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Luftschlösser

Rund um die Uhr frische Luft in allen Räumen, auch dann wenn die Fenster geschlossen sind. Ein Gerät, das Gerüche und Schadstoffe entfernt und gleichzeitig Energie einspart. Wenn es die Komfortlüftung nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Trotzdem halten sich hartnäckig Gerüchte rund um diese Technologie.

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Wer ein neues Eigenheim baut oder eine neue Wohnung bezieht, kommt am Thema „richtig Lüften“ nicht vorbei. Mit der oft propagierten 2-3 mal täglichen Stoßlüftung lässt sich keine zufriedenstellende Luftqualität erzielen. Dafür müsste jeder Aufenthaltsraum alle 20-30 Minuten durchgelüftet werden. Das ist weder komfortabel, noch praktisch umsetzbar.

Einen Ausweg aus dieser Situation verspricht die sogenannte „Komfortlüftung“. Darunter versteht man eine Anlage, die witterungsunabhängig temperierte Frischluft in die Schlaf- und Wohnräume einbringt und verbrauchte Luft aus Küche, Bad und WC abführt. Gleichzeitig kann durch eine integrierte Wärmerückgewinnung wertvolle Heizenergie eingespart werden, die sonst ungenutzt über die Fenster weggelüftet wird.

Immer dann, wenn neue Technologien auf den Markt kommen, die man nicht kennt und persönlich auch noch nicht erlebt hat, ruft das die Skeptiker auf den Plan. LEBENSART hat den Lüftungsexperten Wolfgang Leitzinger mit den Mythen rund um die Komfortlüftung konfrontiert.

LEBENSART: Das erste Argument, das man immer wieder hört ist, dass man bei einer Komfortlüftung die Fenster nicht mehr öffnen darf.

Leitzinger: Sie können die Fenster so viel und so lange offen halten wie bisher, werden aber rasch merken, dass Sie sie nur mehr in besonderen Situationen, etwa wenn Sie viele Gäste haben oder wenn das Essen angebrannt ist öffnen müssen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Raumluft zu trocken wird.

Kalte Außenluft enthält (auch bei Nebel) nur sehr wenig Feuchtigkeit. Durch den Luftaustausch wird warme Raumluft mit hohem Feuchtegehalt durch kalte Außenluft mit niedrigem Feuchtegehalt ersetzt. Erwärmt man die Luft nun auf Raumtemperatur sinkt die relative Feuchte so lange bis wieder Feuchtequellen im Raum dieses Defizit ausgleichen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Luft über das Fenster oder die Komfortlüftung ins Haus gelangt. Die relative Luftfeuchte sollte für längere Zeit nicht unter 30% bei 21°C Raumtemperatur fallen. Auf der anderen Seite bringt eine zu hohe Feuchte in der Wohnung die Gefahr, dass es an Wärmebrücken zu Kondensatanfall kommt und sich Schimmel bildet.

Wie sieht es mit der angeblichen Verkeimung der Lüftungsrohre aus?

Hier gibt es eine aktuelle, hygienische Untersuchung von 18 Anlagen, die bereits zwischen 6 und 15 Jahre in Betrieb sind. Bei keiner einzigen Anlage ist es zu einer zusätzlichen Belastung der Raumluft gekommen ist. Ganz im Gegenteil. Die Luft aus den Rohrleitungen hat aufgrund der Filterung von Pollen und Feinstaub eine höhere Qualität als die Außenluft. Anders ist das bei den Abluftleitungen, durch die die Raumluft ungefiltert abgesaugt wird. Diese können nach mehreren Jahren mit Staub verunreinigt sein, der aber nicht mehr in die Raumluft gelangen kann. Trotzdem sollte der Staub alle 5-10 Jahre entfernt werden. Eine einfache Möglichkeit zur Reinigung ist schon bei der Planung zu berücksichtigen.

Wird die Raumluft durch die Filterung steril?

Keine Angst! Eine Komfortlüftung macht die Luft nicht keimfrei, sondern entfernt einen Großteil gesundheitsschädlicher Stäube von Hausbrand oder Straßenverkehr. Alle anderen gasförmigen Luftbestandteile bleiben erhalten, leider auch störende Gerüche von außen. Studien zeigen, dass die Bewohner mechanisch belüfteter Häuser weniger Atemwegsbeschwerden haben als Bewohner vergleichbarer „natürlich“ belüfteter Häuser.

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Ing. Wolfgang Leitzinger ist Inhaber eines Ingenieurbüros und gilt als national anerkannter Experte im Bereich der Komfortlüftung.

Oft hört man, eine Lüftungsanlage sei zu laut und braucht sehr viel Strom.
Hier macht sich eine kompetente Planung und Ausführung bezahlt. Durch richtige Schalldämpfung und ausreichende Rohrquerschnitte kann man eine Lüftungsanlage so gestalten, dass sie auch nachts unhörbar betrieben werden kann. Eine gute Komfortlüftung benötigt etwa 200 bis 400 kWh pro Jahr. Das ist etwa so viel wie ein energieeffizienter Kühlschrank. Dabei darf man nicht vergessen, dass eine Komfortlüftung zusätzlich Heizenergie einsparen kann.

Warum hört man trotzdem immer wieder negative Dinge über Komfortlüftungen?
Eine aktuelle Studie zum Thema Komfortlüftung zeigt, dass 75 Prozent der Bewohner mit ihrer Lüftungsanlage „sehr zufrieden“ und 20% „zufrieden“ sind. Lediglich bei 5% gibt es Probleme. Die Ursachen dafür liegen oft am mangelnden Know how der Professionisten. Schulungsmaßnahmen beginnen aber langsam zu greifen.

Was würden Sie Personen raten, die sich für eine Komfortlüftung interessieren?

Lassen Sie sich rechtzeitig, am besten schon in der Entwurfsphase von einer unabhängigen Person beraten. Je früher die Planung, desto kostengünstiger die Ausführung und der Betrieb. Auch für den nachträglichen Einbau gibt es Lösungen mit minimalem Aufwand. Geben Sie Planungen mit kurzen Rohrleitungen den Vorzug und bestehen Sie auf eine kostengünstig reinigbare Ausführung.

Infos:
www.komfortlueftung.at
Verband der Hersteller: www.komfortlueftungssysteme.at

Autor: Christian Brandstätter

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