Ich seh‘ den Glanz vor lauter Flaschen nicht
Weniger ist mehr – zumindest beim Reinigen. Sich auf wenige Mittel im Putzschrank zu beschränken, lässt mehr Platz im Kasten, mehr Geld im Börsl und schafft auch mehr Sauberkeit. So geht’s!
Wenn die Tage länger werden und die Sonne beim Fenster reinscheint, regt sich in vielen Menschen der Putztrieb. Es tut gut, wenn rundherum wieder einmal alles sauber ist. Die Wahl der Mittel für den Frühjahrsputz ist nicht egal – und die Produktpalette riesig. Verschiedene Räume und Oberflächen brauchen unterschiedliche Reinigung und Pflege, aber es muss nicht für jede Oberfläche ein eigenes Spezialmittel gekauft werden. Im Privathaushalt reichen ein milder Allzweckreiniger, ein saurer Sanitärreiniger und Zitronensäure zum Entkalken von Geräten, damit die Wohnung oder das Haus sauber wird – eventuell ergänzt durch einen Küchen-, Glas- und WC-Reiniger.
Am häufigsten werden Allzweckreiniger (auch „Alles-“ oder „Universalreiniger“) eingesetzt – sie gibt es als neutrale, saure oder alkalische Produktvarianten. Neutralreiniger sind besonders schonend, saure Reiniger lösen kalkhaltige Verschmutzungen und alkalische Produkte wirken gegen fetthaltigen Schmutz – je nach dem Schmutztyp entscheidet man sich also, welche Variante man zum Beispiel in Bad, WC oder Küche anwendet.
3 x GELD SPAREN BEIM REINIGEN
- Richtig dosieren.
- Das passende Reinigungsmittel einsetzen – Säure gegen Kalk, alkalisches oder Mikrofaser gegen Fett, Enzymreiniger gegen organische Verschmutzungen (z.B. Urin oder Schweiß)
- Mechanische Hilfsmittel wie Mikrofasertücher und andere waschbare, wiederverwendbare Reinigungstücher nutzen. Einwegreinigungstücher werden nach einmaligem Gebrauch weggeworfen – das kommt auf lange Sicht teuer und macht eine Menge Mist.
Vier Faktoren für effizientes Reinigen
Bei der Reinigungswirkung spielen vier Faktoren zusammen: Mechanik, Chemie, Zeit und Temperatur. Wird ein Faktor stärker eingesetzt, ist weniger von den anderen nötig. Das ist im sogenannten Sinnerschen Kreis gut dargestellt:
Mechanisch wirken zum Beispiel Mikrofasertücher, Bürsten, Mopps und Muskelschmalz. Die richtige Bürste kann das Reinigungserlebnis deutlich verbessern. Armaturen glänzen in kürzester Zeit und ganz ohne Reinigungsmittel, wenn Mikrofasertücher und etwas kaltes Wasser verwendet werden – und auch fettige Küchenoberflächen können mit dem passenden Tuch ganz ohne Chemie gereinigt werden.
Der chemische Faktor sind die Reinigungsmittel. Ökologische saure Reiniger nutzen zum Beispiel organische Säuren wie Zitronensäure oder Milchsäure, um Kalk zu lösen und so weniger Schrubben nötig zu machen. Das Um und Auf ist dabei die richtige Dosierung – auch bei ökologischen Reinigungsmitteln! Hinweise dazu gibt es auf dem Etikett. Aber Vorsicht: Viele Dosierangaben beziehen sich auf einen vollen Reinigungskübel, der zehn Liter fasst. Wenn der Kübel nicht voll ist, sollte entsprechend weniger verwendet werden. Richtiges Dosieren macht sauberer als Überdosierung. Denn überschüssiges Putzmittel hinterlässt Schlieren an den Oberflächen, an denen sich dann leicht Schmutz festsetzen kann.
Mit Zeit ist gemeint, wie lange Wasser und Reinigungsmittel auf der verschmutzen Oberfläche einwirken dürfen. In hartnäckigen Fällen ist sie ein besonders wichtiger Faktor. Bei einem stark verschmutzen Backrohr hilft es zum Beispiel, Schmierseife pur aufzutragen, sie über Nacht einwirken zu lassen und den Schmutz am nächsten Tag mit einem Schwamm zu entfernen. Sind auf der Toilette bereits Urinsteinablagerungen zu sehen, dann lässt man Zitronensäure am besten ebenso über Nacht einwirken. Wo die Flüssigkeit ablaufen kann, beträufelt man am besten WC-Papier und legt dieses auf.
Temperatur ist der vierte Faktor – in den meisten Fällen reicht für die Reinigung kaltes Wasser, da die Reinigungsmittel dafür konzipiert sind. Ausnahmen sind zum Beispiel Wachsflecken oder Kaugummi, bei denen heiße bzw. kalte Temperaturen durchaus hilfreich sind.
Völlig überflüssig
Abseits der Vielfalt von Reinigungsmitteln gibt es dann noch Spezialprodukte, die Räume nicht sauberer machen, sondern im Gegenteil Umgebung und Umwelt belasten. WC-Beckensteine bzw. WC-Gel setzen zum Beispiel bei jeder Spülung Chemikalien frei. Die enthaltenen Tenside, Farb- und Duftstoffe gehen großteils direkt ins Abwasser. Die Duftstoffe sollen ein sauberes Gefühl vermitteln – die Reinigungswirkung wird dadurch aber nicht verbessert, sondern schlechte Gerüche werden bloß überdeckt. Alternativ ist es besser, die WC-Muschel regelmäßig mit der WC-Bürste zu reinigen.
Auch Desinfektionsmittel sind im privaten Haushalt nur im konkreten Anlassfall nach ärztlicher Anordnung zu verwenden, da sie einige unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen: Gelangen sie über das Abwasser in Kläranlagen, töten sie jene Bakterien ab, die dort zur Klärung eingesetzt werden. Dies beeinträchtigt die Reinigung des Wassers. In Flüssen schädigen sie zudem Wasserorganismen. Und auch auf unserer Haut stören sie die natürliche Schutzbarriere, die Hautflora, die von Mikroorganismen gebildet wird. Schadstoffe können dann leichter eindringen. Inhaltsstoffe der Desinfektionsmittel können die Haut zusätzlich auch irritieren und die Bildung von Ekzemen oder Allergien fördern. Je mehr Desinfektion im privaten Bereich erfolgt, desto größer ist die Gefahr, dass sich resistente Mikroorganismen bilden. Diese sind sehr widerstandfähig und lassen sich nicht mehr durch übliche Desinfektionsmittel abtöten.
Sicherheit beim Reinigen
Auch beim Putzen sollte man an die Sicherheit denken: Verschiedene Reinigungsmittel dürfen niemals zusammengemischt werden, weil sich dabei gefährliche Dämpfe bilden können und gesundheitsgefährdende chemische Reaktionen möglich sind. Zusätzlich sollte man stets Haushaltshandschuhen verwenden, um die Haut zu schonen – wiederverwendbare Handschuhe sind robuster und machen weniger Müll als Einwegprodukte. Und wenn Kinder im Haus sind, sollten Reinigungsmittel in einem versperrten Kasten aufbewahrt werden.
Ökologische Reinigungsmittel
Was auch immer in den Putzschrank kommt ‒ wichtig ist es, ökologische Reinigungsmittel zu verwenden. Sie sind leicht abbaubar, enthalten kein Mikroplastik und keine stark wassergefährdenden Stoffe. Duft- und Konservierungsmittel sind auf die notwendige Menge begrenzt.
DIE UMWELTBERATUNG empfiehlt daher alle Reinigungsprodukte, die unabhängige Gütezeichen wie das Österreichische Umweltzeichen, das Europäische Umweltzeichen (EU-Ecolabel) oder den Blauen Engel tragen – sie überprüfen nicht nur, ob das Produkt umwelt- und gesundheitsschonend ist, sondern schreiben auch einen Gebrauchstauglichkeitstest vor.
Greenpeace empfiehlt zusätzlich zu diesen die Siegel Ecogarantie, Nature Care Product Standard und Ecocert. Einen guten Überblick bietet die Öko-Rein Datenbank, in der Produkte für den privaten und gewerblichen Bedarf zu finden sind: www.umweltberatung.at/oekore
DER EXPERTE
Harald Brugger
Chemiker und Ökotoxikologe von DIE UMWELTBERATUNG
Individuelle, firmenunabhängige Beratung zum ökologischen Reinigen bietet DIE UMWELTBERATUNG kostenlos unter 01 803 32 32.