Kaffee, Kakao, Klima
Wie sich unsere Genussmittel verändern - Kaffee und Kakao zwischen Klimawandel, Energieknappheit und Teuerung. Was verändert sich, was bleibt?
500 Gramm Kaffeebohnen kosteten diesen Sommer durchschnittlich 8,3 Euro – 2,3 Euro mehr als noch vor zwei Jahren1. In den letzten 20 Jahren hat sich der Preis beinahe verdreifacht2. Und auch Kakao ist mehr als doppelt so teuer geworden1. Warum ist das so?
Weltweit werden täglich über 2,25 Billionen Tassen Kaffee getrunken – und es werden immer mehr.
Am stärksten steigt der Kaffeekonsum in Asien und Ozeanien. Gleichzeitig sinkt das Angebot. Das spürt auch Felix Teiretzbacher, World Coffee Roasting Champion der Rösterei Kaffeelix in Niederösterreich: „Wir beziehen unsere Kaffees aus vielen Anbauländern quer über die Kontinente – irgendwo passiert wirklich jedes Jahr eine Katastrophe. Die Frage ist nur, welche und wie schlimm sie sich auswirkt.“
So habe die extreme Dürre in Brasilien 2025 zu einem richtigen Preiskampf geführt. Das wird sich auch so fortschreiben: Bis 2050 werden wir über die Hälfte der ertragreichsten Anbauflächen und ein Drittel der mittelmäßig ertragreichen Anbauflächen verlieren3. Gleichzeitig bewirtschaften 80 Prozent der Kaffeefarmen bereits jetzt weniger als zwei Hektar und können davon kaum leben4, geschweige denn in Klimawandelanpassung investieren.
„Wenn das Einkommen nicht ausreicht oder die Arbeit für die nächste Generation nicht attraktiv ist, wird es schwieriger, in resiliente Anbaumethoden, bessere Pflanzen oder den Schutz der Böden zu investieren. Gleichzeitig verschärft der Klimawandel die wirtschaftlichen Risiken enorm“, bestätigt auch Manuela Schneider, Leitung Corporate Responsibility bei Tchibo. Langfristig bedroht der Klimawandel also nicht nur, was bei uns in die Tasse kommt, sondern auch die Lebensgrundlage der ungefähr 125 Millionen Menschen, die ihn anbauen. Und beim Kakao? Da sieht es ähnlich aus: Auch dieser wird überwiegend auf kleinen Flächen angebaut, auch seinen Anbaugebieten setzt der Klimawandel zu: Über 50 Prozent des Kakaos stammt aus Ghana und von der Elfenbeinküste – und 50 bis 90 Prozent ihrer Flächen könnten bis 2050 weniger für den Kakaoanbau geeignet sein5. In den Ländern selbst sowie weiter östlich entstehen zwar auch neue Anbauflächen. Aber die Veränderung ist enorm.
Der größte Hebel für die Zukunft des Kaffees und Kakaos liegt bei uns – ob wir wirklich genießen, was wir kaufen, und ob wir uns damit auseinandersetzen, unter welchen Bedingungen es produziert wird. Wie Lieferketten aussehen könnten, in denen Verantwortung tatsächlich übernommen wird, wie du nachhaltige Produkte erkennst und was richtig guten Kaffee ausmacht, liest du unter www.lebensart.at/kaffee-zukunft.
1 www.statistik.at/preisradar
2 Gemessen am jeweiligen Verbraucherpreisindex. Der allgemeine Verbraucherindex hat im selben Zeitraum deutlich weniger zugelegt.
3 Grüter et al. 2022. Expected global suitability of coffee, cashew and avocado due to climate change. DOI: 10.1371/journal.pone.0261976
4 Panhuysen, de Vries. Coffee Barometer 2026.
5 Läderach et al. 2013. Predicting the Future Climatic Suitability for Cocoa Farming of the World’s Leading Producer Countries, Ghana and Côte d’Ivoire. DOI: 10.1007/s1058401307748
Asante et al. 2025. Climate change impacts on cocoa production in the major producing countries of West and Central Africa by mid-century. DOI: 10.1016/j.agrformet.2025.110393
Nicht mein Kaffee!
Wer nascht mit?
So verteilt sich der Preis einer durchschnittlichen Tasse/Tafel Schokolade entlang der Wertschöpfungskette.
Je weiter man diese zurückverfolgt, umso kleiner werden die Gewinne.
*Die Kaffeestudie berücksichtigt die von Familienmitgliedern erbrachte Arbeit beim Anbau nicht – diese muss dem Einkommen gegenübergestellt werden. In der Schokoladen-Studie ist diese hingegen enthalten – deshalb bleibt bei den Bäuer*innen kein Einkommen stehen.
Hauptanbaugebiete:
Kaffee: Brasilien, Vietnam, Kolumbien
Kakao: Elfenbeinküste, Ghana, Ecuador
Wusstest du …
… dass Kaffee 800 Aromastoffe enthält? Das sind ungefähr doppelt so viele wie bei Wein.
… dass Kaffee und Kakao eigentlich keine Bohnen sind? Beide sind Samen – beim Kaffee ist jede Bohne in einer Kirsche eingeschlossen, beim Kakao sind 25 bis 50 Bohnen gemeinsam in einer großen Frucht.
Michaela R. Reisinger