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Wundermittel Birkenzucker?

So manch grauer Tag lässt sich mit einem Stück Schokolade aufhellen. Schade nur, dass Zucker so viele negative Seiten hat. Mit Birkenzucker ist ein neuer alter Zuckerersatzstoff in aller Munde.

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Foto: Thinkstockphotos/Elmik Thinkstockphotos/Elmik

Wie allgemein bekannt, schadet Zucker dem Körper, vor allem den Zähnen. Stichwort Karies. Schon seit langem ist deshalb eine rege Forschungstätigkeit im Gang, die nach Ersatzstoffen sucht. Möglichst natürlich, natürlich. Stevia kam vor wenigen Jahren ins Gespräch, ist aber u.a. wegen seines bitteren Geschmacks nicht die ideale Lösung. Agavendicksaft, Reissirup und Honig als Süßungsmittel sind zwar natürlich, greifen aber ebenfalls die Zähne an. Und Sorbit gilt zwar offiziell als zahnfreundlich, hat aber sehr wohl eine leicht kariogene Wirkung.

Während in Österreich Birkenzucker noch selten verwendet wird, schwört man in Finnland, langsam auch in England und zum Teil in Amerika, schon lange auf dieses Produkt als Zuckerersatz. Kein Wunder, ist er eins zu eins so zu verwenden wie Zucker, geeignet für Diabetiker – sein glykämischer Index liegt bei 7 im Vergleich zu Zucker, dessen GI bei 70 liegt – und noch dazu gut für die Zähe.

Zucker aus einem Baum?

Gewonnen wird Birkenzucker – auch Xylit oder Xylitol genannt - wie der Name schon sagt, aus der Birke, zum Teil auch aus der Buche. Während früher zur Herstellung hauptsächlich Blätter verwendet wurden oder der Stamm angebohrt wurde, wird nun, da die Nachfrage steigt, die Rinde weiterverarbeitet, die in der Holzindustrie als Abfallprodukt anfällt. Diese wird in einem enzymatischen Prozess gereinigt und am Ende steht die Fermentation. Die dabei entstandenen Kristalle werden anschließend zerkleinert, um dem Birkenzucker jene Form zu geben, die der Konsument von herkömmlichem Zucker gewohnt ist. In sehr geringen Mengen kommt Xylit übrigens in Beeren und Blumenkohl vor und auch der menschliche Körper selbst produziert in seiner Leber Xylit. Seit einiger Zeit ist es zudem möglich, Birkenzucker aus Mais herzustellen. Solche Produkte werden oft unter dem Begriff „Birkensüße“ angepriesen und kommen häufig aus China. Diese sind allerdings weder eindeutig gentechnikfrei, haben einen anderen Geschmack und verfügen nicht mit Sicherheit über die gleiche Wirkungsweise wie original Birkenzucker. Dafür sind sie billiger.

Zahnfreundlicher Birkenzucker

Im Gegensatz zu herkömmlichem Zucker schadet Birkenzucker nicht nur den Zähnen nicht, sondern beugt Karies vor und bekämpft Paradontitis. In Form von Kaugummis empfehlen diesen Zuckeraustauschstoff schon seit längerem viele Zahnärzte. Auch Dr. Artner, Zahnarzt aus Traun bei Linz, spricht sich für Xylit zur Gesunderhaltung der Zähne aus: „Das Kauen von Kaugummis generell kräftigt den Zahnhalteapparat, reinigt mechanisch die Zahnoberflächen und führt durch Anregung des Speichelflusses zu einer Neutralisierung des ph-Wertes im Mund. Bei einer empfohlenen Tagesdosis von drei bis vier Xylit-Kaugummis kann damit das Kariesrisiko gesenkt werden.“ Das Zähneputzen ersetzen kann aber auch Birkenzucker nicht.

Kein Freibrief für ungehemmten Zuckerkonsum

Natürlich gibt es auch bei diesem Zuckerersatzstoff einen bzw. mehrere Haken. Der eine ist der Preis, der sich wirklich gewaschen hat. Ein Kilo Birkenzucker kostet um die 20 bis 25 Euro. Das ist im Vergleich zu herkömmlichem Zucker enorm. Aber wahrscheinlich auch ein guter Grund für die Zuckerindustrie und andere Mächtige, das Produkt uneingeschränkt zuzulassen, weil davon ausgegangen werden kann, dass die breite Masse ihn sich nicht wird leisten können. Der andere ist, dass Zuckeraustauschstoffe grundsätzlich viel langsamer abgebaut werden als Zucker. Das führt bei größerem Konsum dazu, dass nicht verdaute Teile in den Dickdarm gelangen, wo sie wiederum von den dort vorkommenden Bakterien verarbeitet werden. Blähungen und Durchfälle sind die Folge. Waren mit Xylit müssen mit dem Warnhinweis Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken gekennzeichnet sein. Daher empfehlen auch die Ernährungsexpertinnen Petra Lehner und Sigrid Amann vom Bundesministerium für Gesundheit: „Es ist nicht sinnvoll, Zucker durch Zuckeraustauschstoffe einfach zu ersetzen. Wir halten es für zielführender und auch nachhaltiger, die Süße in den Lebensmitteln schrittweise zu verringern bzw. das eigene Süßempfinden peu à peu zu adaptieren.“

Tipp:

Beim Kauf von Xylit-Kaugummis, Bonbons und Schokolade sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass diese Produkte ausschließlich mit Xylit gesüßt sind, Bonbons zumindest zu 70 bis 90 Prozent.

Bezugsquellen Birkenzucker:

Die beiden österreichischen Online-Shops www.birkengold.at und birkenzucker-shop.de vertreiben Birkenzucker, der aus Birken in Finnland und Österreich gewonnen wurde.

Autorin: Michaela Grininger

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