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Dachausbau: Wohnen über der Stadt

Ein Heim mit Garten, mitten in der Stadt? Mit Fernblick und U-Bahn-Anschluss? Dachausbauten sind die Alternative zum Einfamilienhaus auf der grünen Wiese.

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Meine erste eigene Wohnung war eine kleine Dachstube mit zwei winzigen Fenstern, durch die man ein Stück Himmel sah und – wenn man sich auf die Zehenspitzen stellte – die Spitze des Kirchturms gegenüber. Im Winter blühten an den Fenstern die Eisblumen, im Sommer war es unter den schlecht isolierten Dachflächen brütend heiß.

Im Dachgeschoß zu wohnen war einst alles andere als ein Vergnügen. Hier hauste die Dienerschaft, während die Herren in der „Beletage“ im ersten Stock residierten. Der Dachboden war das Reich von Spitzwegs „armen Poeten“ und des Praterstrizzis Liliom aus Franz Molnárs Sozialdrama. Was für ein Unterschied zu heute, wo eine Penthouse-Wohnung auf dem Dach zu den begehrtesten Wohnadressen zählt!

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In noblen Lagen sind kaum mehr freie Dachböden zu bekommen. Penthouse Construction

Bauland-Reserve im siebten Stock

„Eine Dachwohnung ist der Traum vom Einfamilienhaus mitten in der Stadt, erklärt Peter Krabbe, Geschäftsführer der Obenauf GmbH, die sich auf die Konstruktion von Dachausbauten in Holz-Leichtbauweise spezialisiert hat: „Von oben hat man den freien Blick über die Dächer der Stadt. Man hat einen Dachgarten, der vor Lärm und Einblicken geschützt ist, und wenn man hinunter auf die Straße geht, ist man mitten im Leben der Stadt.“

Dachausbauten sind nicht nur privater Luxus. Auch in Stadtplanung schätzt man sie. „Dachbodenausbauten tragen dazu bei, eine Stadt vital zu erhalten“, sagt Robert Kniefacz, Oberstadtbaurat am Wiener Magistrat für Architektur und Stadtgestaltung. „Im Zuge eines Dachbodenausbaus wird meist das ganze Gebäude saniert. Die Fassade wird erneuert und das Dach muss ohnehin neu gemacht werden. Das bringt einen Mehrwert für das ganze Haus.“ Oft sei eine Modernisierung wertvoller innerstädtischer Bausubstanz erst durch einen Dachgeschoßausbau wirtschaftlich sinnvoll.

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Raumsparend, energieautark und naturnah - liegt die Zukunft der Städte auf den Dächern? Pitopia

Was im Sinne einer nachhaltigen Raumnutzung noch schwerer wiegt: Dachausbauten sind ein Beitrag zur urbanen Verdichtung. Kniefacz: „Vor hundert Jahren haben rund drei Mal so viele Menschen auf gleicher Fläche gewohnt wie heute. Wir haben heute andere Ansprüche ans Wohnen, aber mit Dachausbauten kann man die Stadt wieder verdichten, ohne zu den Zuständen von damals zurückzukehren. Das Kanalnetz, die öffentlichen Verkehrsmittel, die gesamte Infrastruktur ist bereits vorhanden und muss nicht neu gebaut werden.“

„Die Stadt wird weiter wachsen“,

erklärt Kurt Mittringer, Leiter des Wiener Magistrats für Stadt- und Regionalentwicklung. „Wir haben das Ziel, kein Grünland für Neubauten in Anspruch zu nehmen. Deshalb sind wir auf der Suche nach Flächen innerhalb der Stadt, die für Wohnzwecke genützt werden können. Das können Baulücken sein, nicht mehr gebrauchte Kasernen, ehemalige Bahnhofsflächen oder eben Dächer. Dachböden sind für die Stadtplanung eine höchst willkommene Wohnreserve. Sie sind ein Beitrag zu einer kompakten Stadt mit kurzen Wegen.“

Autor: Hartmut Schnedl

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