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Was ich mit Trump- und Hofer-WählerInnen gemeinsam habe

Und warum auch Sie sich diese Frage stellen sollten. Kommentar.

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Valentina Aversano-Dearborn Valentina Aversano-Dearborn

Vor ein paar Wochen hätte ich es selbst nicht für möglich gehalten, dass so ein Satz über meine Lippen geht. Vor ein paar Wochen stand ich noch wie angewurzelt vor dem Radio, die Wangen nass vor Tränen, meine Anliegen der Vergangenheit mit Füßen getreten, für meine Anliegen der Zukunft sah ich schwarz. Neben der Fassungslosigkeit, gab es noch ein anderes starkes Gefühl. Ich war wütend. Wütend auf die Ignoranten. Auf die Menschen, die jemanden wie Trump an die Spitze ihres Landes gewählt hatten. Amerika ist schließlich nicht irgendein Land. Es ist ein Land mit unglaublicher kultureller Strahlkraft, ein Land mit strategie- und wirtschaftspolitischer Entscheidungsmacht, mit Konsequenzen für die ganze Welt.

An der Spitze eines solchen Landes sitzt nun jemand, der Frauenrechtsverachtende, rassistische Statements von sich gibt und der die Menschen spaltet. Und das Schlimmste: In Österreich bestand die konkrete Gefahr, dass ein Mensch mit ähnlichen Ansichten Präsident wird. Nein, ich habe nichts mit diesen Personen gemeinsam! Und mit ihren Wählern erst recht nichts. Oder doch?

Wie konnte es soweit kommen, dass selbst Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund (also Menschen wie ich) über Beleidigungen und bodenlose Unterstellungen hinweg ein Potential in jemandem sehen, der sie soeben noch beschimpft hat? Irgendwas läuft da doch falsch? Aber Trump und Hofer verstehen etwas, dass ihre Counterparts nicht tun: Sie erkennen Ängste und sie gehen darauf ein. Über das Wie kann und muss man streiten, aber sie haben erkannt, dass ein „Weiter wie bisher“ nicht mehr gewünscht ist.

  • Wir wollen nicht mehr überhört werden,
  • wir wollen keine deregulierte Globalisierung, die eine so ungezügelte Geschwindigkeit aufnimmt, dass sie uns gestaltungs- und handlungsunfähig macht,
  • wir wollen nicht mehr Angst davor haben müssen, dass wir nächsten Monat ohne Arbeit dastehen und von der Gesellschaft als „leistungsschwache“ Randgruppe dargestellt werden, wenn wir auf Sozialleistungen angewiesen sind.
     

Was ich mit den Trump und Hofer WählerInnen gemeinsam habe ist der Wunsch nach Sicherheit, nach Einbindung, nach Wertschätzung, nach Mitgestaltungsmöglichkeiten.

Doch wie kommen wir dahin? Während die Linken gerade mal anbieten; mit ihnen werde es langsamer schlechter, behauptet die Rechte mit ihnen werde es morgen anders. Das klingt doch gefährlich verführerisch, oder? Betonung auf gefährlich, denn während das Erkennen von Ängsten ein wichtiger erster Schritt sein kann, ist das Mobilisieren von Ängsten auf Kosten von anderen ethisch höchst verwerflich. Wir hatten das schon mal: Sie fordern Mauerbau, schaffen generalisierende Feindbilder (Ausländer sind gefährlich und essen uns den Kuchen weg) und spielen uns Bürgerinnen und Bürger gegeneinander aus. Wollen wir den nötigen und gewünschten Wandel wirklich Menschen in die Hand geben, die diesen auf einer Spaltung der Gesellschaft aufbauen? Wollen wir unsere Zukunft in einer komplexen Welt einer Führung übergeben, die aus Populisten und Verschwörungstheoretikern besteht? Also an Menschen die permanent Fakten verdrehen, vereinfachte Schlüsse ziehen und ein externes Feindbild für unsere komplexen Ängste schaffen? Wollen wir unsere Zukunft an Menschen wie Trump, Hofer und Co geben? Wenn es nach ihnen ginge, sind immer die anderen Schuld. Das ist gefährlich.

In Österreich ist die Wahl gerade nochmal gut gegangen. Aber die gesellschaftliche Spaltung, die sie aufgezeigt hat, bleibt. Daher wünsche ich mir politische RepräsentantInnen, die Ursachen für bestehende Sorgen und Ängste suchen. Die uns bei deren Lösung einbeziehen. Die uns verbinden und nicht spalten. Und ich wünsche mir Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich nicht spalten lassen.

Und das fängt bei uns selbst an: Wenn wir unsere MitbürgerInnen abstempeln und als Idioten bezeichnen, dann diskreditieren wir ihre Ängste. Und damit auch die Ängste, und Sorgen die wir eigentlich teilen. Lasst uns gemeinsam nach Lösungen suchen, von denen wir ALLE langfristig profitieren. Denn wenn wir das nicht tun, tragen wir selbst aktiv zur weiteren Spaltung der Gesellschaft bei. Und DAS, das sag ich Ihnen, das ist etwas, das ich nicht mit Hofer und Trump und deren Wählerinnen und Wählern gemeinsam haben will!

Links bzw. Denkansätze zum Thema:

Inklusive Lösungsansätze für geteilte Sorgen die es heute schon gibt und die wir gemeinsam weiter diskutieren sollten:

Politische Teilhabe:
Bürgerratsmodelle für partizipative Demokratien in Österreich und den USA.
www.wisedemocracy.org/

Demokratisierung der Ökonomie und Ausrichten am Wohl der Gesellschaft statt an Profiten: Gemeinwohlökonomie auf Unternehmens und Staatsebene

Nachhaltige Entwicklung in allen anderen Bereichen: Sustainable Development Goals und entsprechende Programme lokal, regional und weltweit

u.v.m.

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