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Energie vor der Haustür

Die Förderaktion „Klima- und Energiemodellregionen“ des Klima- und Energiefonds hat Dynamik in die Energiezukunft der Regionen gebracht. 83 Modellregionen mit 873 Gemeinden und über 2 Millionen EinwohnerInnen haben sich auf den Weg in Richtung Energieautarkie gemacht. Am 10. Oktober trafen sich 300 VertreterInnen aus den Regionen mit internationalen ExpertInnen zum Erfahrungsaustausch.

„Es geht um einen kontrollierten Ausstieg aus Öl und Gas, um den Umstieg auf erneuerbare Energien und das Vertrauen auf den Reichtum regionaler Ressourcen. Ein hoher Versorgungsgrad macht unabhängig von Importen und von den Preissprüngen fossiler Energieträger. Zudem wird die regionale Wirtschaft angekurbelt“, fasst Ingmar Höbarth, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds zusammen. Mit 17 Mio Euro hat der Fonds in den letzten drei Jahren die Modellregionen unterstützt.

Am 10. Oktober trafen sich über 300 Proponenten aus den Regionen mit internationalen Experten zum Erfahrungsaustausch. Höbarth: „Für die Energiewende sind drei Faktoren ausschlaggebend. Erstens ein klarer Plan mit klaren Zielen, zweitens ein Regionsmanager als Zugpferd und zentrale Ansprechperson und drittens die Einbeziehung der Bevölkerung, der regionalen Politik und der Wirtschaft. Veränderung muss direkt erlebt werden. Die Energiewende ist zum Stammtischthema geworden. Dort ist die Basis für eine Bewusstseinsänderung.“

Als besonders gelungene Beispiele nennt Höbarth Lech am Arlberg, wo der Regionsmanager alle Wirte abgeklappert und überzeugt hat, ihre Hotels mit LED-Lampen auszustatten und die Region Freistadt, wo durch Bürgerbeteiligung 7.800 Photovoltaik Module auf 100 Dächer montiert werden, die den Strom für 600 Haushalte liefern sollen.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO hat in einer aktuellen Studie konkrete Konzepte mehrerer Modellregionen auf ganz Österreich hochgerechnet. Bei einem jährlichen Investitionsvolumen von 2,3 Mrd. würden rund 82.000 Arbeitsplätze geschaffen, das BIP würde um 2,3% zusätzlich steigen. Werte, von denen die Wirtschaftsexperten zurzeit nicht einmal zu träumen wagen.

Preben Maegaard, Direktor des Nordic Folkecenter for Renewable Energy in Dänemark, berichtete wie es gelungen ist, den Strombedarf der dänische Insel Thy zu 100% durch Wind- und Sonnenenergie zu decken: „Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der dezentralen Energieerzeugung. Windräder sind für uns ein Teil der Infrastruktur, so wie Straßen und Schulen. Damit sind die Bürger in die Energieerzeugung involviert, was für die Akzeptanz der Windenergie wichtig ist.“

Besonders ausgeklügelt ist das Heizsystem in der Stadt Thisted. Maegaard „Wenn die Windräder Überschüsse produzieren, erzeugen wir über Elekrto-Boiler heißes Wasser und versorgen damit die Bevölkerung mit Wärme. Ist zu wenig Strom da können wir in wenigen Minuten ein Biomasse-Heizkraftwerk anwerfen, das die Wärmeversorgung übernimmt. Wind- und Solarenergie sehen wir als unsere primären Energieressourcen. Biomasse kommt dann zum Einsatz, wenn diese nicht ausreichen.“

Jene Länder in Europa, die schon frühzeitig auf eine Energiewende gesetzt haben, gehen wesentlich besser durch die Krise. „Die Deffizite der Staaten Europas und auch der USA hängen direkt mit der Menge an fossiler Energie zusammen, die importiert werden muss.“

Gastredner Jørgen Randers zeichnete in seinem kürzlich erschienen Bericht „2052“ an den Club of Rome ein drastisches Zukunftsszenario. „Das angepeilte Ziel von 80% CO2 Reduktion bis 2050 werden wir bei weitem nicht erreichen. In 40 Jahren werden wir unseren Energiebedarf immer noch zu 60% aus fossilen und nur zu 40% aus erneuerbaren Quellen beziehen. Und weil die Bevölkerung steigt, werden wir gleich viel CO2 emittieren wie heute.“ Randers erwartet eine „Klima-Krise“ in wenigen Jahrzehnten, die u.a. nur durch den weltweiten Ausbau Erneuerbarer Energien und die deutliche Reduktion des Energieverbrauches gemildert werden könne. „Wir wissen, dass Probleme auf uns zukommen. Weil es aber teuer ist, etwas dagegen zu tun, warten wir lieber, bis sie da sind. Dann geben wir ein Vielfaches des Geldes aus, wie beim Hurrican Katharina in New Orleans.“

Autor: Christian Brandstätter

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