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Zeit zum Ausräumen und Loslassen?

Aus dem Hamsterrad gefallen – für viele fühlt sich diese abrupte Abbremsung des Alltags ungewohnt an. Aber sie bietet auch die Chance, das eigene Leben zu reflektieren und Pläne für die Zukunft zu machen. Lesen Sie, was unsere LeserInnen jetzt besonders beschäftigt.

UnternehmerIn in Corona-Zeiten

Brigitte Fuchsbauer: Ich sitze in der Firma und erstelle eine Liquiditätsrechnung für die kommenden Monate mit dem Ziel, möglichst alle Mitarbeiter langfristig weiter zu beschäftigen.
Heute können wir noch auf Baustellen arbeiten. Nächste Woche vielleicht nicht mehr. Wir im Controlling und in der Montageplanung arbeiten auf Hochdruck, mit Entscheidungen in Sekundenschnelle. Denn was heute so erzählt wird, ist morgen wieder ganz anders. Wir verwenden einen großen Teil unserer Zeit darauf, die Mitarbeiter zu beruhigen, zu motivieren und können ihnen hoffentlich die Angst vor der Zukunft nehmen.

Wenn ich am Abend nach Hause komme, brauche ich Zeit, um mich zu regenerieren. Ich gehe laufen, sitze mit einem Achtel Rotwein und starre in die Ferne. Solange, bis mich die Gedanken wieder einholen. Dann setze ich mich zum Computer und checke die Mails meiner zweiten Firma. Hier stehen wir derzeit zu 100% bei 0,00 Umsatz. Ich beantworte zahlreiche Mails von Kunden, die für die nächsten Monate stornieren möchten.

Inzwischen ist es dunkel draußen. Ich fahre den PC runter, setz mich zu meiner Familie. Ich mag nix mehr reden, mich nur mehr vom Fernseher mit einem Kitschfilm berieseln lassen. Aber es laufen die Nachrichten. Mit immer nur dem einen Thema.

Ich geh schlafen. Morgen ist ein neuer Tag. Zeit zum Ausräumen und Loslassen? Später vielleicht.

Home-schooling ist gar nicht so einfach

Carola Hampe:  Ein wenig Ruhe wäre bei uns schön. Home-schooling ist aber nicht so einfach, wie es in den Medien immer klingt. Unser 10-jähriger Sohn ist von dieser Situation völig überfordert - verständlicherweise. Plötzlich ist keine Struktur mehr vorgegeben, keine Glocke markiert Anfang und Ende einer Einheit, keine Freunde sind zum Mal-schnell-Plaudern oder Spielen in der Nähe. Dementsprechend mühsam gestaltet sich unser Alltag, parallel zum Homeoffice.

Motivieren, Struktur schaffen und dabei auch noch für physischen Ausgleich sorgen und die soziale Komponente nicht vernachlässigen, ohne das Kind vor 4-eckigen Kasterln seelisch verhungern zu lassen, ist eine echte Herausforderung. Dabei noch schauen, dass der "Große", der "Verständige" nicht zu kurz kommt, sondern auch die Unterstützung erhält, die er braucht, lässt einen manchmal wünschen, dass man doch in's Büro könnte.

Ja, Ihre Ideen im Newsletter sind toll und ich werde manches davon mit den Jungs machen, einfach, weil es etwas anderes ist, als die üblichen Anforderungen, aber Familien haben in dieser Zeit eine andere und durchaus fordernde Alltagsbewältigung, als alleinstehende oder in Zweisamkeit lebende.

CDs hören und lesen

E.K.: Sie machen mit Ihrer Frage bestimmt viele Menschen auf Dinge aufmerksam, darauf, Gedanken zu pflegen und wieder zur Ruhe zu kommen. Ich bin in Pension, mir ist eigentlich nie langweilig, die Isolation ist noch erträglich - bin gerne und viel unterwegs.

Aber ich bin etwas traurig, weil ich drei geplante Urlaube stornieren musste, einer davon leider nicht verschiebbar. Und die abgesagten Konzerte werden nur teilweise durch div. streams abgedeckt. Da hilft nun nur, die CD-Sammlung zu durchforsten und auch die Abteilung der Bibliothek mit den "noch-nicht-gelesenen" Werken. Zum Fensterputzen bin ich noch nicht bereit.

Wie geht es Ihnen? Was machen Sie in dieser ungewöhnlichen Zeit? Was können wir alle aus dieser Krise mitnehmen? Schreiben Sie uns an redaktion@lebensart.at. Wir freuen uns darauf!

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