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Ein guter Grund

Michaela R. Reisinger

Eine Blume mit lila Blüte wächst aus einem Riss im Asphalt.
Foto: Adobe-KI generiert/Promt: E. Wiebach

Liebe Leser*innen,

letzten Sommer stahlen sich gerade die ersten Sonnenstrahlen durchs Fenster, da zerriss ein lautes „Ra-tat-tat-ta“ die morgendliche Stille. Unaufhörlich und voller Enthusiasmus versetzte ein Abbruchhammer das ganze Haus in Schwingung.

Michaela Reisinger ist Mitte 30, dunkelbraune Haare lockig auf einer Seite kinnlang, auf der anderen kurz, blaue Augen, trägt beige Kleidung, lacht in die Kamera.
Foto: AIT Austrian Institute of Technology

„Endlich“, dachte ich mir. Denn auch wenn das Geräusch, der Staub und die Uhrzeit nicht meine liebsten Begleitumstände waren, bedeuteten sie eines: Der Umbau der Straße – meiner Straße, wo man im Sommer Spiegeleier braten und keine glückliche Menschenseele treffen würde – hatte begonnen. Zwei Monate beäugte ich täglich, wie Asphalt entfernt und die Straße neu verteilt wurde. Beete sprossen, wo es vorher grau war, ein Wasserspender und ein paar Sitzgelegenheiten wuchsen aus dem Boden, die ersten Pflanzen zogen ein.

Es ist nur ein kleiner Flecken Erde, aber ein großes Stück Lebensqualität. Deshalb erzählt diese LEBENSART vom Boden – einem faszinierenden Lebensraum und einer wertvollen Ressource – von den Nutzungskonflikten, die sich um ihn drehen, und von Menschen, die ihm wieder zu mehr Leben verhelfen. Die Pflanzen vor meiner Haustür winken mittlerweile in herbstlichen Farben. Ich stelle mir vor, wie ihre Wurzeln wachsen und sich im Boden mein Lieblingsbakterium, Mycobacterium vaccae, wieder ansiedelt. Es ist Teil des Bodenmikrobioms und ein Grund, warum Gärtner*innen so glücklich sind – es regt die Ausschüttung von Glückshormonen an und verringert Stress. Deshalb sollten wir wohl alle ein bisschen mehr mit dem Boden in Kontakt kommen – und wer weiß, vielleicht sprießt dann bald noch mehr Grün in der Nachbarschaft.

Lass dich inspirieren!

Herzlichst,

Michaela R. Reisinger

Chefredakteurin

redaktion@lebensart.at