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Dein Hunger ist mein Profit

Internationale Finanzspekulanten sind laut zahlreicher Medienberichten schuld daran, dass die Preise für Getreide, Öl und Reis explodieren. So weit, so erschreckend. Doch stimmt es wirklich, dass einige Tausend Satansbraten in Armanianzügen schuld am Hunger von 850 Millionen Menschen sind?
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Das Ziel von Fonds ist nicht, ethisch vertretbar zu agieren, sondern das Geld zu vermehren - teilweise auch zulasten von Hungernden.

850 Millionen Menschen müssen jeden Tag hungrig schlafen gehen. Das ist mehr als die Bevölkerung der 27 EU-Länder und den USA zusammen. Unglaublich, diese Zahl zu hören und nur im Ansatz erahnen zu können was Hunger bedeutet. Unglaublich zu wissen, dass in Folge dieser Katastrophe in Haiti der Verzehr von Lehmgebäck üblich wird. Doch die Rechnung, dass Finanzspekulanten ausschließlich an der Hungerkatastrophe schuld sind, ist zu kurz gegriffen. Zu den weiteren Faktoren zählen der Klimawandel, das Bevölkerungswachstum, veränderte Essgewohnheiten, Krieg und Agrarspritproduktion. Alle Faktoren vergrößern die Nachfrage bzw. verringern das Angebot an agrarischen Rohstoffen. Nach dem klassischen Marktmechanismus führt dies zu einer Erhöhung des Preises. Als konkretes Beispiel zeigt sich der Weltmarktpreis von Sojabohnen, der sich innerhalb der letzten zwei Jahre mehr als verdoppelte. Hedgefonds sind also nicht alleine daran schuld, dass eine neue Hungerkatastrophe existiert. Allerdings verschärfen sie die humanitäre Tragödie.

Spekulanten profitieren

Durch hoch-spekulative Finanzgeschäfte versuchen Fondsbetreiber von den Preisschwankungen und der derzeitigen Angebotsverknappung zu profitieren. Hedgefonds wetten normalerweise auf den Kursverlauf von Aktien, Währungen und Zinsen. Neu ist, dass Hedgefonds den Markt der agrarischen Rohstoffe für sich entdeckten. So wird seit einigen Monaten im Milliarden-Dollar-Umfang darauf gewettet, dass der Kurs von Sojabohnen noch weiter steigt. Das beeinflusst die Nachfrage und die Erwartungshaltung an der Börse und unterstützt den steigenden Kursverlauf.

Angesichts solcher Tatsachen ist man stark verleitet den moralische Zeigefinger zu heben. Nicht einzelne Spekulanten, Hedgefonds-Betreiber oder Bankmitarbeiter sind jedoch an den Pranger zu stellen, sondern das Finanzsystem. Selbst das deutsche Manager Magazin - nicht gerade als Sprachrohr der Globalisierungs-Kritiker bekannt - warnte schon 2006 vor der unkontrollierten Macht von Hedgefonds. Doch noch immer zeichnen sich Hedgefonds besonders durch ein hohes Maß an fehlender Transparenz und unkontrollierten Agierens aus.

Lesen Sie mehr in der lebensART Juli 2008

Probelesen oder Abobestellung

 

afrikakind
Spekulanten und Kleinanleger profitieren, nach der Devise: Dein Hunger ist mein Profit Brandstätter
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CO2 speichern

Die von den Energiekonzernen ins Spiel gebrachte Abscheidung und Speicherung von CO2 aus Kohlekraftwerken stellt keine sinnvolle Lösung zum Schutz des Klimas dar. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Greenpeace-Report Falsche Hoffnung. Die CCS-Technologie, bei der CO2 bei der Verbrennung abgetrennt und via Pipeline oder in Tankwagen zu Lagerstätten verbracht und gespeichert wird, vergeude erhebliche Mengen an Energie und Rohstoffen und werde die Strompreise massiv steigen lassen. Zudem stecke die Technologie noch in der Entwicklungsphase und werde vermutlich nicht vor 2030 in großem Maßstab kommerziell einsetzbar sein.

Insgesamt, so Greenpeace, sei CCS ein grünes Deckmäntelchen für Unternehmen, die weiterhin auf Kohlekraftwerke setzen wollen. So werden Ressourcen von den echten Lösungen für den Klimawandel, wie Energieeffizienz und Erneuerbare, weggeleitet.

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