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Getränke im Zucker- und Süßstoff-Check

700 Getränke wurden auf ihren Zuckergehalt geprüft. Das Ergebnis zeigt, dass sich die Zuckerzugaben zwar verringert haben. Aber dennoch gibt es weiter Verbesserungsbedarf.

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Univ. Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer, Österr. Diabetes Gesellschaft (ÖDG). MedUniWien Mattern

Jedes Jahr erstellt das Institut SIPCAN eine Getränkeliste, in der der Zuckergehalt der im österreichischen Handel erhältlichen Getränke für die KonsumentInnen transparent gemacht wird. Positiv:  Der durchschnittliche Zuckergehalt in Getränken ist 2018 im Vergleich zu 2010 um 13,5 Prozent gesunken. Er sollte aber langfristig kontinuierlich weiter gesenkt werden.

"Wir wissen aus Mexiko, dem Land, das sich bisher am meisten für die Reduzierung von Zucker in Softdrinks stark gemacht hat, wie deutlich sich dieser Einsatz direkt auf den Rückgang von Adipositas- und Diabetes-Neuerkrankungen auswirkt", sagt Univ. Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer, Präsidentin der Diabetes Gesellschaft (ÖDG) zu den Ergebnissen.

Zuckersteuer auf Getränke?

Von einer Zuckersteuer, wie sie in Großbritannien geplant ist, hält Kautzky-Willer jedoch nichts: „Die ÖDG erachtet einen Weg mit positiven Incentives prinzipiell als besser, weil er nachhaltiger wirkt, in dem er gesunde Produkte fördert statt andere zu bestrafen. Wenn eine Zuckersteuer aber so rasch, bereits durch die Ankündigung, den Zuckergehalt real senkt, kann auch dieses gesundheitspolitische Steuerungselement gerne angewendet werden.“

In Großbritannien führe jedoch die Politik über Steuern zu einem vermehrten Einsatz von Süßstoffen und nicht zu einer Reduktion der generellen Süße. In Österreich setze der breite Einsatz der Getränkeliste vor allem im schulischen Bereich einen positiven Anreiz für die Getränkeproduzenten, Zucker zu reduzieren.

Positiv-Liste wächst

SIPCAN analysiert in der jährlichen wissenschaftlichen Untersuchung bundesweit das Getränkeangebot in PET-Gebinden sowie Kartonverpackungen von 0,20 bis 0,75 Liter. Die aktuelle Erhebung umfasst über 700 Produkte. Der Anteil an Getränken, die den Orientierungskriterien entsprechen, liegt derzeit bei 57,4 Prozent. Das sind um 14 Prozent mehr, als bei der ersten Untersuchung aus dem Jahr 2010. Pro 100 ml Getränk sind derzeit 6,51 g Zucker im Durchschnitt enthalten.

Klare Orientierungskriterien

Neben der Darstellung des Zuckergehaltes werden auch klare Kriterien für die Produktauswahl festgelegt. Die Ernährungsexperten von SIPCAN erarbeiteten in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium und weiteren Institutionen Orientierungskriterien, die sich unter anderem nach den aktuellen WHO-Empfehlungen zum täglichen Zuckerkonsum richten. Dabei gilt, dass nur jene Produkte in der Positiv-Liste berücksichtigt werden, bei denen der Zuckergehalt pro 100 ml Getränk bei maximal 7,4 g liegt und die keine Süßstoffe enthalten. „Allerdings wird generell zu viel Zucker konsumiert, er sollte auf weniger als fünf Prozent der Energiezufuhr bei Kindern und Jugendlichen und weniger als zehn Prozent bei Erwachsenen beschränkt sein. Idealerweise sollte gar kein freier Zucker in Getränken konsumiert werden, stattdessen gilt z.B. Wasser als idealer Durstlöscher“ betont Kautzky-Willer.

Süß ist auch ohne Zucker nicht gesund!

Süßstoffe werden trotz der dadurch erreichten Kalorieneinsparung als sehr kritisch angesehen, da der Konsument keine Chance hat sich an einen geringeren süßen Geschmack zu gewöhnen. Auch wenn durch Süßstoffe keine zusätzlichen Kalorien zugeführt werden, bleibt die Süße! Die Lust nach Süßem wird weiter angekurbelt.

Kinder sollten so wenig Zucker wie möglich zu sich nehmen

Säuglinge haben eine angeborene Präferenz für die Geschmacksrichtung Süß. Jedes Mal wenn wir Süßes zu uns nehmen, aktivieren wir unser Belohnungszentrum. "Aus diesen Gründen ist die Vermeidung von Zucker und süßem Geschmack schon möglichst früh im Kindesalter der beste Schutz vor Übergewicht“, erklärt Kautzky-Willer, „da Süßstoffe außerdem auch die Darmhormone und -flora beeinflussen können und Langzeitdaten zu Gewichtsentwicklung fehlen, kann ich derzeit keine wissenschaftlich fundierte Empfehlung für Süßstoffe abgeben“.Vielmehr geht es um eine schrittweise Reduktion der Zuckeraufnahme, um Übergewicht und den damit einhergehenden Folgeerkrankungen wie Diabetes Mellitus vorzubeugen. Eine Studie habe gezeigt, dass der Konsum von mit Zucker gesüßten Getränken in 93 Prozent mit einem erhöhten Körpergewicht bzw. BMI (Body Mass Index) in Zusammenhang stand.

Getränkeliste zum Download und praktische Getränke-APP (zu finden im App-Store für Apple bzw. Play-Store für Android mit dem Suchbegriff „SIPCAN“).
Quelle: SIPCAN. Das vorsorgemedizinische Institut setzt sich gemeinsam mit der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) und der Österreichischen Adipositas Gesellschaft (ÖAG) für eine Zuckerreduktion in Lebensmitteln ein.

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