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Musik verbindet

Udo Felizeter und Nico Schwendinger schleppen ein Klavier in den Sigmund-Freud Park in Wien. Die Passanten beobachten das Treiben. Gibt es etwa ein Open Air Konzert? Wenig später nimmt Nico am Flügel Platz und entlockt dem Gerät die ersten Töne. Das Open Piano ist eröffnet.

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Open Piano

Abo Harbbah Alnaeb kommt aus Syrien und ist seit 2016 in Österreich. In seiner Heimat brachte er sich selbst das Klavierspielen bei. Seit seiner Flucht konnte er nur noch unregelmäßig spielen. Das hier wäre doch eine wunderbare Gelegenheit, wieder einmal in die Tasten zu greifen. Und er kann es auch tun.

Open Piano for Refugees ist ein Verein zur Förderung der öffentlichen Begegnung, Integration und Nächstenliebe. An einem öffentlichen Ort wird ein frei zugängliches Klavier aufgestellt. Jeder der spielen kann und das möchte, kann es nutzen. Das Publikum sind Passanten, die die Musik genießen möchten. „Musik unterscheidet weder zwischen Religionen noch Herkunft. Sie ruft in Menschen aller Kulturen ähnliche Emotionen hervor. Sie ist eine universelle Sprache, sie berührt uns. Musik verbindet, und daran gibt es keinen Zweifel“, erzählt Obmann Udo Felizeter.

Die Begegnung mit geflüchteten Menschen braucht die Offenheit. 25 Mal bzw. rund 140 Tage hat der Verein bereits zu musikalischen Begegnungen eingeladen, mit durchschnittlich 20 PianistInnen und 5.000 BesucherInnen täglich in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Darüber hinaus werden Konzerte mit geflüchteten und heimischen MusikerInnen organisiert, die ein gegenseitiges Kennenlernen fördern und Kooperationen entstehen lassen sollen. Beim öffentlichen Bespielen der Klaviere und auch bei den Konzerten werden Spenden gesammelt, die wiederum in das Projekt fließen.

DoReMi - Das soziale Musikinstitut

Mit Beginn des Jahres eröffnete der Verein das soziale Musikinstitut DoReMi in der Kaiserstraße 10 in 1070 Wien. Der Musikunterricht soll hier für alle Gesellschaftsschichten leistbar und zugänglich sein. Felizeter: „Dahinter steht ein ‚zahl so viel du kannst‘ –Konzept. Die Kosten der jeweiligen Unterrichtseinheit werden allen SchülerInnen offen vorgelegt und als Richtwert behandelt. Es steht allen frei, selbst zu entscheiden, was sie geben können. Einkommensstärkere können Einkommensschwächere mit einem Beitrag über den eigentlichen Kosten unterstützen.“

Der Musikunterricht wird auf Deutsch abgehalten und bietet so neben den offiziellen Sprachkursen die Möglichkeit wöchentlich mit ÖsterreicherInnen in Verbindung zu kommen und die Sprache in die Praxis umzusetzen. „Wir haben damit eine nachhaltige Kommunikationsplattform geschaffen, in der sich jeder Mensch wohl und geborgen fühlt, seinen/ihren Selbstwert stärkt, mit Freude musiziert und ein respektvolles Miteinander pflegt“, freut sich Felizeter mindestens genauso wie seine SchülerInnen. Auch Abo Harbbah Alnaeb ist ein Schüler von DoReMi und erhält nun professionellen Klavierunterricht. Die Anmeldung zum Musikunterricht beginnt am 1. August!

www.openpianoforrefugees.com/doremi

Autorin: Asya Khalef

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