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Verpulvert

Ein professionelles Feuerwerk ist etwas Wunderbares. Grandiose Lichtskulpturen am Himmel, offene Münder des Staunens auf dem Boden. Die andere Seite: Jährlich erleiden rund 1000 Österreicherinnen und Österreicher rund um die Silvesternacht dauerhafte Hörschäden.
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Dicke Luft: Kupfer für grüne und blaue Färbungen, Barium für Grün, Strontium für Rot, Natrium für Gelb und Kalium für violett. Kaufen Sie keine Produkte aus Ungarn, Polen und China, die ohne ausreichende Umweltauflagen produziert werden Digitalstock

"Man kann in Wien jedes Jahr zu Silvester feststellen, dass die Staubmesswerte ungefähr fünf Mal so hoch sind wie an normalen Tagen", erklärt Hans Puxbaum, Professor am Institut für Chemische Technologien und Analytik der Technischen Universität Wien. Aber auch jede Menge Schwefel gelangt durch die Ballerei in die Luft. Der Monatmittelwert für Schwefeldioxid (SO2) betrug bei der Messstation Stephansplatz im Jänner 2007 vier Mikrogramm (μg) je Kubikmeter Luft. Eine halbe Stunde nach Mitternacht schnellte der Halbstundenmittelwert jedoch auf atemberaubende 233 μg/m3 - und über den Grenzwert hinaus.

"In Graz hatten wir zum Jahreswechsel 2006/2007 die mit Abstand höchsten Feinstaub-Werte, die wir jemals gemessen haben", berichtet Peter-Johann Sturm, Professor am Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik der Technischen Universität Graz. An zwei Messpunkten in Graz sogar mehr als das Fünffache.

Wie gefährlich sind diese Feinstäube?

Professor Helmut H. Popper, Leiter des Labors für Molekulare Zytogenetik, Umwelt- und Atemtraktpathologie an der Medizinischen Universität Graz: "Es ist nicht so sehr entscheidend, ob Partikel da sind, sondern es kommt auf die chemische Zusammensetzung an. Erst mit diesem Wissen kann man die Gefährlichkeit beurteilen."

Als weiteren Aspekt der Gefährlichkeit wird in der Wissenschaft häufig die Größe der Partikel angegeben. Je feiner der Staub, umso tiefer gelangt er in die Lunge. "Was den Anteil an besonders kleinen Staubpartikeln zu Silvester betrifft, kann man nur mutmaßen, dass es sich wie bei allen Explosionen und Verbrennungsvorgängen um ziemlich feinen Staub handelt", meint Puxbaum.

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Messstelle in Wien. "Im Leben eines Staubmessers gibt es pro Jahr zwei einschneidende Erlebnisse: Das ist der Silvester und der Tag, an dem die Brauchtumsfeuer brennen", resümiert Puxbaum. MA 22
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Sehnsucht nach Stille

Lärm ist ein vergleichsweise junges Phänomen. So richtig laut geworden ist es in der Welt mit der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts. Die Schwerindustrie erlebt ihre erste Blüte. Später werden Eisenbahn und Auto mobil, der Flugverkehr steigt in ungeahnte Höhen. Gleichzeitig bereichern Haushaltsgeräte unsere Wohnungen, Werbung und Freizeitkultur bedienen sich des Krachs. Wen wundert es also, dass die Polizei heute mit Folgetonhörnern unterwegs ist, die 40 Dezibel lauter sind als vor 100 Jahren. Das lauteste Geräusch, das bislang auf dieser Welt zu hören war, breitete sich über rund acht Prozent der Erdoberfläche aus. Als 1883 der indonesische Vulkan Krakatau in die Luft flog, war das auf der viereinhalbtausend Kilometer entfernten Insel Rodriguez noch zu hören.

Das Ohr hält diesen Radau nur schwer aus. Dauerbelastungen von mehr als 85 Dezibel oder auch kurzzeitige hohe Lärmentwicklung führen dazu, dass Hörzellen absterben. Bestimmte Töne können damit nicht mehr gehört werden.

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