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Gemeinsam gärtnern: Es wird grüner!

Selbst angebautes Gemüse ernten, das Farbenspiel der Blüten bestaunen und sich mit Gleichgesinnten austauschen – das macht ein erfülltes Gartenleben aus. Gemeinschaftsgärten bieten beides und sprießen allerorten aus dem Boden.

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Foto: Alexander Gautsch, Alexander gautsch,

Die Hände in der krümeligen Erde und an prallen Paradeisern, das Aroma der Kräuter riechen, sonnengereifte Erdbeeren und jungen Salat kosten – das ist das pure Leben! Gärtnern macht einfach Freude, es entspannt – und am lustigsten ist es ohnehin in einer Gruppe. Auf der Erde stehend – geerdet - finden Menschen, die sonst kaum miteinander geredet hätten, ein gemeinsames Thema, können voneinander lernen und ein gemeinsames Ziel setzen: die eigene prächtige und gesunde Ernte. Das Gärtnern verbindet über alle Generationen, sozialen Schichten und Herkunftsorte hinweg. Dass frische Früchte aus dem eigenen Garten gesund sind, zum Umweltschutz beitragen und das Haushaltsbudget entlasten, ist mittlerweile in aller Munde.

Die Wege zum Gemeinschaftsgarten sind unterschiedlich. Doch am Anfang steht immer jede Menge Begeisterung und der Wille, etwas zu tun. Wer einen Gemeinschaftsgarten startet, hat in den meisten Fällen kein eigenes Grundstück. Einige Städte haben die positiven Effekte des gemeinsamen Gärtners erkannt und stellen ihren Einwohnern Flächen zur Verfügung.

Gärtnern im Park

Die Gartengemeinschaft pflegen die Gärtner und Gärtnerinnen in der Pflanzerei Schallmoos, in Salzburg. „Dass sich so eine feine Gemeinschaft entwickelt hat, ist für uns die größte Freude“, sagt Barbara Sieberth, die gemeinsam mit Doris Spanring den 400 m2 großen Garten für 40 Gartenbegeisterte ins Leben gerufen hat. „Wir sind jung und alt, Singles, Paare und Familien, und alle tragen ihren Teil zu einem harmonischen Miteinander bei. Kinder kommen zum Garten, ältere Menschen schauen über den Zaun und wechseln ein paar Worte mit uns - wir sind ein verbindendes Element geworden, zwischen den verschiedenen Gruppen hier in Schallmoos, die sonst nicht miteinander gesprochen hätten“, sagt sie.

Wo jetzt Gemüse und Blumen gedeihen war noch vor drei Jahren ein leeres Grundstück, das in einen Park - den Lechnerpark - hineinragte. „Mit unserer Idee, hier einen Gemeinschaftsgarten zu errichten, hatten wir eine gute Startposition. Erst ein Jahr davor hat es ein Bürgerbeteiligungsprojekt gegeben, um den unattraktiven Park neu zu gestalten“, erzählt Barbara Sieberth. Die Stadt hat das Grundstück von einem privaten Besitzer gepachtet und dem Verein auf zehn Jahre weiterverpachtet. Heuer geht der Garten in die dritte Saison und neben den Beeten gibt es inzwischen eine Kräuterspirale und eine Gartenhütte.

Die Pflege der allgemeinen Einrichtungen wird aufgeteilt. Ein kleines Team kümmert sich um die Randbepflanzung, andere Gärtnerinnen sorgen dafür, dass die Hütte aufgeräumt ist oder organisieren Feste. „Wir sind keine Sologärtnerinnen sondern daran interessiert, uns zu treffen. Deshalb halten wir regelmäßig einen Gärtner-Jourfix ab und feiern gerne.“

Auch die Nachbarn sind zufrieden. Damit keine Hunde auf ungebetenen Besuch kommen, verläuft ein Zaun um den Garten. „Nur eine kleine Schar Jugendlicher hat es nächtens lustig bei uns“, sagt Barbara Sieberth. „Sie steigen über den Zaun, um auf den Bänken zu sitzen. Leider bleiben dabei auch Zigarettenstummel zurück.“

Natürlich gibt es Stoff für Diskussionen, beispielsweise, wenn wieder mal die Pflanzen des Nachbarbeetes ihrer Natur folgen und sich nicht an vorgegebene Beetgrenzen halten. „Aber das sind Kleinigkeiten, die im zwischenmenschlichen Bereich vorkommen“, lacht Barbara Sieberth. „Wir haben ein wohlwollendes Miteinander, auch mit der Stadt, die unser Laub oder Kompostüberschüsse abtransportiert.“ Einig ist man sich darin, dass nur biologisch gegärtnert wird.
 

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Autorinnen: Annemarie Herzog, Anna Leithner/NIG

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