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Im Stich gelassen

Eine Studie von Clean Clothes widerlegt den Mythos von besseren Arbeits­bedingungen in Europas Bekleidungs­industrie. Die Textil­arbeiterInnen in Europa und der Türkei werden mit Hunger­löhnen abgespeist.

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Thinkstock

Die Clean Clothes Kampagne (CCK) belegt in der Studie „Im Stich gelassen“, dass in der Bekleidungsindustrie in Osteuropa und der Türkei die NäherInnen so wie in Asien oder Lateinamerika mit Löhnen abgefertigt werden, die unterhalb der Armutsgrenze liegen. Die Studie basiert auf über 300 Interviews durchgeführt in 10 verschiedenen Post-Sozialistischen Ländern und der Türkei. Diese Produktionsregion hat eine hohe Relevanz für die EU27, denn die Hälfte der Importe für die EU27 stammt von dort.

Länder, wie Bulgarien, Rumänien oder Kroatien haben eine lange Tradition in der Bekleidungsproduktion und verfügen über hochqualifizierte Arbeitskräfte. Firmen wie Hugo Boss, Adidas, Zara, H&M oder Benetton nutzen diesen Vorteil, aber zahlen den NäherInnen so wenig, dass sich viele von ihnen nur mit Zweitjobs oder mit einer kleinen Landwirtschaft über Wasser halten können. Die Studie belegt, dass der offizielle Mindestlohn in Ländern wie Bulgarien, Ukraine oder Mazedonien nur etwa 14% eines existenzsichernden Lohns beträgt.

Es ist ein Mythos, dass hochpreisige Marken wie u.a. Hugo Boss oder „Made in Europe“ würdige Arbeitsbedingungen garantieren. „Es ist mittlerweile weitreichend bekannt, dass Näherinnen und Näher in Asien ausgebeutet werden – leider ist die Situation auch in Europa und der Türkei nicht besser. ‚Made in Europa‘ ist keine Garantie für menschenwürdige Arbeitsbedingungen, die Kluft zwischen den ausgezahlten und existenzsichernden Löhnen ist teilweise noch größer als in asiatischen Produktionsländern” stellt Michaela Königshofer, Koordinatorin der österreichischen Clean Clothes Kampagne fest und fordert: „Bekleidungsunternehmen müssen sich klar zu einem Existenzlohn bekennen und konkrete Schritte setzen, damit wer immer für sie arbeitet, egal auf welchem Teil der Welt, einen Lohn erhält, der ein menschenwürdiges Leben ermöglicht“. Komplexe und undurchsichtige Lieferketten dürfen nicht als Ausrede für den systematischen Verstoß von sozialen Menschenrechten, wie die Bezahlung eines existenzsichernden Lohnes dienen.

Die Kampagne fordert nun gemeinsam mit den ArbeiterInnen und Gewerkschaften der Region als erste dringende Maßnahme von der europäischen Bekleidungsindustrie, dass der Basis Nettolohn auf mindestens 60% des nationalen Durchschnittslohns angehoben wird. Der Einkaufspreis müsse so kalkuliert werden, dass die Zulieferbetriebe diese Löhne auch auszahlen können.

Weitere Informationen: Firmencheck 2014

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