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Januskopf Wasserkraft

Kommentar von Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes
heilingbrunner
Gerhard Heilingbrunner: "Österreich braucht keine neuen Wasserkraftwerke! Diese setzen unsere letzten intakten Flusslebensräume aufs Spiel"

Österreich braucht eine gesicherte Stromversorgung, Wasserkraft ist eine erneuerbare Energie und Wasserkraftwerke sind für knapp 60 % der heimischen Stromproduktion verantwortlich. Soweit so gut. Wasserkraft ist zudem ein lukratives Geschäft. Es verwundert also nicht, dass E-Wirtschaft und Politik in den kommenden Jahren Dutzende Wasserkraftwerke bauen wollen, um damit reichlich Profit zu machen. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass dieser unkontrollierte Hype die letzten ökologisch intakten Flusslebensräume in unserem Land aufs Spiel setzt.

Wasserkraftwerke bewirken tief greifende Probleme hinsichtlich der Ökologie der Gewässerlandschaft und des Naturhaushaltes. Ein Aspekt, der in der Positivpropaganda der EVUs ausgeblendet wird. Deshalb fordern wir, dass Schutzgebiete und naturräumlich wertvolle Gebiete für den Neubau tabu sein und ökologische Potenzialstrecken als „no-go-areas“ festgeschrieben werden. Geschieht dies nicht, wird die Natur auf der Strecke bleiben. Außerdem mussten die ökologischen Verluste, die durch den Ausbau entstehen, bis dato nicht abgegolten werden. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert allerdings bis 2010 von Österreich einen Bericht dazu, wie das Verursacherprinzip und entstandene Umwelt- und Ressourcenkosten in der Wassergebührenpolitik Eingang finden. Wir werden sehen, wie die Kraftwerksbaulobby darauf reagieren wird.

Gerade in den letzten Monaten müssen wir überdies miterleben, wie E-Wirtschaft und Industriellenvereinigung Wasserkraft als DIE Lösung für das Klimaproblem verkaufen und unter dem Deckmantel des Klimaschutzes einen veritablen Ausbau-Hype betreiben: Mindestens 60 Projekte mit einer Leistung von je 10 MW oder mehr kommen nach den Plänen auf uns zu. Gerade das Klimaschutz-Argument ist insofern verwerflich, da der Ausbau der Wasserkraft dem Klimaschutz in Wahrheit herzlich wenig bringt, wenn gleichzeitig zur Deckung des Winterengpasses der Wasserkraft im thermohydraulischen Verbund sechs neue große Gaskraftwerke mit einer Leistung von fast 2000 MW gebaut werden, deren CO2-Ausstoß mindestens 8 Mio. Tonnen beträgt. Abgesehen davon sollten wir gerade angesichts des Klimawandels und der Hochwässer, mit denen wir zunehmend konfrontiert sind, unseren Flüssen Überschwemmungsflächen zurückgeben, statt ungebremst freien Raum zu betonieren.

Zu guter Letzt wird von der E-Wirtschaft geflissentlich ausgeblendet, dass in Österreich mehr als 70 % des Wasserkraftpotenzials bereits ausgeschöpft sind und sich viele für die Energiewirtschaft interessante Abschnitte in ökologisch wertvollen Gewässerabschnitten befinden. Verstehen Sie mich nicht falsch: Wasserkraft wird von uns NaturschützerInnen nicht generell abgelehnt. Eine intensivierte Nutzungsstrategie sollte jedoch einer nachvollziehbaren Prioritätenreihung folgen. Energiesparen, Optimierung, Modernisierung und Effizienzsteigerung mit einer gleichzeitigen Ökologisierung bestehender Anlagen müssen Vorrang vor Kraftwerksneubauten bekommen. Wie zahlreiche Beispiele zeigen, sind damit um bis zu 50 Prozent höhere Wirkungsgrade möglich, ohne wertvolle Natur zu zerstören. Deshalb brauchen wir in Österreich aktuell keine neuen Wasserkraftwerke, sondern eine Energiespar- und Optimierungsoffensive, die unser Land zu 100 % Prozent auf Erneuerbare Energien umstellt – ein Ziel, das wir bei einem Stromverbrauch vom Jahr 1987 zur Gänze erfüllt hätten - dadurch Zehntausende neue Arbeitsplätze schafft, unsere Flüsse schützt und sie wieder zu wertvollen Lebensadern werden lässt. Darauf müssen wir jetzt bauen!


 

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