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Soziale Hilfe in der Region

Immer mehr alte Menschen werden mit immer weniger jungen zusammenleben. Um die Solidarität zwischen den Generationen zu stärken, fördern Gemeinden und Regionen das soziale Engagement ihrer Bürger.

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Ebner

Die letzten Jahrzehnte des Wohlstandes standen ganz im Zeichen der Selbstverwirklichung. Frei nach dem Motto „Dem Tüchtigen gehört die Welt“ wurde die ganze Kraft in die Realisierung scheinbar bedeutender Ziele und Wünsche gelegt und dabei oft vergessen, dass es außerhalb des eigenen kleinen Kreises auch noch etwas anderes gibt: ältere Familienmitglieder oder andere Menschen, die sozial und familiär im Abseits stehen. Das soziale Netz, das früher durch die Großfamilie gegeben war, hat heute der Staat zu knüpfen. Nicht nur, dass diese Aufgabe den Staat überfordert, er kann auch die elementarsten Dinge nicht leisten: Zuhören, einfach da sein, Zeit schenken. Das Gemeinsame geht verloren, und dieser Verlust trifft die im eigenen Hamsterrad des Lebens Stehenden ebenso wie die Alten und Schwachen.

In Freiheit leben, eingebettet in die Gemeinschaft
Jeder Mensch soll nach seinen persönlichen Möglichkeiten den eigenen Weg gehen, doch dieser soll in ein harmonisches Ganzes eingebettet sein. In ein starkes Netzwerk, in dem alle - Kinder wie Erwachsene, Familien wie Singles, Alte wie Menschen mit besonderen Bedürfnissen - ihren Platz finden. Besonders in ländlichen Regionen finden sich noch Gemeinschaften und Vereine, die eine soziale Aufgabe erfüllen. Hier liegt die Chance, mit Hilfe engagierter Menschen soziale Wärme zu verbreiten. Jeder muss dazu selbst etwas beitragen, die Politik kann unterstützend wirken

Soziale Modellregion Niederösterreich: Hand in Hand im Ybbsfeld
„Ich bin glücklich, hier leben zu dürfen, in einer Gemeinschaft, die zusammenhält und zu der ich etwas beitragen kann“, sagt Karin Ebner aus St. Georgen am Ybbsfeld. Die diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester engagiert sich ehrenamtlich bei „Hand in Hand“. Sie organisiert Ausflüge mit Senioren und Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Karins neuestes Herzensanliegen ist ein Besuchsdienst, der gemeinsam mit dem Hilfswerk organisiert wird. „Hier geht es einfach darum, Zeit zu schenken, einen einsamen Menschen besuchen, miteinander reden oder spazieren gehen, eine Beziehung aufbauen.“ Auch zwei Jugendliche sind bereits dabei, die gerne Karten mit den Älteren spielen und den Austausch schätzen.

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Studien belegen, dass es das soziale Miteinander ist, das das Leben lebenswert macht und mit Glück erfüllt. Elixhausen

Generationendorf in Salzburg
Um das gegenseitige Verständnis und den Dialog der Generationen und Kulturen zu fördern hat Salzburg schon 2003 das Projekt „Generationendorf“ gestartet. Inzwischen sind zehn Gemeinden und ein Stadtteil der Stadt Salzburg beteiligt.

Ein Bonussystem soll besonders die Jugend motivieren
Doch all dies entwickelt sich nicht von selbst, sondern muss gute Voraussetzungen in der Gemeinde vorfinden, auch in finanzieller Hinsicht. Anita Moser: „Die Kosten werden je zur Hälfte vom Land Salzburg und von den Gemeinden übernommen.“ Darüber hinaus arbeitet die Gemeinde Elixhausen seit 4 Jahren daran, die soziale Freiwilligenarbeit zu bemessen. Je nach Zielgruppe sind unterschiedliche Modelle interessant.

Jugendliche erhalten einen Sozialzeitausweis, in dem jede freiwillige Arbeit, wie zum Beispiel Rasenmähen bei älteren Bewohnern und dergleichen, eingetragen wird. Diesen Ausweis können sie bei einer Stellenbewerbung vorlegen, was ihnen einen Vorteil bei regionalen Betrieben verschaffen kann.

Autorin: Annemarie Herzog

Lesen Sie mehr in der LEBENSART April/Mai 2010


Buchtipp:
Cem Ekmekcioglu: 50 einfache Dinge, die Sie über das Altern wissen sollten
Was genau ist Altern? Und welchen Einfluss haben Prozesse des Alterns auf unseren Geist, unsere Gefühle und unsere Seele? Der Autor behandelt die wichtigsten Aspekte. Westend-Verlag

Infos:
Soziale Modellregion Niederösterreich, NÖ Dorf- und Stadterneuerung, Verband für Landes-, Regional- und Gemeindeentwicklung, Amtsgasse 9, 2020 Hollabrunn, Tel: 02952/4848, www.dorf-stadterneuerung.at

Gemeindeentwicklung im Salzburger Bildungswerk
Dr. Anita Moser, Imbergstraße 2/II, 5020 Salzburg, Tel: 0662 872691-18,
www.gemeindeentwicklung.at

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