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Ihr witzigstes Reparaturerlebnis

Selber reparieren liegt im Trend. Doch nicht immer geht alles glatt. Wir haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, in der LEBENSART 3/2014 um Ihr witzigstes Reparaturerlebnis gefragt. Die vielfältigen Antworten zeigen Kreativität, gepaart mit Hausverstand und sind der reinste Lesegenuss. Hier eine kleine Auswahl:

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Kaffeekanne nach Reparatur, Foto: Hinterholzer

Sabine und Thomas Hinterholzer, Schwertberg
Es ist mittlerweile schon mehr als 15 Jahre her. Unsere Kinder waren noch recht klein und in der kleinen Wohnung war der Platz in der Küche ziemlich bescheiden. Wir waren grad beim Abwaschen, da fiel die Thermoskanne der Kaffeemaschine runter. Lautes krachen, Teile fliegen ... Ja, die war jetzt kaputt. Es war Samstag Nachmittag und Besuch hatte sich angesagt. Wo sollten wir jetzt eine neue Kanne herbekommen? Wir haben die Teile eingesammelt und das Innere begutachtet. Das war noch heil. Ein paar Tropfen Superkleber und als Versiegelung und Dekor die "Window-Colors" der Kinder, die die Bruchstellen verschwinden ließen. Fertig! Wir haben die Kanne immer noch in Verwendung.

Helga Rothleitner, St. Peter
Ich habe aus alten Jeans den oberen Teil weggeschnitten, ihn zusammengenäht und Griffe darauf angebracht. Fertig war die Tasche. Nur hat sie danach ausgesehen, als hätte ich meinen eigenen Po darin eingepackt. War lustig anzusehen.

Frieda Ortner, Wels
Seit zehn Jahren habe ich ein Paar blaue Schuhe. Nun war der Absatz, der aus Gummi bestand, abgetreten. Kein Schuster wollte diese Arbeit übernehmen. Also zeichnete mein Mann auf einer alten Gummiplatte, die wir zu Hause hatten, den Absatz nach, schnitt ihn aus und klebte in an der Stelle des alten Absatzes auf. Das war vor zwei Jahren und ich trage die Schuhe immer noch.

Michaela Wendelin, Radfeld
Selbst ist der Mann
Erst kürzlich saß die Mama Rosmarie mit mir um die Nähmaschinerie.
Wir wollten alte Nähte flicken und Löcher im Zick-Zack zusticken.
Die eine Hos‘ war schon gekürzt – kam Papa Otto angeschürzt,
mit seiner Gartenschürze, der selbstgenähten, blauen, um uns ein wenig zuzuschauen.
Er sagte: „Das ist ja famos! Aus Alt mach Neu – wie geht das bloß?“
Er stülpte seine Hosentaschen um. Sprachlos vor Entsetzen starrten wir stumm,
als er voller Ernst mich bat, doch zuzumachen eine Naht
durch beide Taschen durch – ganz quer, damit er nichts verlöre mehr.
Denn durch die spitze Gartenscher‘ vergrößerten sich die Löcher immer mehr!
Meinem scharfen Blick entgingen nicht die übrigen Löcher, verteilt im ganzen Stoffe, noch und nöcher…
Wir protestierten, lachten in noch aus, doch Papa machte sich nix draus.
Er hatte auch schon einen Plan, wie man die Taschen stopfen kann,
damit die Hose wieder geeignet wär, zu verwahren seine Gartenscher‘.
So upcycleten wir nach Papa’s Design das werte Stück für seine Bein‘.
Zu dritt führten wir heiße Debatten, bis wir endlich eine Lösung hatten -
mehr schlecht als recht, das ist doch klar, da das Teil ja reif für die Altkleiderverwertung war.
Doch der Lohn für all diese Müh: Wir hatten es gemeinsam lustig wie noch nie!

Agnes Thinschmidt, Wien
Es gibt ihn nicht mehr
Ein uralter Luster hing am Land in einem Zimmer, ein Erbstück von der Nachbarin, Frau Wimmer.
Dieser Luster war mir in der Seele zuwider, er war eben uralt und für mich viel zu bieder.
Doch manches kannst du nicht ändern im Leben, darum sollte es ihn bis zum Ende der Tage geben.
Doch eines Tages hatte mein Sohn mal Zeit und machte sich für einen kleinen „Eingriff“ bereit.
Ein Glas war gesprungen, wir hatten eines im „Talon“, also wollte er es wechseln, doch da passierte es schon.
Irgendetwas oben am Plafond muss er gelockert haben dabei, der Luster krachte zu Boden, und nun war perfekt die Schererei.
So viele Gläser, die kaputt gegangen waren, hatte ich nicht, deshalb landete der Luster im Müll, des Sohnes Gesicht
hat mich sofort hinterher so zum Lachen gebracht, auch mein Stein im Magen ist wahrscheinlich zerkracht.
Das konnte ICH nicht verhindern, den Luster war ich los, doch wie sagen wir es der Nachbarin dann bloß?
Reumütig ging Sohnemann zu der Nachbarin, beklagte seinen Kummer, „Der Luster sei hin“.
Mir hat dieses Missgeschick sogar Freude bereitet. Frau Wimmer hat mich dann beim Kauf begleitet,
einen neuen modernen Luster zu erstehen, ohne eigenes Zutun kann sowohl auch einiges geschehen.
Es ist nur die Frau „Wimmer“ erfunden in dem Gedicht, denn die Nachbarin „Bauer“ reimt sich leider nicht.

Agnes Thinschmidt, Wien
Ein zweites Hoppala hätte ich auch noch bereit, wir hatten oberhalb der alten Küche eine Blende seinerzeit.
Die wurde locker und mein Onkel wollte sie richten. Hinterher brauchte er nicht nur einen Finger zum Dichten.
Er hat ein Wasserrohr angebohrt, das Schlamassl war perfekt, hätten wir das Wasser nicht abgedreht nach diesem Defekt,
wäre unsere Küche überschwemmt gewesen, klar. Wir hätten wahrscheinlich ein Schinakl gebraucht fürwahr.


Petra Nussdorfer
Als ich zwölf war erfüllte sich für mich ein Traum: Ich durfte das Pferd unseres Nachbarn selbständig pflegen und reiten. Riesiges Pferd und kleines Mädchen ging nicht immer gut und so wurde so manches Halfter wurde kaputt, auch andere Sachen waren angebissen oder abgerissen. Ich begann die Sachen selbst zu flicken. Mit Omas großem Fingerhut und einigen Nadeln. Meist wurden mehrere Nadeln an den Ledersachen kaputt und meine Finger waren blau, aber ich war immer mächtig stolz auf mich.
Reitsachen gab es damals auch noch nicht überall zu kaufen und ich wollte ein Paar spezielle Fäustlinge für den Winter mit Zeigefinger und Daumen extra. Deswegen beschloss ich, aus den alten Wollresten von Oma einfach welche zu stricken. Nach einer Woche und einigen Versuchen hatte ich in vielen Stunden Arbeit meine Spezialhandschuhe fertig und testete sie sogleich auf einem Winterritt. Beim anschließenden Ausmisten hatte ich sie neben der Futterstelle liegen. Großer Fehler, mein Wallach fand sie nämlich zum Fressen gut und biss ein ordentliches Loch hinein.

Astrid Brunsch, Langenzersdorf
Ich wollte bei meinen Auto Rostflecken ausbessern - hat fürchterlich ausgesehen. Im Endeffekt habe ich überall Pickerl drübergeklebt, das hat noch fürchterlicher ausgesehen.


Vera Achleitner, Linz
Ich bekam von meiner Tante den Trachtenschmuck von meiner 2006 verstorbenen Urgroßmutter geschenkt. Seit Anfang des Jahres besitze ich selber ein hübsches Dirndlkleid und ich hab mich daher schon gefreut, diesen Schmuck von meiner Uroma zu tragen. Als ich ihn zu Hause aus der Schatulle nahm, ließ sich das Armband nicht mehr öffnen. Mein Freund sagt manchmal scherzhaft "Wenn es mit Gewalt nicht geht, dann geht‘s mit noch mehr Gewalt" - für diesen Fall war mir das viel zu heikel. Ich ging zur Goldschmiedin, sie nahm den Schmuck in die Hand, und im nächsten Moment erklärte sie mir, wie der Verschluss funktionierte. Ich war überglücklich, dass die Reparatur so einfach war und ich nun den Trachtenschmuck in die nächste Generation bringe. Zugegeben, ein bisschen peinlich war es mir schon, dass ich nicht kapierte, wie dieses Armband auf- und zuging. Na ja, jetzt hab ich‘s.


Susanne Spiesz, Wien
Die alte Waschmaschine in unserem Wochenendhaus steht in einer eher feuchten Waschküche. Eines Tages wollte sie nicht mehr starten. Alle befragten Heimwerker inklusive pensioniertem Elektriker kamen zu dem Schluss, es könne nur der Elektronik Teil sein. Also wurde dieser ausgebaut und ich bin damit ins R.U.S.Z. gefahren, in der Hoffnung, dort ein gebrauchtes Teil zu erstehen, da ich nicht gleich aufgeben und eine neue Maschine kaufen wollte. Der nette Verkäufer hatte in der Tat das passende Teil, meinte aber, ich solle zuerst überprüfen, ob die Motorkohlen noch intakt sind, denn das wäre ein häufiges Problem bei alten Waschmaschinen.
Die befragten Heimwerker konnten nicht weiterhelfen und so habe ich selbst im Internet recherchiert. Einige Bilder und Texte später habe ich selbst dann die Maschine hinten geöffnet, den Keilriemen entfernt und den Motor ausgebaut. Die Teile erkannt und tatsächlich waren sie nur eine Minute lang mit etwas Schleifpapier abzuschleifen und mit schwarzen Fingern wurde alles wieder retour geschraubt.
Die befragten Heimwerker haben den Elektronik Teil wieder eingebaut und ich voller Spannung die Waschmaschine eingeschalten - und sie hat funktioniert! Freude über die handwerkliche Leistung und Grinsen über die Gesichter der befreundeten Heimwerker! Das ist jetzt vier Jahre her und die gute alte Waschmaschine funktioniert immer noch, dank R.U.S.Z, den Internet-Heimwerker-Postern und dem Willen, nicht alle Produkte bei einem Problem sofort zu entsorgen!


Heide Klauninger
Meine Mutter hatte einen 30 Jahre alten Junghans Wecker, an dem sie sehr hing. Da es im Waldviertel niemanden gab, der den Wecker reparieren konnte, nahm ich ihn nach Wien mit. Die Uhrmacherin erklärte mir, dass der Wecker nicht mehr zu reparieren sei. Da ich noch einen Termin hatte und den Wecker nicht mitschleppen wollte, ersuchte ich, ob ich ihn einstweilen dort lassen und später abholen könnte. Es vergingen aber zwei Tage, bis ich es geschafft habe ihn abzuholen. Jetzt war ein Mann im Geschäft. Ich bat ihn mir den Wecker zu geben, grüßte und ging. Mir fiel zwar auf, dass der Herr etwas eigenartig dreinschaute, aber sagte auch nichts. Heute weiß ich warum. Ich brachte den Wecker meiner Mutter zurück, die ihn meinem kleinen Sohn zum Spielen gab. Nach einer Zeit fiel mir auf, dass der Wecker tickte. Der fleißige Mann dürfte ihn repariert haben, ohne seine Kollegin davon in Kenntnis zu setzen.

Judith Bachinger, Bad Ischl
Ich war voriges Jahr eine ganze Weile auf Reisen und irgendwann ist bei meinem Koffer auf einer Seite am Boden die Vorrichtung abgebrochen, die gewährleistet, dass man den Koffer hinstellen kann. Da es sich um meinen ersten und einzigen Samsonite Koffer handelte, machte ich mir keine großen Sorgen, weil ich annahm, dass man bei einem Markenkoffer problemlos Ersatzteile bekommt. Wieder zurück in Österreich musste ich jedoch erfahren, dass dem nicht so ist und dass eine Reparatur - falls überhaupt möglich - fast den Preis eines neuen Koffers ausmachen würde.
Als ich eines Tages in einem Baumarkt war, kam mir die Idee, dort im Kleinteilesortiment zu stöbern, um vielleicht etwas zu finden, womit ich meinen Koffer reparieren konnte - und ich fand etwas: Nachträglich betrachtet ist die Lösung sogar denkbar einfach: Ich kaufte zwei Gummitürstopper, die ich dann anstelle der Abstellvorrichtungen auf beiden Seiten montierte. Genialerweise haben die Türstopper dieselbe Höhe wie die gegenüberliegenden Räder. Mein Koffer steht nun wieder fest am Boden und wird es sicher auch noch viele Jahre tun.

Judith Bachinger, Bad Ischl
Ein weiteres Erlebnis, zwar nicht direkt Reparatur sondern eher Recycling: Als ich im Jahr 1987 ein weißes Kleid für meinen Maturaball brauchte und meine Eltern kein Geld hatten, ein Kleid zu kaufen, bot uns eine Tante einen alten, weißen Vorhangstoff an. Meine Mutter kaufte ein Schnittmuster und nähte daraus ein ganz entzückendes Ballkleid. Als wir uns am Tag des Balls für die letzte Probe der Polonaise aufstellten, sagte das Mädchen hinter mir plötzlich: "Wir haben solche Vorhänge zu Hause." Ich drehte mich um, lächelte sie an und sagte: "Wir jetzt nicht mehr."

Wilhelm Richter, Oberalm
Vor einiger Zeit kauften wir uns im Zuge der Badrenovierung einen neuen Alibert. Eines Tages funktionierte die Beleuchtung nicht mehr; diese spezielle NEON-Röhre musste bei Alibert bestellt werden und kostete 11 Euro. Ich habe sie montiert, aber das Licht funktionierte immer noch nicht. Also wurde der Monteur einer Fachfirma ins Haus bestellt. Nach einer halben Stunde stellte er fest, dass nur der Schalter irrtümlich ausgeschaltet wurde. Weitere Kosten von 55 Euro. Meine Gattin und ich wussten nicht, ob wir weinen oder lachen sollten.

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