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Warum Integration Regeln braucht

Gastkommentar von Christian Hlade

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DI Christian Hlade ist Geschäftsführer von Weltweitwandern. Foto: Weltweitwandern DI Christian Hlade ist Geschäftsführer von Weltweitwandern.

Wir von Weltweitwandern haben viel Erfahrung in der Organisation von Begegnungen unterschiedlicher Menschen und Kulturen. Wir haben weit über 100 Guides und Partner zu Workshops und teils mehrmonatigem Kulturaustausch eingeladen. Sie alle arbeiten in ihren Heimatländern, weil sie durch ihre gute Sprachqualifikation gute Arbeitsmöglichkeit finden. Verblüffend ist die Schnelligkeit, mit der unsere Guides die deutsche Sprache und Fähigkeiten der Kulturbegegnung erlernen. Nach oft nur einem halben Jahr mit wenigen Kursen und viel Selbststudium können sie unsere Gruppen schon auf Deutsch führen. Nach einem Jahr sind die Jungs oft wirklich gut in der deutschen Sprache.

Diese Erfahrungen unterscheiden sich grundlegend von jenen, die wir derzeit mit einer Flüchtlingsfamilie aus Syrien machen, welche wir in unserer Weltweitwandern Gästewohnung aufgenommen haben. Der Mann der Familie kann nach sieben Monaten, dem Besuch eines Deutschkurses und Internetzugang für online-Sprachstudium fast kein Deutsch. Die beiden Erwachsenen verbringen täglich Stunden mit ihren Smartphones und leben in Gedanken mehr in Syrien, als sich um den Erwerb von Sprache und Fähigkeiten hier in Österreich zu kümmern. Gemeinsame Verabredungen werden sehr häufig gar nicht eingehalten. Die in Syrien üblichen Wohngewohnheiten ruinieren durch zu viel Feuchtigkeit beim Kochen und Duschen und dem völligen Verzicht auf Lüften jede moderne Wohnung in Österreich. Die Familie wohnt bei uns kostenlos, zeigt aber gar keine Eigeninitiative ein wenig mitzuhelfen.

Mein Fazit: Integration braucht die Konfrontation und sogar respektvolles Streiten! Sie braucht Regeln, Ziele und Forderungen von Seiten der Gastgeber. Viele Flüchtlinge haben völlig überzogene Erwartungen vom „goldenen Westen“. Dieses falsche und letztlich passiv machende „Anspruchdenken“ müssen wir den neuen Mitmenschen aktiv abgewöhnen und ihnen klar machen, das man bei uns Sprachkompetenz, eine Ausbildung und vor allem harte Erwerbsarbeit braucht, um zu überleben. Das Aufwachsen in Diktaturen hat diese Menschen sehr passiv gemacht. Eigeninitiative ist wenig vorhanden. Auch wenn man selbst liberal und „multikulti“ eingestellt ist, muss es erlaubt sein, Kritik zu üben, Bedenken zu äußern und Forderungen an die neuen Zuwanderer zu stellen, im Sinne einer offenen, produktiven Diskussion. Wir müssen die falschen Vorstellungen vom „Westen als Schlaraffenland“ aktiv abbauen, respektvoll aber klar Regeln für Wohnungsbenützung und Mitarbeit aufstellen und immer wieder das Deutsch-lernen einfordern.

Niemand soll behaupten, dass diese Herausforderungen einer globalisierten Welt einfach sind. Aber wir müssen uns nun diesen Aufgaben stellen, weil die Flüchtlinge da sind, Kriege existieren und die Ungleichheit auf der Welt zu Wanderbewegungen führt. Es ist keine Lösung, die jetzige Situation zu negieren, sich die Flüchtlinge wegzuwünschen und den Kopf in den Sand zu stecken.

Lasst uns aktiv, produktiv und positiv in die Zukunft schauen. Das Thema ist lösbar, aber weder durch Rechtspopulismus noch durch eine unrealistisch-rosarote Brille- auch nicht durch wegschauen und / oder Katzenjammer. Gehen wir es an!

Blog Global Thinking: blog.hlade.com

Im Spätherbst wird die Inspirationsbiografie von Christian Hlade erscheinen.

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