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Artisten: Väter in Karenz

Artisten – also Menschen, die etwas Einzigartiges leisten – wollen Klaus Kastenhofer, Marc Pointecker und Peter Truntic eben nicht sein. Gerne aber eine Art Wegbereiter, damit es für Väter in Österreich ganz selbstverständlich wird, in Karenz zu gehen.

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Marc Pointecker, Foto: privat

In Österreich gehen derzeit nur 8,4% der Väter in Karenz, eine Minderheit also. Was hat Euch motiviert?

Klaus Kastenhofer: Ich wollte, dass meine Frau auch ein Berufsleben und ich auch ein Familienleben führen kann. Als Geschäftsführer muss man lernen sich abzugrenzen und Zeit für die Kinder zu nehmen.

Marc Pointecker: Ich habe schon vor 20 Jahren gewusst, dass ich einmal in Karenz gehen werde. Ich arbeite sehr gerne, habe einen interessanten Job, will mich aber auch meiner Tochter widmen.

Peter Truntic: Ich will für meine Kinder präsent sein und meine Vorstellungen und Werte einbringen. Gerade  in ihren ersten Jahren durchleben Kinder viele unterschiedliche Entwicklungsphasen; es ist ein Privileg daran teilhaben zu dürfen.
 

Seid Ihr glücklich mit eurer Entscheidung?

Kastenhofer: Die Karenz hat mir geholfen, einen neuen Arbeitsstil zu entwickeln, mit dem ich Kinder und Beruf unter einen Hut bringen kann. Wir sind alle sehr glücklich damit.

Marc Pointecker: Ich war jetzt gerade im Papamonat und kann das allen Vätern nur empfehlen. Ich habe alles gemacht und konnte so von Beginn an eine intensive Beziehung zu meinem Kind aufbauen.

Peter Truntic: Die Karenz war eine wunderbare Erfahrung, aber der Wiedereinstieg war schwierig, weil es für das Unternehmen völlig neu war. Ich habe es durchgestanden, weil ich zu meinen Lebenseckpfeilern stehe. Meine alte Position habe ich wiederbekommen. Das war mir wichtig, weil ich sehr gerne und viel arbeite.
 

Was wäre wichtig, damit mehr Männer in Karenz gehen?

Kastenhofer: Karenzzeiten sollten in die Vorrückungssysteme der Unternehmen eingebaut werden. MitarbeiterInnen sollten in Karenz weiter geringfügig arbeiten, um ihre Expertise einbringen zu können und Role Models, zum Beispiel ein Minister, der in Karenz geht, wären wichtig.

Pointecker: Ein wichtiger Schritt wird die Einführung des Papamonats für alle. Die Väterbeteiligung koennte erhöht werden, wenn mehr Monate Kinderbetreuungsgeldbezug an ihre Beteiligung gebunden sind. Gut wäre ein Gleichstellungsbonus, wenn beide Elternteile gleich lang in Karenz gehen oder ein Teilzeitmodell für beide, bei dem Mütter wie Väter je 20 Stunden arbeiten und Kinderbetreuung übernehmen. Österreich hat eine ausgeprägte Überstundenkultur. Das ist weder besonders produktiv, noch für Frauen günstig und sollte sich ändern.

Truntic: Vielen Männern ist nicht bewusst, wie schön Väterkarenz sein kann. Es wäre wichtig, dass Frauen ihrem Partner die Kompetenz zugestehen, die Kinder begleiten, versorgen und betreuen zu können. Loslassen und Vertrauen sind die Schlüsselwörter. Finanzielle Anreize sind ausreichend gegeben – also muss vor allem partnerschaftliches Umdenken einsetzen.
 

Klaus Kastenhofer, 7 Jahre Geschäftsführer bei Global 2000, jetzt selbstständiger Berater. Er hat zwei Kinder, 3,5 und 6 Jahre alt und war ½ Jahr in Karenz, ½ Jahr in Teilzeitkarenz und arbeitet 20 Std, seine Frau 40 Std.  

Marc Pointecker, Leiter der sozialpolitischen Grundsatzfragen im BM f. Arbeit, Soziales u. Konsumentenschutz. Er hat eine Tochter, 3 Monate alt, hat eben den Papamonat in Anspruch genommen und wird für ein halbes Jahr in Karenz gehen.

Peter Truntic, Sendetechniker bei ATV. Er hat zwei Kinder im Alter von 4 Jahren und 18 Monaten und ist aktuell in Karenz. Beim ersten Kind war er acht Monate in Karenz.

Informationen zum Thema "Väterkarenz" bietet ein Forschungsprojekt von Sparcling Science

Autorin: Roswitha M. Reisinger

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