Dolly Parton: Mehr als blonde Haare und große Hits
Bekannt ist sie "I Will Always Love You" und "Jolene", für ihren Style und für ihr Aussehen - was von ihr bleibt ist aber auch ihr Einsatz für Bildung und Chancengleichheit.
Man konnte Dolly Parton belächeln. Wegen der blonden Perücke. Wegen der Wimpern, der Glitzerkleider und der Schönheitsoperationen. Sie selbst pflegte einen selbstironischen Umgang damit: „It takes a lot of money to look this cheap.“
Doch wer Dolly Parton nur so sah, kannte nur einen Teil einer außergewöhnlichen Frau. Dolly Parton war eine der erfolgreichsten Sängerinnen der Musikgeschichte. Sie schrieb Welthits, verkaufte Millionen Platten und wurde zu einer Ikone der Country-Musik. Auch diese Facette ist tief: Ihre Musik - von Jolene, 9 to 5, I Will Always Love You bis zu Coat of many Colors - erzählte Geschichten mit einer besonderen Mischung aus Verletzlichkeit, Selbstbewusstsein und Lebensfreude. Dahinter steckte auch eine ihre Fähigkeit, andere wertzuschätzen - wenn sie zum Beispiel bewundernd bemerkt, wie besonders Whitney Houston's "I Will Always Love You" war.
Daneben gibt es aber noch eine weitere Facette: Ihren vielleicht nachhaltigsten Einfluss entfaltete sie abseits der Bühne – als Unternehmerin und Förderin von Bildung.
Dolly Parton wuchs als eines von zwölf Kindern in den Great Smoky Mountains im US-Bundesstaat Tennessee auf - eine Kindheit, die von ärmlichen Verhältnissen geprägt war. Wie sehr fehlende Bildung Lebenschancen begrenzen kann, prägte sie nachhaltig.
1995 gründete sie deshalb die Imagination Library - eine Lese-Initiative, die Kindern ab dem Zeitpunkt ihrer Geburt bis fünften Lebensjahr jeden Monat kostenlos ein Buch zukommen lässt. Zunächst war die Initiative in ihrer Heimat im Sevier County tätig, 2004 wurde das Projekt auf nationaler Ebene und danach auch als internationales Bildungsprogramm auf andere englischsprachige Länder ausgeweitet. Bis heute wurden mehr als 330 Millionen Bücher an Kinder verschenkt.
Auch darüber hinaus egagierte sich Parton - für die Covid-19-Forschung an der Vanderbilt University, für Betroffene nach verheerenden Waldbränden in Tennessee, für Bildungchancen junger Menschen und ihrer eigenen Angestellten. Sie nutzte ihre Popularität auch dort, wo es unbequem war: für die Rechte von LGBTQ+-Menschen und für Gleichberechtigung. Da sie aus dem als konservativen "Bible Belt" stammte, brachte ihr dies Boykotte und Morddrohungen ein.
Ihre Konsequenz, sich nicht vereinnahmen und sich nicht auf eine Facette - ihr Aussehen, ihre Rolle als Country-Sängerin, ihre Herkunft - reduzieren zu lassen, machte Dolly Parton zu einer ungewöhnlichen öffentlichen Figur. Sie machte aus ihrem Erfolg die Grundlage für umfangreiches gesellschaftliches Engagement. Spannend ist, was Parton dabei vereinte: Sexsymbol und Feministin, glitzernde Kunstfigur und tief bodenständiger Mensch, Unternehmerin und Gestalterin. Das ist vielleicht Partons größtes Vermächtnis: dass Berühmtheit nicht nur eine Bühne, sondern auch ein Werkzeug ist.
Dolly Parton war eine große Entertainerin. Aber ihre vielleicht größte Kunst bestand darin, zu wissen, dass selbst sichtbar zu sein, andere sichtbar machen kann.
Dolly Parton starb am 25. August 2026 nach einer Krebserkrankung im Alter von 80 Jahren in Nashville, Tennesse.