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Mit Freude lernen

Gastkommentar von Christiane Spiel
Fakultät für Psychologie, Universität Wien

spiel_kommentar
privat

Es ist die zentrale Aufgabe der Schule, allen Kinder die für die Wissensgesellschaft notwendigen kulturellen Basiskompetenzen mitzugeben. Dazu zählen die Beherrschung der Landessprache, mathematische Modellierungsfähigkeit, fremdsprachliche Kompetenz, die Fähigkeit zum Umgang mit neuen Medien und die Kompetenz selbstständig neues Wissen zu erwerben. Zusätzlich soll die Schule ein Orientierungswissen in gesellschaftlich, kulturell und wirtschaftlich relevanten Bereichen vermitteln, wie Geschichte, Physik oder Musik. Schließlich hat die Schule auch die Aufgabe soziale Kompetenzen zu fördern, wie Hilfsbereitschaft, Kooperation und gesellschaftliche Verantwortungsbereitschaft sowie die entsprechenden Werthaltungen.

Die Grundlage, um diese Bildungsziele zu erreichen, bilden Offenheit für Neues, Motivation und Wertschätzung für Lernen und Bildung. Konsequenterweise kommt der Schule damit auch die Aufgabe zu, dies zu vermitteln und damit den Grundstein für erfolgreiches lebenslanges Lernen auch außerhalb der Schulen zu legen. Wie wir aus eigenen Studien wissen, gelingt dies der Schule derzeit nur sehr eingeschränkt. Besonders bedenklich ist es, dass die hohe Ausgangsmotivation fürs Lernen bei jüngeren SchülerInnen über die Schullaufbahn hinweg abnimmt; dies gilt auch für das Selbstvertrauen in die eigene Lernfähigkeit.

Die Schule von morgen fördert die Bildungsmotivation und das Interesse an Neuem. Sie vermittelt auch die Kompetenzen, die notwendig sind, um Bildungs- und Lernmotivation erfolgreich zu realisieren.

Wie kann die Schule das erreichen?
Internationale und eigene Forschungsbefunde geben dazu viele Hinweise:
Die Schule von morgen berücksichtigt die Interessen der SchülerInnen.
Die Unterrichtsgestaltung ist nicht auf soziale Vergleiche ausgerichtet, sondern betont den positiven Wert des Lernens und Vorankommens für alle und macht ihn sichtbar. Dem entsprechend sehen SchülerInnen Kompetenzerweiterung als Ziel des Lernens („Ich kann es!“) und nicht den Notenvergleich mit anderen.
Die Identifikation von Stärken und Können steht im Vordergrund und nicht die Suche nach Fehlern. Fehler werden als Lernchancen gesehen und nicht als Bedrohung.
Andere Lernorte werden eingebunden und die Schule als Lernort geöffnet.
SchülerInnen arbeiten gemeinsam an Projekten, für die es vielfältige und nicht nur „eine“ richtige Lösung gibt.
Selbstgesteuertes Lernen, bei dem man lernt, Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen, wird gezielt gefördert.

Konsequenterweise werden die Förderung der Motivation und ihre bildungspsychologischen Grundlagen vermehrt in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrpersonen berücksichtigt. Das Ausloten des eigenen Handlungsspielraums durch mehr Zusammenarbeit, Kommunikation und Supervision zwischen den Lehrkräften ist dabei hilfreich. LehrerInnen werden mit den vielen Anforderungen an sie und ihren Unterricht nicht alleingelassen und überfordert. Sie werden vielfältig unterstützt und in ihren Kompetenzen gefördert, damit sie dasselbe mit ihren SchülerInnen tun können.

Infos:
Univ.-Prof. Dr. Dr. Christiane Spiel ist Bildungspsychologin am Institut für Wirtschaftspsychologie der Universität Wien



 

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