für Konsumenteninformation auch klar: Besser ein Siegel als keines – denn nicht zertifizierter Fisch muss gar keinen Vorgaben entsprechen: „Dennoch sind wir der Meinung, dass mit dem ASC- oder MSC-Siegel zertifizierter Fisch noch immer besser ist als Fisch ohne ein solches Zertifikat“, erklärt Expertin Teresa Bauer. Im Idealfall solle bio-zertifizierter Fisch aus der Region auf den Tisch kommen – wenn es aber einmal etwas anderes sein muss, dann lieber ASC-zertifiziert.

www.asc-aqua.org

Greenpeace-Bewertung: Absolut nicht vertrauenswürdig

Global2000-Bewertung: Nicht bewertet

Siegelklarheit.de: Nicht bewertet

Bio Austria
Eine rechteckige Plakette in gelb und grün auf der in einem grünen Kreis
Dieses Siegel wird von BIO AUSTRIA, dem Zusammenschluss der österreichischen Bio-Landwirt*innen vergeben.

Im Greenpeace-Zeichencheck wird das Siegel als sehr positiv bewertet - seine Standards gehen über die EU-Bio-Verordnung hinaus, besipielsweise bezüglich strengeren Tierschutzes wie dem Verzicht auf Hochleistungs-Milchkühe und der Aufzucht männlicher Legehennen-Küken. Es gelten auch strenge Regeln für Futtermittel(-importe), Düngemittel und Pestizide. Die Einhaltung der Richtlinien wird jährlich durch eine staatliche Bio-Kontrollstelle überprüft.

Greenpeace-Bewertung: sehr vertrauenswürdig

Bioland
Ein grünes Quadrat mit
Das Bioland-Siegel wird vom gleichnamigen deutschen Verband vergeben, dem 10.000 deutsche und südtiroler Betriebe angehören.

Im Greenpeace-Zeichencheck wird das Siegel als sehr positiv bewertet - seine Standards gehen über die EU-Bio-Verordnung hinaus, auch sind Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt, zur Förderung des Tierwohls und zur Ressourcenschonung vorgeschrieben. Die Einhaltung der Richtlinien wird jährlich durch unabhängige Kontrollstellen überprüft.

Greenpeace-Bewertung: sehr vertrauenswürdig

Demeter
Ein grünes Quadrat mit
Demeter ein internationaler Verband, dem in Österreich 260 Landwirt*innen und etwa 50 Verarbeitungsbetriebe angehören. Der Verband wurde in Deutschland gegründet.

Im Greenpeace-Zeichencheck wird das Siegel als sehr positiv bewertet - seine Standards gehen über die EU-Bio-Verordnung hinaus, wie etwa in der Tierhaltung, beim Futtermittel, bei Maßnahmen für Biodiversität, dem Saatgut oder dem Einsatz von Dünger und Pestiziden. Die Einhaltung der Richtlinien wird jährlich im Zuge der vorgeschriebenen Bio-Kontrollen überprüft.

Greenpeace-Bewertung: sehr vertrauenswürdig

Donau Soja
Ein quadratisches Logo mit blau-grünem Hintergrund, über dem in Weiß
Wie der Name vermuten lässt, beschäftigt sich das Siegel mit Soja aus dem Donauraum. Es steht für regionales, gentechnikfreies Soja als Lebens- oder Futtermittel. Deshalb findet es sich häufig auch bei Eiern.

Positiv vermerkt Greenpeace, dass nur Flächen zertifiziert werden, die bereits seit 2008 für landwirtschaftliche Nutzung gewidmet sind, dass Pestizide verboten sind, die von der WHO aus gefährlich eingestuft wurden und dass die Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette gegeben ist. Das Siegel wendet EU-Standards für Pestizide und Arbeitsrecht auch in Regionen außerhalb der EU an.

Negativ wird angemerkt, dass es keine Verpflichtung gibt, für Donau Soja eine ökologische Fruchtfolge anzuwenden

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

EU Bio
eu_biologo
Das österreichische Bio-Logo (vergeben von der AMA, Argramarkt Austria) Das österreichische Bio-Logo (vergeben von der AMA, Argramarkt Austria)
Dieses Zeichen ist das offizielle EU-Siegel für biologisch hergestellte Lebensmittel - alle solchen Lebensmittel müssen in der EU damit gekennzeichnet werden.

Positiv vermerkt Greenpeace, dass das Siegel einen EU-weiten Standard für den Lebensmittelbereich geschaffen hat, der Lebensmittel daher EU-weit leicht erkennbar macht. In der Tierhaltung schreiben die Kriterien u.a. freien Auslauf vor und regeln den Einsatz von Antibiotika streng. Chemisch-synthetische Pestizide und Düngemittel sind ebenso verboten wie bestimmte Lebensmittelzusätze oder gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe oder Futtermittel.

Negativ wird angemerkt, dass als Herkunft nur "EU" bzw. "nicht-EU" angegeben werden muss.

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

Heumilch
Ein hellgrüner leicht ausgefranster Kreis mit hellgrüner Schrift
Wie der Name vermuten lässt, stellt dieses Siegel sicher, dass Heumilchkühe, -schafe und -ziegen im Jahresverlauf artgerecht - also im Sommer mit Grünfutter auf Wiesen und Weiden und im Winter mit Heu und Getreideschrot gefüttert werden. Es wird sowohl für biologisch als auch für konventionell hergestellte Milchprodukte verwendet.

Das Siegel schreibt vor, dass die Tiere mindestens 120 Auslauf bzw. Zugang zu Weide oder Alm haben – 30 Tage mehr als gesetzlich vorgeschrieben. Silofutter, gentechnisch veränderte oder vergorene Futtermittel sowie Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie dürfen ebensowenig verfüttert werden wie Harnstoff oder Futtermittel, die mit Antibiotika oder Hormonen angereichert sind. Für die Wiesen gelten spezielle Düngevorschriften, die Anzahl der Tiere ist je nach der Hofgröße begrenzt, eine zeitweise Anbindehaltung in acht von 12 Monaten ist aber erlaubt. Über die Fütterung und die Liegeflächen werden aber wenig Tierschutzaspekte betrachtet, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Beratung und Kontrolle durch den Tiergesundheitsdienst sind vorgeschrieben.

Das Siegel wird durch die ARGE Heumilch vergeben – der Zusammenschluss von ca. 8.000 Heumilchbäuerinnen und -bauern sowie über 90 Verarbeitern. Hauptproduktionsgebiete sind Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich, die Steiermark sowie das Allgäu und die Ost- und Zentralschweiz. In Österreich liegt der Heumilch-Anteil bei 15 % der gesamten angelieferten Milchmenge.

Greenpeace-Bewertung: mäßig vertrauenswürdig

Naturland
Ein Logo bei dem stilisierte grüne Blätter in einem grünen Rahmen stehen, datunter steht
Das Naturland-Siegel wird vom gleichnamigen, deutschen Verband vergeben, dem weltweit etwa 125.000 Landwirt*innen angehören.

Auch dieses Siegel basiert aus der EU Bio-Verordnung, geht aber teilweise über diese hinaus - so gibt es soziale Standards und Kriterien bezüglich nachhaltiger Waldnutzung. Die Kriterien umfassen dabei auch Regelungen zu Humusbilanz, Fruchtfolge, Saatgut, Pestizide und Tierhaltung. Zusätzlich zu den verpflichtenden Bio-Kontrollen kommen dabei unangekündigte Stichprobenkontrollen. 

Problematisch sieht Greenpeace bei diesem Siegel nur, dass Fischfuttermittel aus freilebender, aquatischer Kultur nur begrenzt, nicht aber verboten werden - dies trage zur Überfischung der Meere bei.

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

Ohne Gentechnik hergestellt
Das Prüf Nach! Logo ist ein gelber Kreis mit grüner Schrift die neben dem Titel auch
Dieses Siegel wird von Verein Arbeitsgemeinschaft für gentechnikfrei erzeugte Lebensmittel (ARGE Gentechnik-frei) vergeben. Es steht für Produkte, die garantiert gentechnikfrei hergestellt wurden - von den Rohstoffen, über Futtermittel bis zu Zusatz- und Hilfstoffen. Die Einhaltung wird durch unabhängige Kontrollstellen durchgeführt.

Greenpeace schätzt es als vertrauenswürdig ein, merkt aber an, dass es eben nur die Gentechnikfreiheit garantiere, jedoch keine anderen Nachhaltigkeitskriterien oder Tierwohlstandards berücksichtige.

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

Prüf Nach!
Das Prüf Nach! Logo ist ein gelber Kreis mit grüner Schrift die neben dem Titel auch
Das gelb-grüne Siegel der Wernder Lampert Beratungs GmbH findet sich auf allen „Zurück zum Ursprung“ Produkten, der BIO-Marke von HOFER. Es wird seit 2006 von der Werner Lampert Beratungsges.m.b.H. vergeben.

Es setzt auf Regionalität, Umweltschutz, Gentechnikfreiheit, Tierschutz, Lebensmittelqualität, Transparenz und Fairness und geht dabei über die BIO-EU-Verordnung hinaus: So müssen alle Rohstoffe aus Österreich stammen, die in Österreich wachsen. Das Siegel legt zu Natur- und Klimaschutz, Tierwohl und Fairness strenge Standards an. Wiederkäuer wie Rind, Ziege und Schaf erhalten mindestens 75 % des Futters vom eigenen Hof, Soja ist gänzlich untersagt und Kraftfutter limitiert. Zusätzlich müssen Maßnahmen für Bodenschutz und Artenvielfalt getroffen werden. Alle Tiere haben täglichen Auslauf, Milchkühe verbringen außerdem durchschnittlich 180 Tage pro Jahr auf der Weide. Das Projekt „Bruderwohl“ stellt sicher, dass Bruderhähne, -kitze und -lämmer aufgezogen werden, auch bei den Kälbern wird das Projekt weiter ausgebaut. Das Tierwohl wird in Rinderbetrieben durch den Tiergerechtigkeitsindex bewertet. Jedes tierische Produkt ist mit dem Zeichen „Tierwohl kontrolliert“ gekennzeichnet. Seine Kriterien gehen laut Greenpreace-Zeichencheck erheblich über gesetzliche Standards hinaus.

Da dem Prüf Nach!-Standard die Vorgaben für biologische Landwirtschaft zugrunde liegen, ist Gentechnik in der gesamten Produktionskette untersagt – genauso wie der Einsatz chemisch-synthetischer Spritzmittel.

Der Greenpeace-Zeichencheck lobt besonders die Transparenz des Siegels – Konsument*innen können alle Prüf Nach!-Produkte von den verarbeitenden Betrieben bis hin zu den Höfen online unter zurueckzumursprung.at rückverfolgen. Das unabhängige Forschungsinstitut für biologischen Landbau bewertet die Prüf Nach!-Produktion wissenschaftlich hinsichtlich ihrem sozialen, ökologischen und ökonomischen „Mehrwert für die Region“. Die Ergebnisse sind transparent online bei den Produkten einsehbar.

Die Einhaltung der Prüf Nach!-Kriterien wird jährlich von unabhängigen BIO-Kontrollstellen geprüft.

Greenpeace-Bewertung: sehr vertrauenswürdig

Tierwohl verbessert und Tierwohl kontrolliert

Diese vier Siegel werden durch die Gesellschaft !Zukunft Tierwohl! vergeben und stellen jeweils unterschiedliche Niveaus dar, in denen die Tierhaltung gegenüber dem gesetzlichen Standard verbessert wird – beginnend mit „Tierwohl verbessert“ bis „Tierwohl kontrolliert ‚3-Häckchen‘“.

Ein Logo mit lila Hintergrund auf dem mit weißer Schrift

Tierwohl verbessert

Dieses Label steht für konventionelle Tierhaltungsformen zur Verfügung und enthält Richtlinien für Legehennen und Masthühner, Mast- und Milchrinder, Mastschweine und Puten. Die Kriterien müssen in einem Bereich der landwirtschaftlichen Produktionskette umgesetzt werden – zum Beispiel bei der Haltung der Mastschweine, nicht jedoch gleichzeitig auch bei jener der Zuchtsauen oder Ferkeln. Kriterien umfassen unter anderem mehr Platz, Zugang zu natürlichem Licht und Luft, Vorgaben zur Einstreu, den Sitz- oder Liegeflächen, der Futterzusammensetzung und Herkunft. Das Futter muss gentechnikfrei und im Fall von Soja aus Europa stammen. In der Schweinehaltung sind Vollspaltenböden und das Kürzen des Ringelschwanzes verboten, Kastrationen müssen unter Narkose durchgeführt werden. Bei Rindern ist die Enthornung verboten. Beim Geflügel müssen auch die Bruderhähne aufgezogen werden.

Im Greenpeace-Zeichencheck wird positiv angemerkt, dass dieses Siegel verbesserte Standards für konventionelle Tierprodukte auszeichnet und transparent kontrolliert werden. Da es aber nicht die gesamte Produktionskette miteinbezieht und die Standards in manchen Bereichen nicht weit genug gehen, sind die nachfolgenden Standards jedoch noch besser.

Greenpeace-Bewertung: mäßig vertrauenswürdig

Global 2000-Bewertung: hoher Anspruch bezüglich Tierwohl
Umwelt, Soziales und Fundiertheit sei nicht im Fokus

Ein Logo mit hellblauem Hintergrund auf dem mit weißer Schrift

Tierwohl kontrolliert ✓✓

Dieser Standard baut bereits auf den Tierhaltungsstandards des biologischen Landbaus auf und zeichnet Betriebe aus, die über diesen hinaus Verbesserungen umsetzen – auch hier gibt es Vorgaben für den Stall und seine Umgebung, den verfügbaren Platz, das Futter (zum Beispiel müssen Milchkühe  mit mindestens 75 Prozent strukturiertem Raufutter gefüttert werden), die Tiergesundheit, den Transport und die Schlachtung. Der Standard beinhaltet Richtlinien für Mast- und Milchrinder sowie für Mastschweine.

Ausgezeichnete Betriebe müssen dabei jedoch noch nicht alle möglichen Verbesserungen umsetzen – bestehende Kleinbetriebe dürfen nach diesem Standard zum Beispiel weiterhin Ställe mit Anbindehaltung nutzen, solange sie entsprechende Vorgaben hinsichtlich Bewegung einhalten – bei Neu- oder Umbauten sind solche Ställe aber nicht mehr zulässig.

Dies ist der höchste Standard der Gesellschaft !Zukunft Tierwohl! für Milch- und Milchprodukte. Aus logistischen Gründen kann auch für Betriebe, die bereits den höheren „3 Häckchen“-Anforderungen entsprechen, nur diese Zertifizierung vergeben werden: Milch wird durch Tankwagen von Betrieben abgeholt und zu den Molkereien gebracht. Dabei wird Biomilch und konventionelle Mich selbstverständlich getrennt – eine weitere Aufteilung nach den genauen Haltungsbedingungen ist jedoch weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. So wird die Milch von Betrieben mit diesem und dem nächsthöheren Standard gemeinsam gesammelt – und deshalb wird dafür auch nur dieser Standard vergeben.

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

Global 2000-Bewertung: hoher Anspruch bezüglich Tierwohl
Umwelt, Soziales und Fundiertheit sei nicht im Fokus

Ein Logo mit hellblauem Hintergrund auf dem mit weißer Schrift
tierwohlkontrolliert3

Tierwohl kontrolliert ✓✓✓

Auch dieser Standard baut auf den Tierhaltungsstandards des biologischen Landbaus auf und zeichnet Betriebe aus, die darüber hinausgehen – die Verbesserungen müssen dabei durchgehend umgesetzt werden. Dieser Standard umfasst Richtlinien für Legehennen und Masthühner, Mastenten, Mastrinder, Milchschafe und Milchziegen. Für Rinder wird beispielsweise Laufstallhaltung, Weidegang, mutter- oder ammengebundene Kälberaufzucht und eine wiederkäuergerechte Fütterung vorgeschrieben.

Greenpeace-Bewertung: vertrauenswürdig

www.zukunfttierwohl.at

UTZ Certified – Good inside
Das Logo ist eine weinrote, flaggenähnliche Form mit weißem Randstreifen in der mit weißer Schrift UTZ Certified steht.
Dieses Gütezeichen wurde 2018 mit Rainforest Alliance Certified fusioniert und wird seither nicht mehr vergeben – es findet sich lediglich noch auf älteren Produkten oder Produkten mit älteren Verpackungen.

Als älteres Siegel mit weniger strengen Kriterien wird es im Greenpeace-Zeichencheck als wenig vertrauenswürdig mit geringfügigem Umweltnutzen eingeschätzt. Global2000 attestierte ihm einen mittleren Anspruch.