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ausREICHend

Editorial von Michaela R. Reisinger

Zwei Bilder: links eine Frau, die sich vor Verzweiflung das blonde lange Haar rauft, rechts ein Kleinkind, das den Arm in die Höhe streckt um eine Frucht vom Strauch zu pflücken.
Fotos: Ayo Ogunseinde; Joshua Earle

Liebe Leser*innen!

Mir reicht‘s! Nach diesem Ausruf würdest du wohl eine Erklärung erwarten, in der mein Ärger überkocht, sich meine Frustration Luft verschafft. Mit Blick auf das Weltgeschehen gäbe es dafür auch durchaus ein paar passende Anlässe. In dem Satz steckt aber auch ein bemerkenswertes Wort: „reich“. Wortwörtlich könnte ich damit auch ausdrücken: Es ist genug da. Ich habe, was ich brauche. Ich bin satt – an Dingen, Eindrücken, vielleicht sogar an Möglichkeiten. Zwischen diesen Lesarten spannt sich ein interessantes Feld auf: zwischen Zuviel und Zuwenig, zwischen dem Genügend in der Schule und dem Fass, das überläuft, zwischen dem Geld im Börserl und den steigenden Preisen, zwischen hereinprasselnden Nachrichten und einer Zukunft, die wenig Halt verspricht.

Michaela Reisinger ist Mitte 30, dunkelbraune Haare lockig auf einer Seite kinnlang, auf der anderen kurz, blaue Augen, trägt beige Kleidung, lacht in die Kamera.
Foto: AIT Austrian Institute of Technology

In diesem Spannungsfeld befinden sich viele Menschen – und das erzeugt eine eigene Stimmung. Dass man ganz genau darauf achten muss, nicht zu kurz zu kommen. Dass in Zukunft nicht genug da sein könnte. Dass wir damit allein sind. Auf das Morgen vertrauen zu können, ist ein ziemlicher Luxus, den nicht alle haben.

„Genug“ ist aber nicht nur eine gesellschaftliche oder familiäre Frage, sondern ebenso eine praktische: Wie kann gesundes Essen leistbar bleiben? Wie wird das Zuhause sauber, ohne das Chemie oder Aufwand überhandnehmen? Wie können wir unseren Alltag gestalten, dass er sich daran ausrichtet, was uns wichtig ist? Und schließlich führt uns das Frühjahr auch nach draußen: in einen Garten, der Raum für alle schafft – denn vielleicht liegt gerade darin eine besonders schöne Form von „Es reicht“.

HERZLICHST,
MICHAELA R. REISINGER

redaktion@lebensart.at

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