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Gute Laune bei tristem Wetter

Wenn Antriebslosigkeit und Melancholie in der nebeligen Jahreszeit zuschlagen, kann man mit Achtsamkeit aktiv gegensteuern. Auch  Kräuter, wie Baldrian, Hopfen und Johanniskraut, aber auch duftende ätherische Öle wirken wie Balsam auf unsere Seele.

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Pixabay

Leben Sie im Augenblick?
Spüren Sie die Intensität des Moments? Oder fühlen Sie sich gehetzt von Gedanken an die nächste Erledigung oder das vergangene unangenehme Gespräch mit dem Chef? Für viele Menschen geht der Herbst und Winter mit „Saisonal Abhängiger Depression" (SAD), also Antriebslosigkeit, gedrückter Stimmung, Schuldgefühlen bis hin zu Freudlosigkeit einher. Das triste, neblige Wetter gepaart mit hohen Anforderungen und Hektik in Beruf und Alltag lässt viele Menschen in eine Art Winter-Tief fallen, eine melancholische Verstimmung samt dem konstanten Gefühl der Überforderung und Kraftlosigkeit. Ähnlich wie bei der herkömmlichen Depression geht auch der Winter-Blues häufig mit Grübelattacken einher: Statt nachts im tiefen Schlaf Kraft zu tanken, wälzen sich die Betroffenen von endlosen, wirren Gedankenspiralen gequält in den Kissen.

Hier kann „Achtsamkeit“ oder Englisch „Mindfulness“ Abhilfe schaffen. „In der achtsamkeitsbasierten Therapie lernen Betroffene, gleichsam einen Schritt zurück zu tun und ihre Gedanken aus der Distanz zu beobachten“, erklärt der Psychologe Sebastian Sauer, der sich an der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit den Wirkfaktoren von Achtsamkeit und deren gesundheitlichen Effekten beschäftigt. „Sie machen sich bewusst, dass Gedanken nicht Wirklichkeit sind, sondern eben Gedanken, die kommen und gehen. Das mag trivial klingen – die therapeutische Wirkung tritt aber nicht durch das reine intellektuelle Wissen ein, sondern erst durch das eigene Erleben und die persönliche Einsicht.“

Das psychologische Konzept der Achtsamkeit wurde Ende der 1970er Jahre von Jon Kabat-Zinn in den USA entwickelt und gilt seither als sehr effektiv in der Behandlung von Depression und anderen stressbedingten Erkrankungen. Die Grundphilosophie der Achtsamkeit ist so einfach, dass sie schon beinahe banal klingt: Sie meint das Leben im Hier und Jetzt, das Verharren im Augenblick. Körperempfindungen wie auch Gefühle werden dabei bewusst wahrgenommen, jedoch nicht bewertet.

Ein einfaches Wahrnehmungstraining für den Augenblick können Sie gleich jetzt absolvieren: Nehmen Sie sich zwei bis drei Minuten Zeit bevor Sie weiterlesen und atmen Sie bewusst ein und aus, beobachten Sie sich dabei. Mit dem urteilsfreien Konzentrieren auf den Moment geht bei den meisten nicht nur ein intensiveres Erleben, sondern auch die Einsicht einher, dass man sein Leben aktiv steuern kann. Gerade für Menschen, die sich klein und kraftlos in einem Stimmungsloch gefangen meinen, ist das Entdecken dieser Freiheit ein wichtiger erster Schritt.

Kräuter für die Seele
Wer Verantwortung für sein Wohlbefinden übernimmt, wird über kurz oder lang entdecken, dass viele Möglichkeiten zur Selbsthilfe bei psychischen Flauten sich quasi in der Natur vor der eigenen Haustür auftun: Kräuter für die Seele haben den großen Vorteil, dass beim Einsatz von Baldrian, Hopfen, Johanniskraut, Melisse und Lavendel kaum unerwünschte Neben- oder Gewöhnungseffekte auftreten.
Als Stimmungsaufheller bewährt hat sich beispielsweise das Johanniskraut: Es sorgt dafür, dass die Aktivitäten des „Glückshormons“ Serotonin besser gesteuert werden können. Nicht nur bei jahreszeitlich bedingten Stimmungstiefs, sondern auch bei Angstzuständen und nervöser Unruhe ist deshalb eine Kur mit Johanniskraut-Tee (drei Tassen täglich über mehrere Wochen) anzuraten. Zu beachten ist dabei lediglich, dass das Hartheugewächs die Lichtempfindlichkeit steigert, also Vorsicht bei Solariumbesuchen und Höhensonne.
Eine besonders intensive entspannende wie auch beruhigende Wirkung geht vom Kräutertrio Hopfen, Baldrian und Melisse aus. Menschen mit Hang zu Nervosität sollten Melisse unbedingt in ihrem Garten kultivieren. Der Tee hilft auch bei Schlaflosigkeit, der alkoholische Auszug, der Melissengeist, ist bei Müdigkeit und Abgespanntheit angebracht.

Düfte gegen Stress
Schon der Duft von Lavendelblüten im Garten reicht aus, um für Entspannung und Wohlbefinden zu sorgen. Das liegt an den intensiven ätherischen Ölen, die der Lippenblütler enthält. Bei andauernder geistiger Erschöpfung empfiehlt es sich zudem, regelmäßig etwas Lavendelöl auf einen Duftstein oder eine Duftlampe zu tropfen und den Duft über zwei bis drei Stunden einzuatmen.
Öle von Nadelhölzern wie Kiefer, Zeder und Zypresse werden zur Beruhigung und Entspannend eingesetzt. Zitrusöle von der Zitrone, Orange, Grapefruit und Mandarine wirken dagegen stimmungsverbessernd, stresslösend und nehmen Angstzustände.
Abgesehen von der Aufnahme über Duftlampe und -stein können ätherische Öle auch für Einreibungen, Massagen, Bäder, Wickel, Kompressen und Umschläge eingesetzt werden. Bei der Aufnahme über die Haut kann das ätherische Öl innerhalb von zehn bis 20 Minuten im Blut nachgewiesen werden. Deshalb sollte man auch nur zu Aromen greifen, die man gerne riecht – und das Dufterlebnis in vollen Zügen genießen, denn im Genuss des Hier und Jetzt liegt einer der Auswege aus dem Stimmungstief.

Aus "Lebe jetzt und das Wintertief hat keine Chance", LEBENSART 07/2009, Autorin: Maria Zamut
 

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