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Artist: Nachhaltigkeit führt in die Zukunft

Knapp 20 Jahre seines Berufslebens machte Werner Wutscher eine klassische Karriere: 13 Jahre Lebensministerium, gefolgt von vier Jahren in der Privatwirtschaft, als Vorstand der Rewe Group Österreich. Seit 2013 ist er selbstständig und berät Start Ups und große Unternehmen. Was hat ihn zu dieser Veränderung bewogen und wie geht es ihm heute?

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Nach 20 Jahren Management in Großunternehmen gründete Werner Wutscher sein eigenes Unternehmen und steigerte damit seine Lebensqualität. Foto: Robert Strasser

Wie war der Umstieg vom Super-Tanker zum Ein-Mann-Unternehmen?

Er war schwierig. Als Manager in einer großen Struktur hast du unendlich viel Unterstützung: eine Sekretärin, ein Dienstauto. Auf einmal musst du alles selber machen. Da wird man sehr demütig. Das ist ein wichtiger Punkt: Mit jeder neuen Herausforderung muss man wieder neu anfangen, man ist immer wieder Lehrling. Das erdet und macht bodenständig.

Geholfen hat mir das Studium in Harvard. Ich lief als Student Werner herum, als unbeschriebenes Blatt, ohne Ohrmarken. Ich konnte eine neue Seite aufschlagen. Das hat mir eine ganz neue Freiheit wieder gebracht.

Worauf sind Sie stolz?

Dass der Werner Wutscher auch ohne die großen Institutionen sein Living machen kann, dass ich als Person von meiner Arbeit leben kann. Als Unternehmer habe ich mich riesig gefreut, als ich den ersten Mitarbeiter anstellen konnte.

Was ist der Vorteil, ein Unternehmer zu sein?

Dass ich keine Rücksicht mehr nehmen muss. In großen Unternehmen und in den öffentlichen Organisationen schwingt immer sehr viel Politik mit. Das ist per se nichts Schlechtes. In meinem eigenen Unternehmen muss ich mich nach niemandem richten, außer meinen Kunden selbstverständlich.

Und: Ich habe mehr Freiheit. Meine Familie und meine Kinder sind mir wichtig. Ich kann heute mehr Zeit mit ihnen verbringen und Schultermine wahrnehmen. Im System eines Großunternehmens glaubt man, dass man mit Haut und Haar verkauft ist. Nur wenige Leute nehmen sich Zeit für ihre Familie.

Viele Männer tun sich  schwer, weil sie sehr stark mit ihrer Rolle im Unternehmen verwachsen sind. Der Mann ist die Rolle und umgekehrt. Der Mensch dahinter ist oft sehr klein.

Wie gehen Frauen mit dieser Herausforderung um?

Frauen haben einen anderen Zugang. Ihnen ist Prestige nicht so wichtig. Gleichzeitig müssten Frauen vieles einfach einfordern. Würde meine Frau meine Beteiligung nicht einfordern würde ich mich auch nicht wehren. Viele Frauen verfallen mit dem ersten Kind schnell in alte Muster: Sie bleiben zuhause, und ihre Männer machen einen MBA.

Was macht Ihnen Freude?

Dass ich in jeder meiner Stationen Menschen begleitet habe und einen Anstoß geben konnte, dass sie sich weiter entwickeln. Das ist es, was wirklich zählt. Denn diese Menschen machen vielleicht noch gescheitere Projekte als ich. Am Ende des Tages zählen die Beziehungen.

Spielt Nachhaltigkeit noch eine Rolle?

Wenn man Nachhaltigkeit nicht als rückwärtsgewandtes Konzept sondern als massiven Innovationstreiber sieht hat sie eine extrem hohe Bedeutung für die Zukunft. Das wird heute bereits in der shared economy (leihen, teilen, leasen,..)  sichtbar. Jedes Unternehmen muss sich die Frage stellen, wie stark dieses Element in das Businesskonzept integriert werden kann.

Wir machen zudem den Fehler, dass wir alles sehr technisch sehen und dabei die soziale Dimension übersehen. Früher galt: Fleiß mal Zeit ist Leistung. Das kannst du heute, im Google Zeitalter, vergessen. Heute müssen wir die richtigen Fragen stellen und daher völlig neue Zugänge zu Bildung entwickeln. In Zeiten der Virtualisierung wird die Sehnsucht nach Begegnung steigen. Diese gesellschaftspolitische Diskussion müssen wir alle gemeinsam führen.

www.nvs.co.at

Autorin: Roswitha M. Reisinger

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