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ArtistInnen im Leihladen

Acht StudentInnen haben 2014 LEILA, den ersten Leihladen Österreichs in Wien gegründet. Leila verleiht kostengünstig Gebrauchsgegenstände (Werkzeug, Küchengeräte, Zelte etc.). Ein Bilderbuchbeispiel für Ressourcenschonung.

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Foto: Leila Leila

Simon Büchler, Du hast den Leihladen mitbegründet Wie entstand diese Idee?

Büchler: Wir sind eine Jugendgruppe des Vereins SOL (Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil) und wollten ganz konkret zu mehr Ökologie und Ressourcenschonung beitragen. 2013 haben wir Nikolai Wolfert, den Gründer des Leihladens Berlin, auf einer Konferenz in Wien kennengelernt. Mein Kollege, Daniel Gusenbauer, hat diese Idee in unsere Gruppe gebracht und wir waren begeistert!

Der Aufbau von etwas Neuem ist nicht einfach. Was waren eure ersten Schritte?

Am Anfang stand die ganz bewusste Entscheidung, das jetzt auch wirklich zu tun. Wir haben eine Kerngruppe gegründet, die großteils aus StudentInnen besteht, die ihre Stärken aus unterschiedlichen Fachbereichen wie Volkswirtschaft, Internationale Entwicklung, Umwelt- und Bioressourcenmanagement oder Politikwissenschaft einbringen. Das hat uns bei den ersten Schritten enorm geholfen. Zusätzlich kam von vielen anderen Seiten Energie, die für so ein Projekt unbedingt notwendig ist.

Welche Unterstützung war besonders wichtig für einen guten Start?

Wir konnten die Lehrveranstaltung ‚Junior Enterprise‘ an der BOKU nutzen, um unseren Businessplan zu entwickeln. Das hat uns geholfen, vieles sehr professionell zu konzipieren. Durch die Gebietsbetreuung im 16. Bezirk der Stadt Wien haben wir ein passendes Lokal gefunden, das wir uns auch leisten können.

Das passende Lokal war für euch die größte Herausforderung?

Büchler: Ja. Das hat uns überrascht. Die Lokalsuche war schwierig, weil wir fast kein Geld hatten. Unsere Obergrenze für die Miete betrug 400,- Euro pro Monat. Zudem wollten wir den Raum nicht allein bespielen müssen – dafür haben wir viel zu wenig Kapazitäten. Darüber hinaus sollte das Geschäftslokal im Erdgeschoß liegen, barrierefrei sein, ohne Sanierungsbedarf und verkehrstechnisch möglichst gut angebunden. Zum glück haben wir mit unserer Idee in das Nachbarschaftskonzept der Gebietsbetreuung im 16. Bezirk hineingepasst; sie ist nun auch der Hauptmieter des Lokals. Neben dem Leihladen werden Mietrechtsberatungen, Deutschkurse für Flüchtlinge oder Kochkurse durchgeführt; im Kaffee treffen sich die Grätzeleltern der Caritas, die sich um Nachbarschaftsprobleme kümmern. Für uns ist das gut, weil viele Leute reinkommen, die wir sonst nicht so einfach ansprechen könnten.

War es schwierig, die Idee eines Leihladens zu kommunizieren? Viele Menschen wollen doch lieber selbst etwas besitzen?

Nein, das war ziemlich einfach, weil die Idee leicht verständlich ist und den Bedürfnissen der Menschen nach mehr Ökologie und Ressourcenschonung entgegenkommt, aber auch ganz praktisch dem Wunsch entspricht, nicht unbedingt eine Kreissäge kaufen zu müssen und herumstehen zu haben, weil ich sie einmal brauche. Zu uns kommen StudentInnen, PensionistInnen, Menschen mit ganz unterschiedlichem kulturellem Background.

Was leihen sich die Menschen aus?

Vor allem Werkzeuge, wie Bohrmaschinen, Stichsäge oder Kreissäge. Im Sommer waren es Reisesachen, wie Zelte oder Backpacks. Da haben wir viel vom letzten Frequency (Anm.: Konzert im Sommer in St. Pölten) bekommen. Oft wird ein Beamer nachgefragt. Der steht auf unserer Wunschliste, in die wir Dinge eintragen, die einmal angeschafft werden sollen.

Wie finanziert sich der Leihladen?

Er finanziert sich einerseits aus Mitgliedsbeiträgen, die zwischen Euro 24,- und Euro 36,- im Jahr liegen, und aus Sponsoring. BOKU StudentInnen spenden Einnahmen aus der Sponsionsfeier, oder Unternehmen spenden aus ihrem Charity Pot. So haben wir ein bisschen mehr Spielraum, können gefragte Sachen für den Fundus einkaufen, oder PraktikantInnen bezahlen, die die Homepage programmieren.

Ihr macht das alles ehrenamtlich. Was ist eure persönliche Motivation?

Wir sind ein lustiges und angenehmes Team, die Leute, die kommen, sind super, wir haben einen interessanten Austausch. Und wir machen etwas Sinnvolles. Am Abend haben wir das Gefühl, dass wir nicht mit leeren Händen rausgehen und etwas lernen.

Wie wird es mit dem Leihladen weitergehen?

Der Fortbestand für 2015 ist gesichert, das tut gut. Ziel ist, innerhalb des nächsten Jahres jemand für den Ladendienst einstellen zu können.

Unsere Vision ist, das Konzept zu verbreiten. Es haben sich bereits Menschen aus Graz, Salzburg und Wr. Neustadt gemeldet, die sich interessieren. Für sie schreiben gerade ein Handbuch, das die AGBs und Statuten genauso umfasst, wie einen Ablaufplan und Checklisten für die organisatorische Vorarbeiten.

Was sind Deine drei wichtigsten Erkenntnisse aus dem Projekt?

Dass man viel mit vielen Menschen bewirken kann
Der Nährboden für solche Projekte ist gut aufbereitet. Die Menschen warten darauf, sie wollen sich beteiligen und Ideen hören
Erstaunt hat mich, dass wir kaum Geld gebraucht haben – bis zur Eröffnungsfeier haben wir 350,- Euro ausgegeben. Aber wir haben viel Unterstützung gebraucht und bekommen.

Kontakt zum Leihladen: https://www.facebook.com/leihladen, info@leihladen.at

Autorin: Roswitha M. Reisinger

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