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Die Zukunft der Landwirtschaft

Obwohl die Land- und Forstwirtschaft am Bruttosozialprodukt gerade einmal 2% in Österreich beträgt, sorgt sie laufend für Schlagzeilen. Diese bringen die Bauern oft in Misskredit. Zeit also zu fragen: Wohin bewegt sich die Landwirtschaft von morgen?

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Bio Austria / Stefanie Golser

Fröhliche, ehrliche Menschen in aufgekrempelten Hemdsärmeln, die ihre Kühe beim Namen kennen und ihre glücklichen Hühner per Hand füttern. Diese oder ähnliche Bilder von Bauern in unseren Köpfen scheinen unverwüstlich. Umso herber die Enttäuschung, wenn Medienberichte dieses Bauernimage konterkarieren, indem sie uns hochmoderne, spezialisierte Agrobetriebe fern jeder Romantik vorführen.

Die Bauern wiederum verstehen die Welt nicht mehr. Jetzt, wo sich die Mehrheit von ihnen dem Traum der Modernisierung angeschlossen hat. Jetzt, wo sie endlich dem Mechanisierungs- und Ökonomisierungsdruck durch Universitäten, Agrokonzerne, Landwirtschaftsschulen und Beratung nachgegeben haben, ernten sie im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen und Berufsgruppen kaum Sympathie für Innovation und Fortschritt. Statt dessen geraten die Ernährer der westlichen Industrie-Gesellschaft durch BSE, zu hohe Nitratwerte und den Einsatz von Pestiziden von einer Krise in die nächste.

Vom Überfluss in die Sackgasse

Der Traum der gegenwärtigen Landwirtschaft ist ein Leitbild der Ökonomen, anstatt das Ergebnis einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung, die den Vorstellungen von Ökonomie, bäuerlichen Lebensentwürfen und den Erwartungen der Konsumenten gerecht wird. Für kurze Zeit schien das Modell von Wachstum, Spezialisierung, Mechanisierung und ständiger Steigerung der Produktivität einer westlichen Nachkriegsgesellschaft gerecht zu werden.

Heute entspricht das agrarpolitische Leitbild der 60er Jahre, mit der ausschließlichen Aufgabe, so viele Nahrungsmittel wie möglich zu produzieren, nicht mehr den Bedürfnissen der Gesellschaft. Klimaveränderungen und ein steigendes Bewusstsein für Schadstoffe in Lebensmitteln, für den Wert unserer Lebensgrundlagen, erfordern Produktionsmethoden mit Verantwortung. Die multifunktionale Biolandwirtschaft konnte beweisen, dass es machbar ist, neben hochwertigen Lebensmitteln auch lebenswerte Lebensräume zu produzieren. Biobauern sorgen durch den Schutz von Wasser, Klima, Boden, Arten und Tieren für eine nachhaltige Gestaltung des ländlichen Raumes.

Beste Lebensmittel produzieren

Durch das stetige Steigen der Bevölkerung und wachsendem Wohlstand in vielen Teilen der Welt steigt der Bedarf an Lebensmitteln. Da treten Saatgutkonzerne mit hochgezüchteten Hybridsorten und Gentechnikbefürworter auf den Plan und versprechen höhere Erträge. Nur so könne die Ernährung für möglichst viele Menschen auf dieser Erde gesichert werden.

Gelockt von den hohen Ertragsversprechen, setzten in den letzten Jahrzehnten viele Bauern rund um die Welt auf neue Hybrid- und gentechnisch veränderte Sorten. Diese allerdings erfordern bestimmte Düngemitteln und Pestizide, welche von den Konzernen gleich mitverkauft werden. Abhängig gemacht von der Agrarindustrie erkennen die Bauern langsam, dass die Wundersorten auf Dauer ihre Versprechen nicht halten können. Das Wissen, wie es auch anders gehen könnte, ist auf der Strecke geblieben. Ob Fruchtfolge, Gründüngung oder Nützlingsförderung - unzählige regional angepasste Konzepte und Weisheiten aus Erfahrung versinken im Fluss der Zeit.

...irgendwann werden wir erkennen, dass man Asphalt nicht essen kann

Kommentar von Annemarie Herzog

Es ist die Landwirtschaft, die all unsere Lebensmittel hervorbringt. Fast alles, was wir essen, muss erst mal wo wachsen, braucht Boden und Pflege. Aber wie sorglos gehen wir mit dem Ackerboden um? Dem Wunsch nach mehr Lebensmittel stehen immer weniger nutzbare Flächen gegenüber. In unserem Land verschwinden täglich 18 ha landwirtschaftliche Flächen - das entspricht der Größe eines Bauernhofes - verwandeln sich in geometrisch begrenzte Siedlungen oder werden zuasphaltiert.

Selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen, ist mir die urige Kraft der Erde ans Herz gewachsen. Hier bin ich als Kind durch die Wälder gestreift, habe bei der Ernte geholfen und die Erdäpfel vom Acker aufgesammelt. Und diese Idylle meiner Kindheit soll jetzt einer Schnellstraße Platz machen. Über den ehemaligen Erdäpfelacker sollen in vier Spuren Autos brausen.

Stolz verkünden Politiker das Projekt, betonen, welche Erleichterung die S 34 für diese Region bringen werde. Verlieren die Bauern Felder? - kein Problem! Da gibt's doch am ehemaligen Truppenübungsplatz Grundstücke, die als Ersatz dienen können. Auf den Böden - über Jahrzehnte von schweren Panzern verdichtet - wird doch wohl Getreide wachsen.

Natürlich ist die S 34 nicht dafür verantwortlich, dass die Lebensmittel weltweit knapp werden. Sie ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie leicht übersehen wird, dass Bauern und ausreichend landwirtschaftliche Flächen die Grundlage für ausreichend Nahrung bilden.

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