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Lebensmittel gut verpackt?

Verpackungen müssen gesundheitlich unbedenklich sein. Niemand will Schadstoffe im Essen haben. Tipps zum sicheren Umgang mit verpackten Lebensmitteln.

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Wechselwirkungen zwischen Lebensmittel und Verpackung

In den Industriestaaten werden heute mehr als 90 Prozent aller Lebensmittel verpackt angeboten. Immer wieder gibt es Berichte darüber, dass Substanzen aus den Packstoffen in die Lebensmittel übergehen (=Migration). Mitunter entstehen dadurch sensorische Fehlaromen, so genannte Off-Flavours. Bestes Beispiel dafür: Ananas. Als die Konservenindustrie in den USA dazu überging, Dosen zu verwenden, die mit einem dünnen Kunstharzfilm überzogen waren, verloren die Ananas ihren bisherigen typischen "Metallgeschmack". Doch die KonsumentInnen machten die Umstellung nicht mit, weil ihnen der typische altbewährte Beigeschmack fehlte. Die Hersteller begannen mit der Zucht von Ananas, die schon in frischem Zustand „metallisch” schmeckten.

Migration wird durch drei Faktoren begünstigt – Licht, Temperatur und Fettgehalt des Lebensmittels. Auch mehrfache (Joghurtbecher) oder missbräuchliche Verwendung (Schraubverschlussglas für fetthaltige Lebensmittel) von Verpackungen im Haushalt erhöhen das Risiko.

Prüfverfahren

Einige Packstoff-Bestandteile stehen in Verdacht, für den Menschen gesundheitsschädlich zu sein. Tatsächlich kann aktuell nicht mit 100%iger Sicherheit behauptet werden, dass von den tausenden Verbindungen, die in der Verpackungsherstellung verwendet werden, sämtliche garantiert toxikologisch unbedenklich sind. Hier besteht sicher noch großer Forschungsbedarf. Bevor neue Packstoffe zur Anwendung kommen, müssen diese vom Verpackungshersteller genauestens geprüft werden.

Fortschritt mit Risiko?

Für den Stoffübergang werde Grenzwerte definiert. „Diese Grenzwerte sollen sicherstellen, dass nur jene Menge einer Substanz ins Lebensmittel einwandert, die gesundheitlich unbedenklich, technologisch aber unvermeidbar ist“, sag Mag. Andreas Schmölzer vom Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs. Wichtig sei allerdings, dass die Verpackungen nur so verwendet werden, wie sie vorgesehen waren.

Glas: Schraubverschluss in der Schusslinie

Die größten Probleme gibt es aktuell für Glasverpackungen mit Migration aus den Schraubverschlusskappen. Damit Gläser und Flaschen luftdicht schließen, enthalten Schraubverschlüsse Dichtmassen. Daraus können bestimmte Weichmacher (z. B. Phthalate) in fetthaltige Lebensmittel übertreten. Bei Phthalaten handelt es sich um hormonell wirksame Substanzen, die im Tierversuch zu einer "Verweiblichung" der Versuchstiere geführt haben. Eine Risikobewertung konnte aufgrund fehlender Expositionsdaten noch nicht vorgenommen werden, den Herstellern wird aber von der Verwendung abgeraten. In Dänemark wurden 2005 zahlreiche phthalatbelastete Lebensmittel vom Markt genommen. Die Hersteller sind bemüht, durch Auswahl entsprechend zugelassener und für den Anwendungszweck geeigneter Packstoffe, die Schadstoff-Migration gering zu halten. Dies gilt insbesondere für Babykost.

Konservendosen: Keine Reste aufbewahren!

Das Schwermetall Zinn kann bei sauren Lebensmitteln aus geöffneten Weißblechdosen ins Füllgut übergehen. Es ist daher empfehlenswert, geöffnete Lebensmitteldosen zügig zu verarbeiten und Reste in ein anderes Behältnis umzufüllen. Die Gefahr, hohe Mengen an Zinn aufzunehmen ist allerdings gering, da die Hersteller ausschließlich Stahlblechdosen mit einer Innenbeschichtung aus Kunststoff verwenden. Diese Beschichtungen enthalten Weichmacher, die in das Füllgut einwandern können. Diese Form der Migration ist allerdings ebenso vernachlässigbar wie bei einem Tetrapack oder einem kunststoffbeschichteten Eispapier. Eine ursprünglich angenommene Gesundheitsgefährdung konnte nicht bestätigt werden, dennoch wurde ein Grenzwert festgelegt.

Kunststoff

Der am häufigsten verwendete Kunststoff PET besitzt gute mechanische Eigenschaften und verhält sich gegenüber Lebensmitteln weitgehend neutral. Allerdings lässt das Gashaltevermögen von PET zu wünschen übrig. Karbonisierte Getränke verlieren daher an Kohlensäure und damit an Geschmack. In Sachen Produktschutz und Sensorik hat die traditionelle Glasflasche immer noch Vorteile gegenüber der Kunststoffflasche.

Tipps: Selbst ist der Konsument
Auch wenn nach heutigem Kenntnisstand alle verwendeten Packstoffe als gesundheitlich unbedenklich eingestuft werden, sollte der Griff in das Lebensmittelregal nicht unreflektiert bleiben.
Tipps vom Verband der Ernährungswissenschafter Österreichs (VEÖ):

  • Lose Ware an der Wurst- und Käsetheke bevorzugen.
  • Speisen so oft wie möglich frisch zubereiten und den Einsatz von verpackten
  • Lebensmitteln gering halten.
  • Verpackungsmaterialien im Haushalt nicht endlos wiederbefüllen.
  • Gläser mit beschichteten Schraubverschlüssen (z. b. Gurkenglas) nicht für die Aufbewahrung fetthaltiger Lebensmittel (z. b. Pesto) verwenden.
  • Migration kann "sensorisch festgestellt" werden – wenn etwas "nach Plastik schmeckt und riecht“ sollte man vom Genuss absehen.
  • Bei Großpackungen ist die Kontaktfläche zwischen Verpackung und Inhalt geringer ist als bei Kleinpackungen.
  • Konserven müssen rasch verbraucht, umgefüllt oder eingefroren werden.
  • Lebensmittel nicht in Zeitungspapier einwickeln, da Druckerschwärze abfärbt.
     

Infos: www.veoe.org

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