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Auf den Zahn gefühlt

Ob als Füllungen, Inlays, Kronen, Brücken oder Prothesen ... Zahnwerkstoffe tragen wir 24 Stunden täglich in unserem Mund. Doch wie bedenklich oder unbedenklich sind die Materialien?

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Pixabay

Nicht jedes Material ist für jedes Problem geeignet. Nicht jeder verträgt jedes Material. Und alle Materialien haben ihre Vor-, aber auch Nachteile. "Die Materialproblematik macht uns Zahnärzten am meisten zu schaffen", bringt es Prim. DDr. Siegmund Döttelmayer, Facharzt für Zahn-, Heil- und Kieferheilkunde auf den Punkt. "Welches Material ausgewählt wird, richtet sich leider auch nach den zur Verfügung stehenden Geldmitteln." Für Amalgam übernehmen die österreichischen und deutschen Krankenkassen die Kosten, für z.B. Gold oder Keramik müssen die Patienten selbst tief in die Tasche greifen. Bei Front- und Eckzähnen werden auch Kunststofffüllungen bezahlt, in Deutschland auch bei einer bescheinigten Unverträglichkeit auf Amalgam, bei Schwangeren und bei Menschen mit Nierenfunktionsstörungen. Amalgam lässt sich gut verarbeiten, ist langlebig und vor allem eines: billig. Für das Council of European Dentists (CED) ist es daher immer noch "der beste zur Verfügung stehende Füllwerkstoff" (Entschließung aus dem Jahre 2007). Und: "Einschränkungen bei der Verwendung von Amalgam würden die finanzielle Stabilität des Gesundheitssystems beeinträchtigen."

Umweltproblem Amalgam

Bei Amalgam handelt es sich um eine Legierung aus ca. 50 Prozent Quecksilber mit anderen Metallen (wie Silber, Zinn oder Kupfer). Aus Amalgamfüllungen wird in geringen Mengen Quecksilber freigesetzt. Über dieses gesundheitliche Risiko streiten sich Experten weltweit. Ein im Vorjahr von der EU beauftragter wissenschaftlicher Ausschuss (SCENIHR) kam zu dem Schluss, dass Amalgam mit Ausnahme allergischer Reaktionen keine Gesundheitsrisiken berge. "Patienten haben Angst, vergiftet zu werden. Doch in gebundener Form ist Amalgam für sie unbedenklich. In Wirklichkeit muss der Zahnarzt mehr Angst haben", ist DDr. Patronella Gsellmann, zahnärztliche Leiterin des Vereins für Prophylaktische Gesundheitsarbeit (PGA) überzeugt.

Die Amalgam-Gegner sehen dies anders. "Amalgam kann durch die Schwermetallbelastung viele Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Darmprobleme, Kopfschmerzen u.v.m. verursachen, welche primär, nicht kausal in Zusammenhang gebracht werden können", so Prim. Döttelmayer. Das Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg beschäftigt sich seit Jahren kritisch mit dem Thema Amalgam. So konnten die Forscher etwa bei verstorbenen Amalgamträgern bis zu zwölffach erhöhte Quecksilberwerte in Organen und Gehirngeweben feststellen. "Aufgrund der Berücksichtigung aller verfügbarer Daten kann Amalgam weder medizinisch, arbeitsmedizinisch noch ökologisch als sicheres Zahnfüllungsmaterial bezeichnet werden", heißt es in einer Risikobewertung des Instituts aus dem Jahre 2005.

 

Lesen Sie mehr in der lebensART Juni 2008

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