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Aspartam, Sorbit & Co: Schaden Süßstoffe der Gesundheit?

Schädlich für die Gesundheit oder hilfreich im Kampf gegen Übergewicht und Diabetes? Kaum ein anderer Lebensmittelzusatzstoff ist so umstritten, wie Süßstoff.

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Bei Süßstoffen muss auf die individuelle Verträglichkeit geachtet werden Pixabay

Mehr als eine Milliarde Menschen verwenden täglich Süßstoff. Im Gegensatz zu Zucker und Zuckeraustauschstoffen haben Süßstoffe keinen oder nur minimalen Nährwert. Daher werden sie von der Lebensmittelindustrie vor allem in Lightprodukten eingesetzt, um dem Wunsch der Konsumenten nach kalorienreduzierten Lebensmitteln nachzukommen. Da Süßstoffe keine Glukose enthalten, sind sie auch für Diabetiker verträglich.
Süßstoffe werden synthetisch oder aus natürlichen Quellen (Früchten) hergestellt. Bevor Süßstoffe für den Verzehr zugelassen werden, durchlaufen sie eine Prüfung, bei der die höchstzulässige Menge – der „ADI“-Wert – festgelegt wird. Zu den gängigen Süßstoffen zählen unter anderem Aspartam, Acesulfam-K, Sucralose, Neohesperidin, Saccharin und Neotam.

Süßstoff Aspartam

Über Aspartam wird immer wieder heiß diskutiert. Es soll gesundheitsschädigende Wirkung haben oder gar Krebs auslösen. Hergestellt wird der Süßstoff aus den Aminosäuren Asparaginsäure und Phenylalanin – die natürlicherweise in allen eiweißhaltigen Lebensmitteln vorkommen – und Methanol, das auch in Früchten oder Gemüsesäften enthalten ist. Der deutsche Ernährungsexperte Sven David Müller beschäftigt sich seit 20 Jahren wissenschaftlich mit Süßstoffen und sieht keinen Grund zur Besorgnis: „Im Körper zerfällt Aspartam in seine Bausteine. Die beiden Aminosäuren werden genauso verstoffwechselt und abgebaut wie Aminosäuren aus anderen Eiweißquellen. Methanol wird über den üblichen Stoffwechselweg abgebaut. Seine Abbauprodukte werden nicht im Körper akkumuliert“. Süßstoffe sollen auch – im Gegensatz zu den Zuckeraustauschstoffen – keine Verdauungsbeschwerden auslösen. Die tägliche akzeptierte Aufnahmemenge liegt bei 40 mg/kg Körpergewicht, das entspricht etwa 360 Gramm Zucker bei einem Schulkind, oder etwa 500 Gramm bei einer Frau.

Bauchschmerzen vom Kaugummi?

Häufig werden Süßstoffe mit Zuckeraustauschstoffen verwechselt. Dabei handelt es sich um Zuckeralkohole, die auch in der Natur in bestimmten Obstsorten vorkommen. Zuckeraustauschstoffe sind im Gegensatz zu den Süßstoffen nicht kalorienfrei (ca. 240 kcal/100 g), haben aber einen geringeren Einfluss auf den Blutzuckerspiegel als Haushaltszucker. Bei empfindlichen Menschen können sie zu Verdauungsbeschwerden führen. Bei manchen reicht schon eine Packung Kaugummi. Zu den Zuckeraustauschstoffen zählen Isomalt, Sorbit, Xylit, Mannit und Fructose. Wegen der abführenden Wirkung hat die EU entschieden, Zuckeralkohole nicht in Getränken zu verwenden, da beim Trinken leicht größere Mengen aufgenommen werden.

„Süßstoffe sind bei normaler Dosierung gesundheitlich unbedenklich“, stellt auch Mag. Petra Lehner, Lebensmittelreferentin im Gesundheitsministerium, fest: „Allerdings macht es keinen Sinn, alles künstlich aufzusüßen, nur damit dann die Kalorien reduziert sind. Dafür ist eine Verringerung des normalen Zuckerkonsums besser geeignet.“ Auch Kinder sollten künstlich gesüßte Getränke ebensowenig zu trinken bekommen wie stark gezuckerte, weil der intensiv süße Geschmack zur Gewöhnung führt.

Die amerikanische Diabetes Gesellschaft „American Diabetes Association“ hat fünf künstliche Süßungsmittel getestet und für unbedenklich erklärt: Acesulfam, Aspartam, Saccharin, Sucralose und Neotam. „Es gibt keinerlei belastbare wissenschaftliche Belege, die zeigen, dass diese Süßstoffe in den zum Verzehr empfohlenen Mengen krebsfördernd sind“, erläutert Fritsche.

Süßstoffe lösen keine Hungerattacken aus

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft tritt auch der mitunter geäußerten Behauptung entgegen, wonach Süßstoffe oder eine angeblich damit verbundene Insulinausschüttung Hungerattacken auslösen und sogar süchtig machen können. Wenn überhaupt, vermittle Insulin bei schlanken Menschen ein Sättigungssignal ans Gehirn. Bei übergewichtigen Menschen dagegen sei das Gehirn vermutlich unempfindlich gegenüber Insulin. Deshalb komme das Sättigungssignal möglicherweise nicht mehr im Gehirn an. Nach allem, was derzeit wissenschaftlich bekannt sei, könne weder Zucker noch Süßungsmittel süchtig machen. Unabhängig davon sollte jeder darauf achten, nicht mehr als die empfohlenen Mengen Süßstoff oder mehr als 50 Gramm Zucker pro Tag zu sich zu nehmen.

Autorin: Annemarie Herzog

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