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Jetzt dürfen Hahn und Henne leben

Weil nur Hennen Eier legen, werden die männlichen Küken gleich nach dem Schlüpfen eliminiert. Wie mit der neuen „Branchenlösung Bio-Eier“ dieses sinnlose Töten beendet werden soll, erzählt Doris Hofer, Qualitätsmanagerin Landwirtschaft, BIO AUSTRIA, im Interview.

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Stefan Edlinger aus Schlierbach zieht Hähne und Hennen auf. Foto: Sonja Fuchs

Die wildlebenden Urahnen unserer Haushühner legten zwischen sechs und zehn Eier pro Jahr. Schon vor hundert Jahren brachten es die Züchter mit den Leghorn-Hennen auf 260 Eier pro Jahr. Damals wurden die Hähne acht Wochen mit aufgezogen und dann als "Stubenküken" vermarktet und gegessen. Heute geht es um noch mehr Eier – bis zu 320 Stück - und viel Fleisch. Diese Zuchtziele widersprechen einander. Ein "Zweinutzungshuhn" legt so viele Eier wie ihre Verwandten vor hundert Jahren, die Hähne sind relativ schlank, mit geringem Brustansatz und erfüllen nicht das, was man sich unter einem Brathendl vorstellt.

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DI Doris Hofer, Qualitätsmanagerin Landwirtschaft, BIO AUSTRIA, hat die Richtlinien gemeinsam mit der Branche, der Gesellschaft für artgemäße Nutztierhaltung und den Behörden entwickelt. Foto: Zamut

LEBENSART: Was ist die Branchenlösung Bio-Eier?

Doris Hofer: Die Branchenlösung besagt, dass kooperierende Handelsketten nur mehr von Betrieben Bio-Eier kaufen, in denen die Hähne nicht nach dem Schlüpfen getötet wurden. Ab April 2016 beginnt auf den Bio-Höfen die schrittweise Umstellung, nach Ostern 2017 soll sie abgeschlossen sein. Die Regelung betrifft alle Eierproduzenten, die an den Handel Bio-Eier liefern. Es sind daher alle Bio-Brütereien (Schlierbacher und Schropper) in Österreich betroffen. Damit sind wir europaweit die Vorreiter.

Welche Handelsketten machen mit?

REWE International AG – „Ja!Natürlich“, SPAR Österreich Warenhandels AG – „Natur pur“, HOFER KG, LIDL Österreich GmbH – „Ein gutes Stück Heimat“, Pfeiffer Handelsgruppe – „natürlich für uns“.

Wie werden die Bio-Eier der Zukunft aussehen?

Ein Teil der Bio-Eier wird weiterhin braun bleiben und von der herkömmlichen Legerasse Lohmann Braun stammen, so wie sie im Handel derzeit erhältlich sind. Ab März 2016 werden die ersten Eier der Rasse Sandy im Lebensmittelhandel erhältlich sein. Das sind cremefarbene Eier - ein gutes Unterscheidungsmerkmal schon auf den ersten Blick, in der gewohnt üblichen Größe.

Wird der Preis höher sein?

Durch die Aufzucht der Bruderhähne entstehen etwa 2 Cent Mehrkosten / Ei, die vom Handel übernommen werden. Generell ist damit zu rechnen, dass die Eier im Handel etwas teurer werden; wie viel kann man noch nicht sagen, da dies vom Handel entschieden wird.

Was wird aus den Hähnen?

In der Schlierbacher Brüterei in Krift werden im Jahr 2016 voraussichtlich 400.000 Küken von Legehennen schlüpfen - und dieselbe Zahl von Hähnen. Die männlichen Küken werden in fünfundzwanzig Biobetrieben mit Auslauf aufgezogen. Sie wachsen in neun Wochen lang zu Junghähnen heran. Jede Handelskette wird aus dem Fleisch der Hähne Produkte, wie Filetstreifen, Hackfleisch oder Bratwürstl, herstellen. Welche das sind, kann man noch nicht sagen.

Unterscheidet sich das Fleisch der Hähne von herkömmlichem Geflügelfleisch?

Das Fleisch entspricht nicht dem eines typischen Brathuhns, entwickelt aber durch das langsame Wachstum eine sehr hohe Fleischqualität. Und dieses Fleisch lässt sich vielfältig verwenden: Der Junghahn eignet sich gut als Suppenhuhn. Brust, Keulen und Flügel lassen sich als Teilstücke vermarkten. Oder auch als Hackfleisch.

Das Interview führte: Annemarie Herzog

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