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Gesundheit beginnt im Darm

30 Tonnen Lebensmittel und mehr als 50.000 Liter Flüssigkeit muss der Darm im Laufe eines Lebens verarbeiten. Der Verdauungstrakt gleicht dabei einer „Küche“, in der die einzelnen Ingredienzien in kleinste Bestandteile zerlegt werden.

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Foto: Thinkstock Hemera Technologies / Thinkstock

Vorweg, ganz ehrlich: Unsere Aufmerksamkeit gilt wohl eher der Nahrungsaufnahme, denn der Nahrungsausscheidung. Solange nichts zwickt und alles reibungslos läuft sind körperliche Verdauungsvorgänge eher nebensächlich. Dabei ist der Darm ein sehr „multitaskingfähiger“ Zeitgenosse. Neben dem Transport von Nahrung und der Resorption von Nährstoffen, erfüllt er noch eine weitere, wesentliche Funktion: Der Darm ist gleichzeitig das größte Immunorgan des Körpers. Immerhin werden im darmspezifischen Immunsystem über 70 Prozent aller Immunzellen gebildet. Diese Killerzellen sind im Aufspüren von körperfremden Substanzen geübt. Mit einer Leichtigkeit machen sie Bakterien, Allergene und Parasiten unschädlich - vorausgesetzt, sie finden die dafür notwendigen Bedingungen vor.

Geht´s dem Darm gut, geht´s dem Körper gut...
Es heißt: In der Mitte liegt die Kraft. Und das kommt nicht von ungefähr. Denn kaum ein anderes Organ beeinflusst unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden so unmittelbar wie der Darm. Haben Sie gewusst, dass eine geregelte Verdauung unter anderem wichtig für die Hirnleistung ist? So paradox es klingen mag: Wenn der Darm nicht richtig funktioniert, leidet Ihre Konzentrationsfähigkeit. Auch Müdigkeit, verstärkte Infektanfälligkeit und die Neigung zu unreiner Haut können unter Umständen Anzeichen eines erschöpften Darmes sein. Dazu sollten Sie wissen: Eine gesunde Darmflora besteht aus etwa 2,5 kg nützlicher Darmbakterien in 400 verschiedenen Variationen. Einige wenige Bakterienstämme sind in Magen und Dünndarm beheimatet. Die höchste Bakteriendichte herrscht im Dickdarm. Sind diese kleinen „Helferlein“ nicht in ausreichender Menge vorhanden, gewinnen die pathogenen, krankmachenden Keime die Überhand. Folglich kann die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten.

Wodurch lässt sich der Darm eigentlich vergrämen? Vor allem ein Übermaß an Fett, Zucker, Stärke und Genussgifte wirken sich negativ auf den “Gemütszustand“ des Verdauungsorgans aus. Und ein „verstimmter“ Darm scheint keine Seltenheit zu sein. Aktuellen Angaben des Journals für Ernährungsmedizin zufolge stellen Blähungen, Verstopfung, Reizdarm usw. für rund 25% der erwachsenen Bevölkerung ein so gravierendes Problem dar, dass die Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist. „Die Liste dieser Erkrankungen reicht von einfachen Verdauungsproblemen, über die sogenannte Divertikulose bis zu Entzündungen und dem Dickdarmkrebs, bei dessen Entstehung ein Einfluss von Lebensstilmaßnahmen nachgewiesen werden konnte“, so Prim. Univ.-Doz. Dr. Johann Pidlich, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie-Hepatologie am Landesklinikum Baden.

Kopfhirn trifft Bauchhirn
Gibt es Situationen, in denen Sie sich vollkommen auf Ihr Bauchgefühl verlassen? Vertrauen Sie weiterhin darauf! Immerhin befinden sich im gesamten Bauchraum mehr Neuronen als im Rückenmark. Das „Bauchhirn“ ist mit als 100 Millionen Nervenzellen ähnlich „denkfähig“ wie sein „Blutsverwandter“, das Kopfhirn. Die beiden stehen über den Vagusnerv in reger Kommunikationsverbindung zueinander. Beachtliche 90 Prozent der gesamten Informationen wandern in Form von Nervenimpulsen und Hormonen vom Bauch zum Gehirn. Nur 10% der Nervenimpulse gehen vom Hirn in Richtung Darm. „Es kommt also viel mehr Info "rauf" in die Zentrale als runter“, erklärt Prim.Dr. Marcus Franz, ärztlicher Direktor des Hartmannspitals, warum das Bauchgefühl so einen enormen Einfluss hat.

Ein Sprichwort besagt: „Der Ärger schlägt sich auf den Magen.“ Das Prinzip dahinter: Entspannung bewirkt eine Aktivierung des Darmes. Signalisiert das Gehirn: „Achtung, Stress!“, bedeutet das für die Verdauungsorgane: „Arbeitsmodus sofort verlangsamen“. Die unmittelbaren Konsequenzen können Bauchschmerzen, Blähungen und Verstopfung sein. Andererseits kann zu viel Stress aber auch zu einer Überreaktion des Darmes führen. Die Folge: Durchfall. „Unsere Gemütslage wird vom Darm viel stärker beeinflusst, als wir uns das bisher träumen liessen“, bringt es Peter Holzer, Professor für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität in Graz auf den Punkt.

So halten Sie Ihren Darm auf Trab:

  • Kleinere Funktionsstörungen sanft lindern:
    Die ätherischen Öle von Fenchel- und Kümmelsamen wirken entblähend, entkrampfend und verdauungsfördernd. Ähnliche Wirkungen versprechen Kamillenblüten und Pfefferminze. Das aromatische Minzegewächs beseitigt zudem Übelkeit und Brechreiz. Getrocknete Heidelbeeren haben einen hohen Gerbstoffgehalt, die sich bei akuten Durchfallerkrankungen bewähren. Auch Bitterstoffe spielen in der Behandlung von Verdauungsstörungen eine große Rolle. Bekannteste Vertreter sind die Artischocke, Schafgarbe und Wermut.
     
  • A-typische Symtome abklären lassen: Hartnäckige, schmerzhafte Beschwerden oder neu aufgetretene bzw. nicht erklärbare Symptome erfordern immer eine ärztliche Abklärung. Bedenken Sie: Eigentherapeutische Maßnahmen ohne ärztliche Untersuchung bergen die Gefahr, dass Krankheiten zu spät entdeckt werden.
     
  • Abführmittel nur im Notfall verwenden: Die ständige Medikation mit Laxanzien birgt die Gefahr des Gewöhnungseffekts. Beugen Sie Verstopfung mit ballaststoffreicher Ernährung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr vor. Doch Vorsicht: „Werden eine Zeitlang keine oder nur sehr wenige Ballaststoffe aufgenommen, wird eine plötzlich gesteigerte Zufuhr wahrscheinlich Beschwerden verursachen“, so Univ.-Prof. Dr. Heinz Hammer von der Klinischen Abteilung für Gatroentrologie und Hepatologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin in Graz.
     
  • Vorsorgeuntersuchungen nutzen: Darmkrebs wird häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, in dem eine heilende Operation nicht mehr möglich ist. Eine Früherkennung kann Leben retten. Lassen Sie Ihren Stuhl daher jährlich auf versteckte Blutspuren untersuchen und scheuen Sie sich ab dem 45. Lebensjahr nicht davor, eine Darmspiegelung in Anspruch zu nehmen. „Gingen alle Menschen ab 45 zur Vorsorge, gäbe es praktisch keinen Darmkrebs mehr“, so Prim. Dr. Marcus Franz.
     
  • Achten Sie auf die richtige Ernährung: „Gut ernährt ist halb gewonnen“ – der Darm mag es gesund!

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Autorin: SYLVIA NEUBAUER

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