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Mehr Bodenschutz notwendig

WWF analysiert im neuen Bodenreport die Bodenpolitik der Bundesländer - kein einziges Bundesland schützt seine Böden ausreichend. Trotzdem gibt es Unterschiede.

Eine schematische Karte von Österreich, auf der die Gesamtbewertungen der Bundesländer eingetragen sind.
Grafik: WWF Österreich

Der neue WWF-Bodenreport vergleicht die verbindlichen Regeln und Maßnahmen aller neun Bundesländer und ordnet sie auf einer fünfstufigen Bewertungsskala ein. Dabei schneidet Salzburg mit 3,1 am besten ab. Auf den weiteren Plätzen folgen Niederösterreich, die Steiermark, das Burgenland, Tirol, Vorarlberg und Wien. Kärnten und Oberösterreich bilden mit Werten von 4,0 beziehungsweise 4,2 die Schlusslichter. „Unsere Analyse zeigt ein klares Versagen der Bodenpolitik. Wertvolle Böden werden trotz Hitzerekorden weiter verbaut und versiegelt, während wirksame Grenzen weitestgehend fehlen. Die Bundesländer müssen den Bodenschutz endlich vom Papier in die Praxis der Raumplanung bringen“, sagt WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories.

Ebenso fällt mehr als die Hälfte der insgesamt 99 Teilbewertungen „kritisch“ oder „ungenügend“ aus - nur drei erreichen die Bestnote „vorbildlich“. Zudem hat kein Bundesland ein verbindliches, in Zahlen festgelegtes Ziel zur Senkung des Bodenverbrauchs oder wirksame Vorgaben zum Flächensparen – etwa beim Bau von neuen Straßen, Betriebsgebieten und Supermärkten. Auch der direkte Schutz unverbauter Böden bleibt lückenhaft: Siedlungsgrenzen und landesweit verbindliche Vorrangzonen für Landwirtschaft und Natur sind vielerorts unzureichend. Zugleich werden Leerstände sowie Orts- und Stadtkerne zu wenig genutzt. Einige positive Maßnahmen werden zudem durch landeseigene Straßen- und Bauprojekte konterkariert.

Auch die aktuellen Verbrauchszahlen zeigen die Dimension des Problems: Österreichweit wurden im aktuellen Drei-Jahres-Durchschnitt täglich rund 6,5 Hektar neu beansprucht - deutlich mehr als das politische Ziel von 2,5 Hektar. Besonders hoch ist der Bodenverbrauch im Burgenland mit 1.251 Quadratmetern, gefolgt von Niederösterreich mit 952 und Kärnten mit 888 Quadratmetern pro Kopf. In den alpinen Bundesländern verschärft die Verbauung hingegen besonders die Knappheit im Dauersiedlungsraum: In Vorarlberg sind bereits 30 Prozent, in Tirol 23 Prozent und in Salzburg 20 Prozent dieser nur begrenzt verfügbaren Fläche beansprucht.

Der WWF fordert von Bund und Ländern daher verbindliche und in Zahlen gegossene Bodenschutz-Ziele, klare Grenzen für neue Betriebsflächen und Straßen, eine Stärkung der Ortskerne sowie einen besseren Schutz unverbauter Böden. Vorrang vor neuer Versiegelung haben aus Sicht des WWF die Nutzung von Leerstand, die Revitalisierung bereits verbauter Flächen sowie die Sicherung landwirtschaftlicher Böden, Grünräume und wertvoller Naturflächen.

Eine schematische Österreich-Karte in der die Anteile der verbrauchten Böden am Dauersiedlungsraum eingezeichnet sind.
Datengrundlage: ÖROK, Statistik Austria; Grafik: WWF

Die Bundesländer im Detail

Burgenland: Höchster Bodenverbrauch pro Kopf

Das Burgenland kommt im WWF-Check seiner Bodenpolitik auf einen Gesamtwert von 3,3 und damit nur auf die Einstufung „lückenhaft“. Positiv sind regionale Siedlungsgrenzen sowie die vergleichsweise umfangreichen Vorrangzonen für Landwirtschaft und Natur. Für neue Betriebsgebiete und Straßen fehlen jedoch wirksame Grenzen, auch bei der Eindämmung von weiteren flächenintensiven Projekten bestehen Lücken. Der rund zehn Hektar große „Businesspark Mittelburgenland“ auf ehemaligen Ackerflächen steht beispielhaft für diesen Widerspruch. Die Verbrauchszahlen zeigen besonders großen Handlungsdruck: Mit 1.251 Quadratmetern verbrauchtem Boden und 30 Straßenmetern pro Kopf weist das Burgenland jeweils den höchsten Wert aller Bundesländer auf. Seit 2022 kamen pro Kopf weitere 22 Quadratmeter beanspruchte Fläche hinzu - fast dreimal so viel wie im Österreich-Schnitt.

Kärnten: Schwache Regeln, stark wachsender Verbrauch

Kärntens Bodenpolitik wird im WWF-Check mit 4,0 bewertet und landet damit auf dem vorletzten Platz. Sechs der elf untersuchten Handlungsfelder werden als „ungenügend“ eingestuft. Das Land hat weder übergeordnete Siedlungsgrenzen noch verbindliche Vorrangzonen für Landwirtschaft und Natur festgelegt. Auch für neue Betriebsgebiete und touristische Großprojekte fehlen wirksame Bodenschutz-Kriterien. Positive Ansätze bestehen bei der Rückwidmung ungeeigneter Baulandüberhänge. Das Chaletdorf auf der Hochrindl zeigt jedoch, wie selbst abgelegene alpine Waldflächen für neue Hütten, Zufahrtsstraßen und Parkplätze verbaut werden. Zugleich hat der Bodenverbrauch seit 2016 prozentuell fünfmal so stark zugenommen wie die Bevölkerung. Das ist die mit Abstand größte Abweichung aller Bundesländer.

Niederösterreich: Höchster täglicher Bodenverbrauch

Die Bodenpolitik in Niederösterreich wird im WWF-Check mit einem Gesamtwert von 3,2 als „lückenhaft“ eingestuft. Regionale Raumordnungsprogramme, Siedlungsgrenzen und agrarische Schwerpunkträume sind grundsätzlich wichtige Schutzinstrumente. Zahlreiche Ausnahmen, große kommunale Spielräume und eine zu schwache Kontrolle begrenzen jedoch ihre Wirkung. Zugleich treibt das Land mit großflächigen Wirtschaftsparks und Straßenprojekten selbst die weitere Verbauung voran. Die rund acht Hektar große Erweiterung des Gewerbeparks in Leobersdorf steht beispielhaft für die Versiegelung neuer Flächen, obwohl im Umfeld bereits Gewerbeobjekte leer stehen. Mit durchschnittlich 1,9 Hektar pro Tag hat Niederösterreich den höchsten absoluten Bodenverbrauch aller Bundesländer. Auch pro Kopf ist der Wert mit 952 Quadratmetern sehr hoch: Niederösterreich liegt damit an zweiter Stelle hinter dem Burgenland.

Oberösterreich: Schlusslicht bei der Bodenpolitik

Oberösterreich bildet mit einem Gesamtwert von 4,2 das Schlusslicht im WWF-Check der Bodenpolitik. Abgesehen von allgemeinen Zielen und einzelnen Ansätzen in der Wohnbauförderung werden die untersuchten Handlungsfelder durchgehend als „kritisch“ oder „ungenügend“ eingestuft. Besonders große Mängel bestehen bei Betriebsgebieten, Rechen- und Logistikzentren, touristischen Projekten und beim Straßenbau. Verbindliche regionale Grünzonen bestehen nur in rund einem Viertel der Gemeinden. Landesweit sind lediglich drei Siedlungsgrenzen ausgewiesen. Zugleich treibt Oberösterreich mit der Umfahrung Mattighofen-Munderfing selbst ein flächenintensives Projekt durch teilweise besonders wertvolle Ackerflächen voran. Täglich werden im Land durchschnittlich 1,2 Hektar neu beansprucht. Innerhalb von drei Jahren entspricht das rund 14 Quadratkilometern, das ist umgerechnet in etwa die Fläche des Mondsees.

Salzburg: Bestplatziert, aber nur „lückenhaft“

Salzburg kommt im WWF-Check seiner Bodenpolitik mit 3,1 auf den vergleichsweise besten Wert der Bundesländer, landet aber ebenfalls nur in der Kategorie „lückenhaft“. Umfangreiche Ziele in der Raumordnung und konkrete Kriterien für kompakte Bauweisen in der Wohnbauförderung heben das Land positiv hervor. In vielen anderen Bereichen schwächen jedoch Ausnahmen und unklare Vorgaben die Schutzwirkung. Überörtliche Siedlungsgrenzen bestehen nur in vier von neun Planungsregionen. Auch der Schutz landwirtschaftlicher und naturnaher Flächen kann vielfach umgangen werden. Der große, inzwischen stillstehende Hotel- und Apartmentkomplex am Pass Thurn zeigt die dauerhaften Folgen solcher Planungslücken. Bereits 20 Prozent des knappen Dauersiedlungsraums sind beansprucht. Zudem liegen rund 30 Prozent der Bau- und Siedlungsflächen aufgrund von Ausnahmen in eigentlich als Grünland gewidmeten Gebieten.

Steiermark: Gute Ziele, große Umsetzungslücken

Die Steiermark erreicht im WWF-Check ihrer Bodenpolitik einen Gesamtwert von 3,3 und damit die Einstufung „lückenhaft“. Das Land hat vergleichsweise ambitionierte Ziele und als einziges Bundesland überregional verordnete Siedlungsschwerpunkte. In der praktischen Umsetzung bleiben jedoch große Lücken. Für neue Betriebsflächen, Straßen und touristische Projekte fehlen klare Bodenschutz-Kriterien weitestgehend. Ausnahmen ermöglichen zudem weiterhin Verbauung im Grünland. Das rund 50 Hütten umfassende Chaletdorf „Grebenzen Lodges“ in St. Lambrecht steht beispielhaft dafür: Außerhalb der gewachsenen Ortsstruktur wurden rund vier Hektar Fläche beansprucht. Täglich kommen in der Steiermark durchschnittlich 1,2 Hektar neu hinzu. In den vergangenen zehn Jahren nahm der Bodenverbrauch prozentuell etwa dreimal so stark zu wie die Bevölkerung.

Tirol: Vages Regelwerk, zu viele Lücken

Tirol schneidet im WWF-Check seiner Bodenpolitik mit einem Gesamtwert von 3,6 „kritisch“ ab. Das Land verfügt zwar über besonders ausführliche Raumordnungsvorschriften, viele Bestimmungen bleiben jedoch unkonkret oder lassen große Auslegungsspielräume. Übergeordnete Siedlungsgrenzen fehlen vollständig. Auch für neue Betriebsgebiete und den Straßenbau gibt es keine ausreichend wirksamen Bodenschutz-Vorgaben. Freiraumprogramme schützen landwirtschaftliche Vorsorgeflächen, werden jedoch immer wieder zugunsten einzelner Projekte abgeändert. Das rund 50.000 Quadratmeter große Hoteldorf „Seefeld Village“ außerhalb des ursprünglichen Ortsgebiets zeigt die Folgen solcher Lücken. Insgesamt sind in Tirol bereits 23 Prozent des äußerst knappen Dauersiedlungsraums verbaut. Mehr als 60 Prozent der beanspruchten Böden sind versiegelt – einer der höchsten Anteile in Österreich.

Vorarlberg: Flächenknappheit trifft schwache Regeln

Vorarlberg erreicht im WWF-Check seiner Bodenpolitik einen Gesamtwert von 3,6 und wird ebenfalls als „kritisch“ eingestuft. Positiven Ansätzen wie der „Blauzone“ für Überschwemmungsflächen und Vorgaben für kompaktere Bebauung stehen erhebliche Lücken gegenüber. Landesweite Siedlungsgrenzen fehlen, und in rund zwei Dritteln der Gemeinden bestehen keine verbindlichen Grünzonen. Auch für neue Betriebsflächen sowie Tourismus- und Freizeitprojekte gibt es kaum spezifische Regeln zum Flächensparen. Unverbindliche Konzepte wie das Inventar der Weißzonen ersetzen keinen rechtlichen Schutz. Die 2020 errichtete Weltcupstrecke in Zürs zeigt als Negativbeispiel, wie sensible alpine Flächen für großdimensionierte Projekte umgebaut werden. Dabei ist der Flächendruck in Vorarlberg besonders hoch: Bereits 30 Prozent des Dauersiedlungsraums sind beansprucht, nach Wien der zweithöchste Anteil aller Bundesländer.

Wien: Kompakte Millionenstadt, kritische Bodenpolitik

Wien erreicht im WWF-Check seiner Bodenpolitik einen Gesamtwert von 3,9 und wird damit als „kritisch“ eingestuft. Der „Wien-Plan“ enthält zwar viele Ziele und Maßnahmen, ist aber rechtlich nicht bindend. Die Bauordnung als zentrale verbindliche Grundlage der Stadtplanung enthält nur wenige konkrete Bodenschutz-Vorgaben. Siedlungsgrenzen und ein übergeordneter rechtlicher Schutz wertvoller Agrar- und Grünflächen fehlen. Wie groß diese Lücken sind, zeigt die Stadtstraße Aspern: Für das überdimensionierte Straßenprojekt werden teils wertvolle Ackerflächen verbaut. Aufgrund seiner dichten Stadtstruktur nutzt Wien seine Flächen zwar deutlich effizienter als die restlichen Bundesländer. Mit 121 Quadratmetern ist der Pro-Kopf–Verbrauch österreichweit am geringsten. Dieser Wert darf jedoch nicht über die extreme Flächenknappheit hinwegtäuschen: Bereits 74 Prozent des Dauersiedlungsraums sind verbaut. Die Stadtregierung muss daher besonders sorgsam mit den verbliebenen landwirtschaftlichen, naturnahen und unversiegelten Flächen umgehen.

Eine Balkengrafik, auf der der Bodenverbrauch pro Kopf pro Bundesland und im Österreich-Schnitt eingetragen ist.
Datengrundlage: ÖROK, Statistik Austria; Grafik: WWF

Über den WWF-Bodenreport 2026

Der WWF hat die Bodenpolitik der Länder in elf Handlungsfeldern bewertet. Berücksichtigt wurden nur verbindliche Maßnahmen wie Gesetze, Verordnungen, Förderungen und konkrete Bauprojekte; reine Absichtserklärungen blieben außen vor. Geprüft wurden unter anderem Bodenschutz-Ziele in der Raumplanung, Siedlungsgrenzen, Vorrangzonen für Landwirtschaft und Natur sowie Widmungs- und Verbauungsbeschränkungen. Weitere Kriterien waren der Umgang mit zentralen Treibern des Bodenverbrauchs wie Einkaufszentren, Betriebsflächen, Tourismus- und Freizeitnutzungen, Straßenbau und Wohnbau sowie der Umgang mit Leerstand und Maßnahmen zur Stärkung der Ortskerne.

Den gesamten Report gibt es hier.