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"Grüne Ölheizung“ als Mogelpackung und Irrweg

UmweltschützerInnen warnen vor „Heizen mit Palmöl“ und der Zerstörung von artenreichen Regenwäldern

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Scanrail/Istockphoto.com

Seit Wochen läuft eine PR-Kampagne der Initiative „Heizen mit Öl“ mit dem Slogan „Eine grüne Ölheizung hat Zukunft“. Hinter der Initiative stecken zwei Fachverbände der Wirtschaftskammer und zahlungskräftige Ölhändler wie die OMV.  GLOBAL 2000 hat die „grüne Ölheizung“ nun einer Analyse unterzogen: „Wir warnen alle Haushalte eindringlich vor diesem Angebot und rufen dazu auf, stattdessen auf bewährte klimafreundliche Heizsysteme zu setzen. Es ist letztklassig, wie schamlos die Ölindustrie hier auf Kundenfang geht, denn die grüne Ölheizung ist eine Mogelpackung und ein Irrweg. Es läuft auf „Heizen mit Palmöl“ hinaus, mit katastrophalen Konsequenzen für artenreiche Regenwälder. Wir appellieren auch an die zuständigen PolitikerInnen, sich klar von diesen zerstörerischen Plänen zu distanzieren“, betont Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

Neben der Inseraten-Kampagne wurde bereits im Jänner eine Studie im Auftrag des Fachverbands Energiehandel veröffentlicht, in der ausgelotet wird, inwiefern HVO-Brennstoffe (Hydrotreated Vegetable Oil) auch in Ölheizungen eingesetzt werden können. Bei der Pressekonferenz wurden aber nur zwei Seiten der Studie in Form einer Zusammenfassung veröffentlicht. Die gesamte Studie wurde auch auf Nachfrage nicht herausgegeben. GLOBAL 2000 hat nun öffentlich verfügbare Informationen über die angedachten Optionen zusammengetragen und kommt zu dem Ergebnis, dass die „grüne Ölheizung“ eine echte Bedrohung für Natur und Umwelt darstellt.

Die wichtigsten Fakten:

  • Angedacht wird, Heizöl durch „Hydrotreated Vegetable Oil“ - HVO zu ersetzen. HVO wird bereits jetzt nach Österreich importiert und besteht zu 85 Prozent aus Palmöl. Dieses Palmöl kommt aus Indonesien, wo für die Palmölproduktion artenreiche Regenwälder zerstört werden.
     
  • Für eine HVO-Produktion in großem Stil im Inland fehlen die Voraussetzungen. 935.000 Tonnen HVO sind notwendig, um Heizöl zu ersetzen. Um diese Mengen im Inland zu produzieren, würde es 50 bis 80 Prozent der österreichischen Ackerfläche benötigen. Selbst unter optimistischen Annahmen müsste dann die gesamte Ackerfläche Niederösterreichs oder jedes Getreidefeld in Österreich in ein Rapsfeld umgewandelt und für die Heizölproduktion reserviert werden.
     
  • Auch sogenanntes „synthetisches Öl“ wird auf dem Zweiseiter als Alternative zu Heizöl genannt. Die Herstellung dieser Art von „künstlichem Öl“ ist aber noch im Entwicklungsstadium, energieintensiv und technisch aufwendig. Auch hier fehlt das Potenzial, die großen Mengen an Heizöl durch eine Produktion in Österreich zu ersetzen. Dazu kommen noch die hohen Kosten. Gegenüber dem heutigen Heizölpreis ist mit dem vier- bis fünffachen Preis zu rechnen. Für einen Haushalt, der 2.000 Liter Heizöl verbraucht, würde das Mehrkosten von 3.000 bis 5.000 Euro pro Jahr bedeuten.


„Die präsentierten Wege zu einer „grünen Ölheizung“ führen allesamt in die Sackgasse. Was bleibt ist der Import der HVO-Brennstoffe und das läuft letztendlich auf „Heizen mit Palmöl“ hinaus. Die „grüne Ölheizung“ ist somit eine echte Bedrohung für artenreiche Regenwälder“, resümiert Wahlmüller. Es muss aber nicht soweit kommen, denn es gibt genügend klimafreundliche Alternativen zur Ölheizung. Kombiniert mit einer thermischen Sanierung kann der Energieverbrauch gesenkt und eine Wärmeversorgung frei von fossiler Energie in Österreich aufgebaut werden. Das hilft die Emissionen zu reduzieren,  stärkt die regionale Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze.

GLOBAL 2000-Analyse

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