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Schmutziges Geschäft Elektroschrott

Jährlich werden tausende Tonnen an Elektroschrott nach Asien und Afrika verschifft. Richtige Entsorgung, aber auch eine längere Nutzungsdauer von Geräten könnten dem entgegensteuern.

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Foto: Südwind Südwind

In Accra, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Ghana, türmen sich alte Elektrogeräte zu enormen Müllbergen. Kleine Kinder klettern mit bloßen Füßen über Scherbenhaufen, um Reste wertvoller Metalle aus alten Computern zu ergattern. Jugendliche zerlegen die Geräte mit bloßen Händen und verbrennen die Überreste, um an die Kupferkabel zu kommen. Tagtäglich sind diese Kinder und Jugendlichen giftigen Dämpfen ausgesetzt. Die erbeuteten Teile werden für einen Hungerlohn weiter verkauft. „Tausende Menschen leben am Rande der Müllhalden in Slums und sind durch das Verbrennen des Mülls ständig einem gefährlichen Giftcocktail ausgeliefert“, berichtet Christina Schröder, Sprecherin der entwicklungspolitischen Organisation Südwind. „Atem- und Hautkrankheiten oder Krebs sind die Folge.“

Schröder reiste mit Kollegen nach Ghana, wo große Mengen an Elektroschrott aus aller Welt landen. Weltweit wird weniger als die Hälfte der in Umlauf gebrachten Geräte gesetzeskonform recycelt. Der Rest wird privat oder auf Deponien gelagert, oder als Second-Hand-Ware deklariert. Eigentlich verbietet die Basler Konvention, ein UNO-Vertrag aus dem Jahr 1989, das Verschicken von Müll in andere Länder ohne Zustimmung des Empfängerlandes. Doch viele Elektrogeräte gelangen über illegale Kanäle in Entwicklungsländer; jährlich werden etwa 15.000 Tonnen alter Elektrogeräte ins Ausland transportiert. „Der heimischen Volkswirtschaft entsteht dadurch ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe“, erklärt Mag. Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle. Elektroaltgeräte gelten als wichtiger Rohstofflieferant für die Industrie: Rohstoffe sind begrenzt und richtiges Recycling ist daher gefragt. Mobiltelefone etwa sind eine wahre Goldgrube: eine Tonne Althandys enthält 30 Mal mehr Gold als eine Tonne Golderz. Giehser appelliert daher an Konsumenten, Elektroaltgeräte nur an befugte Sammler zu übergeben.

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Schrottsammlerin beim Müllverbrennen. Foto: Südwind Schrottsammlerin beim Müllverbrennen. Foto: Südwind

Richtige Entsorgung
Die Österreicher sammelten und entsorgten im Jahr 2012 durchschnittlich 9 kg Elektroaltgeräte pro Kopf und liegen damit klar über dem EU- Durchschnitt. Bis 2019 soll die Sammelquote weiter erhöht werden, entweder auf 85% des Gesamtgewichtes der Elektroaltgeräte, oder auf 65% der in den drei Vorjahren verkauften Durchschnittsmenge an Geräten. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es allerdings auch notwendig, illegale Müllexporte zu verhindern.

Laut Elektroaltgeräteverordnung aus dem Jahr 2005 können Elektro- und Elektronikaltgeräte aus privaten Haushalten kostenlos bei den Altstoff-Sammelzentren bzw. den Sperrmüllsammlungen der Gemeinden deponiert werden. Kleingeräte wie Handys werden auch bei Problemstoffstellen entgegen genommen. „Beim Kauf eines neuen Gerätes kann man das alte Gerät auch direkt im Geschäft abgeben – bei Verkaufsstellen, die größer als 150 m² sind“, erklärt Ing. Rainer Kromberger vom Referat für Abfallwirtschaft bei der MA 48. So manches „alte“ Elektrogerät, ob Smartphone, Flachbildfernseher oder Laptop, ist jedoch alles andere als Schrott und die Jagd nach immer besseren Geräten hat Folgen: 8,7 Millionen Tonnen Elektromüll werden jährlich in Europa produziert.

Fast alle Elektro- und Elektronikaltgeräte enthalten neben einem großen Anteil an ungefährlichen Bestandteilen wie Kunststoffen oder Glas auch schadstoffhaltige Bauteile. Um die Freisetzung der Schadstoffe in die Umwelt zu vermeiden, werden diese Bauteile in eigenen Anlagen demontiert und einer speziellen Aufarbeitung unterzogen. Alte Geräte sollten daher auf keinen Fall im normalen Müll landen. Claudia Sprinz, Sprecherin der Umweltschutzorganisation Greenpeace, warnt auch vor „Charity-Events“, bei denen alte Handys gesammelt werden: „Diese werden oft in Entwicklungsländer verschickt und landen dort auf dem Müll.“ Auch private Schrotthändler sind mit Vorsicht zu genießen, wie Christina Schröderweiß: „Da unklar ist, wie Schrotthändler die alten Geräte weiter verwerten, sollten diese unbedingt zu den offiziellen Müllsammelstellen gebracht werden!“

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Foto: Suedwind Foto: Suedwind

Reparieren statt neu kaufen
Dass auch Elektromüll aus Österreich in Ghana landet, kann der ghanesische Umweltjounalist und Elektromüll-Experte Mike Anane bestätigen (siehe Interview). Wo aber sind die Lücken in der heimischen Abfallwirtschaft? „Mit der Elektroaltgeräteverordnung wurde die Verantwortung für die Entsorgung von Geräten den Herstellern übertragen“, erklärt Kromberger von der MA48. „Es wäre möglich, dass die Behandlungsbetriebe, die für die Verarbeitung der Geräte beauftragt werden, diese stattdessen exportieren. Beweise haben wir dafür aber keine.“ Sepp Eisenriegler, Geschäftsführer des Reparatur- und Servicezentrum R.U.S.Z., ergänzt: „Oft werden Computer und Fernseher illegal entsorgt, weil etwa die Leuchtschicht hinter den Monitoren abgesaugt und als gefährlicher Abfall entsorgt werden müsste – und das kommt teuer.“ Eisenriegler plädiert dafür, kaputte Elektrogeräte reparieren zu lassen, um Elektromüll zu reduzieren. Er setzt sich in Medienkampagnen zudem gegen die sogenannte „Geplante Obsoleszenz“ ein: „Von den Herstellern werden bewusst Sollbruchstellen in Geräte eingebaut, um die Nachfrage nach neuen Geräten zu steigern“, so Eisenriegler. „Indem man hochwertige Geräte kauft, vermeidet man langfristig auch Elektromüll.“ Auch der Kauf von gebrauchten Geräten ist eine Alternative: ReUse-Shops wie das R.U.S.Z. bieten von der gebrauchten Waschmaschine bis zum fast neuen Flat-TV viele Geräte an.

Zurück zum Elektromüll: was tun Behörden und Hersteller, um den illegalen Handel zu unterbinden? Laut einer Information des Lebensministeriums ist die illegale Ausfuhr von Elektro- und Elektronikaltgeräten aus Österreich ein Kontrollschwerpunkt: „Es wird bei jeder Anhaltung von Transporten versucht, die Herkunft der zur illegalen Ausfuhr bestimmten Elektro- und Elektronikabfällen zu ermitteln. Darüber hinaus streben wir eine Intensivierung der Kontrollen an den Außengrenzen bzw. an den großen Häfen an“, so das Lebensministerium. Das klingt gut und schön. Letztendlich liegt es aber in der Macht jedes Einzelnen, die Flut an Elektrogeräten einzudämmen und dadurch die Müllberge zu verringern. Und Afrikas Kindern eine Chance zu geben.

Interview mit Mike Anane, Umweltjounalist und Elektromüll-Experte aus Ghana: in der Printausgabe der LEBENSART Juni 2013

Autorin: Susanne Wolf

Links:
www.suedwind-agentur.at

Greenpeace-Ratgeber für Grüne Elektronik: marktcheck.greenpeace.at/4328.html
R.U.S.Z.: www.rusz.at
Reparaturnetzwerk Wien: www.reparaturnetzwerk.at
Entsorgungstipps: www.elektro-ade.at, www.umweltberatung.at

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