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Pflanzen und Tiere auf Wanderschaft

Sie kommen aus Nordamerika, Asien oder Afrika, finden über die abenteuerlichsten Wege zu uns und stiften in Europa gehörige Unruhe: Neobiota

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Waschbär. Pixabay/Huskyherz

Neobiota sind Pflanzen und Tiere, die durch menschliche Mithilfe in Gebieten heimisch werden, die sie ohne diese oft ungewollte Unterstützung nicht hätten besiedeln können.Christoph Columbus läutete mit seinen vier Expeditionen im Auftrag der spanischen Krone eine neue Epoche der Weltgeschichte ein. Der europäische Kolonialismus bedeutete nicht nur die Unterdrückung der viel geschmähten „Wilden“, er brachte auch biologische Invasionen mit weit reichenden Folgen. Natürliche Ausbreitungsbarrieren verlieren zunehmend ihre Bedeutung. Die Globalisierung erfasst die Pflanzen- und Tierwelt und bringt Arten in weit entfernte Gebiete, die sie vorher nicht erreicht hätten. Auf Hawaii, der Trauminsel in der Südsee, wird heute alle zwei Wochen eine neue Art eingeschleppt. Vor der Besiedlung der Insel vor 1400 Jahren hat dieser Vorgang auf natürlichem Weg 50000 Jahre gedauert.
 

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Waschbär. Pixabay/Huskyherz

Das Jahr 1492 gilt als jener Punkt, ab dem eingewanderte Tier- und Pflanzenarten als Neobiota bezeichnet werden. Das Meerschweinchen ist eine Tierart, die Columbus von seinen Reisen mitgebracht hat. Die Seeleute verkauften die putzigen Tiere, die sich bald großer Beliebtheit als Haustiere erfreuten. Den Sprung in die freie Wildbahn haben die kleinen Nager allerdings nie geschafft. Ganz im Gegensatz zu anderen Nagetieren, die wahre Erfolgsgeschichten geschrieben haben.

1905 setzte Fürst Colloredo-Mansfeld im Park seines böhmischen Schlosses fünf Exemplare der ursprünglich aus Nordamerika kommenden Bisamratte aus. Doch die umtriebigen Wühlmaus-Verwandten hielt es nicht lange im fürstlichen Park. Sie eroberten rasch den alten Kontinent als neue Heimat. Ausbrecher aus Pelztierfarmen und Versuche, frei lebende Populationen zu begründen, taten ein Übriges zur inzwischen flächendeckenden Ausbreitung der Bisamratte in Europa.
Der zu den Kleinbären gehörende Waschbär entkam während des Zweiten Weltkrieges aus Pelztierfarmen und ist in Deutschland praktisch flächendeckend verbreitet. In Österreich ist er seit den 70er-Jahren bekannt. Waschbären sind überaus anpassungsfähig und finden sich als Kulturfolger auch in Städten gut zurecht. Gelegentlich vergreifen sich die guten Kletterer schon mal an einem Vogelnest.

Autor: Michael Fusko

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