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Lehre hat Zukunft

Green Jobs mit Jobgarantie. Die Arbeitsplätze der Zukunft sind grün – so tönt es aus dem Lebensministerium. Derzeit gibt es etwa 210.000 green jobs, bis zum Jahr 2020 sollen es 300.000 sein. Welche Qualifikationen von Vorteil sind, um einen dieser begehrten Jobs zu erhalten, verrät Dr. DI (FH) Reinhard David, Projektmanager bei green jobs Austria, im Interview

Lebensart: Green jobs, das sind Berufe aus sehr unterschiedlichen Sparten. Wo liegen die besten Chancen?
Dr. Reinhard David: Derzeit passiert am meisten in den Sparten Erneuerbare Energie, Bauen und Sanieren und in der Abfall- und Stoffstromwirtschaft. Hier besteht in den nächsten Jahren das größte Potential.

Welche Qualifikationen sind in den Unternehmen gefragt?
Neben guten Fachkenntnissen sind sogenannte transversale Skills gefragt. Diese umfassen z.B. interdisziplinäres Denken, Team- und Kommunikationsfähigkeit und – wenn der Betrieb im Export tätig ist, das sind laut WIFO immerhin rund 70 Prozent - interkulturelle Kompetenzen und Sprachkenntnisse. Gesucht werden Wirtschafter mit technischem Einschlag oder Techniker mit wirtschaftlichen Kenntnissen. Stark nachgefragt sind HTL Absolventen, gefolgt von FH und Uni und Absolventen einer Lehre.

Über welche Weiterbildungen verfügen die MitarbeiterInnen in green jobs derzeit?
An erster Stelle steht die Vertiefung der fachlichen Kompetenzen. Dazu kommen Weiterbildungen in Soft-Skills. Z. B. sind technische Mitarbeiter mit einem Vertriebsmarketingseminar oder einer Verkaufsschulung vielseitiger einsetzbar. Große Firmen investieren viel in die Bildung ihrer Mitarbeiter. So können z.B. ihre Lehrlinge entweder intern oder über externe Anbieter zusätzliche Kurse absolvieren, wo sie etwas über Umweltmanagement, Ressourcen- und Energieeffizienz lernen und dafür ein Zertifikat erhalten. Für Klein- und Mittlere Unternehmen ist es schwierig, ein paar Wochen auf die Mitarbeiter zu verzichten. Doch Bildungsmaßnahmen müssen auch für KMUs möglich und leistbar werden.
Erhebliche Unterschiede gibt es auch bei Mann und Frau: In die Weiterbildung männlicher Mitarbeiter wird eher investiert. Nur ein Viertel der Frauen nimmt green skills Weiterbildungsmaßnahmen in Anspruch. Mitarbeiter über 45 Jahren werden zwar green skills Fortbildungsmaßnahmen angeboten, doch nicht in dem Ausmaß, wie den jüngeren. Im Sinne von lebenslangem Lernen ist es wichtig, auch sie mehr einzubinden.

Welche Weiterbildungen empfehlen Sie?
Im Prinzip sind es Ausbildungen mit Zertifizierung, die dem Mitarbeiter und dem Unternehmen etwas bringen. Kurse in technischen Bereichen, wie der erneuerbaren Energie (Mess-/Steuer-/Regelungstechnik, Elektrotechnik, Photovoltaik oder Solarthermie) oder im Bereich Bauen und Sanieren sind am sinnvollsten. Die Kurse sind allerdings schwer zu bewerten, weil es viele Anbieter gibt. Mit Ausbildungen, welche über die klima:aktiv-Plattform angeboten werden, ist man gut beraten, weil dort ein gewisser Standard eingehalten wird.

Welche Ausbildung können junge Menschen wählen, um in Zukunft gute Jobchancen zu haben?
Aufgrund der derzeitigen Arbeitsmarktlage würde ich den jungen Leuten empfehlen, dass sie eine Lehre machen, danach – wenn sie wollen - Matura auf HTL-Niveau oder Lehre mit Studienberechtigungsprüfung und eine Fachhochschule oder Universität. Mit einer Lehre hat man eine praktische Ausbildung und alle Türen offen, um weiter zu lernen. Entsprechende Lehrberufe gibt es viele und Lehrstellen ebenso. Wir haben einen akuten Lehrlings- und Fachkräftemangel. Wir müssen den Lehrlingen wieder sagen, dass Lehre eine extrem gute Ausbildung ist und dass wir nicht nur auf Studium setzen sollen. Das wurde über viele Jahre verabsäumt.

Infos:
green jobs Austria befragte Unternehmen und ExpertInnen zum Thema green jobs und green skills: www.greenjobsaustria.at
Grünes Karriereportal: www.green-jobs.at
Aus- und Weiterbildung: www.klimaaktiv.at

Autorin: ANNEMARIE HERZOG

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