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Alte Bauernhäuser renovieren

Früher wurden Bauernhäuser oft mit dicken Steinwänden errichtet. Ist es sinnvoll, solche alten Mauern zu dämmen, oder halten sie das Haus ohnehin wohlig warm?

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Foto: Bramac Bramac

"Bei alten, aber renovierten Bauernhäusern, die mir zum Kauf angeboten wurden, bekam ich auf meine Frage nach Energieeffizienz und Isolierungsmaßnahmen immer wieder die Antwort, eine Isolierung sei bei solchen dicken alten Steinmauern weder sinnvoll noch nötig und werde daher auch bei den Sanierungen im Allgemeinen nicht vorgenommen. Ist das richtig?", fragt Eva Müller aus Wien.  "Sind dicke Steinmauern mit neuen, gut isolierenden und bündig eingebauten Fenstern tatsächlich ein ausreichender Schutz gegen Wärmeverluste?"


Was sagt der Sanierungsexperte dazu? Ignaz Röster, NÖ Energie- und Umweltagentur: "Dicke Steinmauern bei alten Bauernhäusern haben zwar eine sehr gute Wärmespeicherkapazität, aber nur einen mäßigen Wärmeschutz. Das heißt, dass durch eine Steinmauer in der kalten Jahreszeit viel Wärmeenergie abfließen kann, die durch die Heizungsanlage nachgeliefert werden muss.

Der U-Wert (ein Wert für die energetische Qualität eines Wandbauteiles) liegt bei Steinmauern bei rund 2,0 W/m2K, bei neuen Häusern ist in Österreich für Außenwände ein U-Wert von 0,35 W/m2K vorgeschrieben, unsere Empfehlung bei Sanierungen ist noch strenger und liegt bei U= 0,2 W/m2K, wofür prinzipiell in etwa Dämmstärken um die 15 cm notwendig sind.

Steinmauern mit diffusionsoffenen Systemen dämmen

Die Frage lautet nun: Kann und soll man alte dicke Steinmauern noch zusätzlich dämmen? Dabei taucht gleich eine zweite Frage auf: alte Steinmauern haben meist keine horizontale Sperre gegen die Feuchtigkeit, die somit ungehindert in die Wände aufsteigen kann. In diesem Fall ist die erste und wichtigste Aufgabe, diese Feuchtigkeit zu eliminieren. Erst danach kann über eine Wärmedämmung der Mauer nachgedacht werden.

Da man die Feuchtigkeit meist nicht vollständig wegbekommt, ist bei der Dämmung der Steinmauer auf der Außenseite darauf zu achten, dass die noch vorhandene Restfeuchtigkeit weiterhin über die Mauer und die Dämmung austrocknen kann. Das ermöglichen diffusionsoffene Dämmsysteme, idealerweise mit Hinterlüftung, um die Abtrocknung zu gewährleisten. Von den üblichen Vollwärmeschutzsystemen mit Polystyrol würde ich abraten, da diese im Zusammenhang mit Kleber und Putz die Wasserdampfdiffusion eher behindern als begünstigen.

Eine Alternative zu Wärmedämmsystemen wäre ein Neuverputz der Fassade mit einem diffusionsoffenen Wärmedämmmörtel mit dem Ergebnis einer mehr oder weniger spürbaren Verbesserung des Wärmeschutzes - abhängig von der Stärke des Dämmputzes von 3-5 cm: Die guten Werte einer echten Dämmung sind damit aber nicht erreichbar.

Innendämmung mit Kalziumsilikat oder Mineralschaum

Falls die Fassadengestaltung eine Außendämmung nicht zulässt, könnte man auch über eine Innendämmung der Steinmauer nachdenken. Dabei würden sich diffusionsoffene Dämmplatten - wie zum Beispiel Kalziumsilikatplatten oder Mineralschaumplatten - idealerweise in Kombination mit einer Wandheizung am Besten eignen. Die Dämmstärken sind dabei mit 5-10 cm geringer wie bei der Außendämmung und damit auch die Energieeinsparung. Die Kombination Innendämmung und Wandheizung schafft innen ein sehr behagliches Wohnklima, außenseitig kann die Restfeuchtigkeit nach wie vor gut ausdiffundieren. Wichtig ist, dass es bei der Innendämmung viele Dinge zu berücksichtigen gibt, damit diese gut funktioniert, speziell wenn man - wie in alten Bauernhäusern üblich - oftmals Holzdecken hat.

Achtung bei Fenstertausch

Werden alte Steinmauern nicht gedämmt sondern nur die Fenster getauscht, so kann das unerwartete Probleme mit sich bringen. Die alten Kastenfenster waren rundum mehr oder weniger undicht. Neue, dichte Fenster verhindern nun diesen Luftaustausch, der zwar eh nicht erwünscht ist, aber dennoch im Gesamtgefüge des Hauses den Sinn hat, dass damit auch die Luftfeuchtigkeit aus den Räumen stetig weggelüftet wurde. Sie müssen daher jetzt bewusster und öfter lüften, weil sich sonst an den „Wärmebrücken“, wie man die kalten Stellen rund um die Fenster nennt, bei hoher Luftfeuchtigkeit Kondensat und in Folge Schimmel bildet.

Oberste Geschoßdecke dämmen

Neben der Dämmung der Außenwände sollten natürlich auch anderen Bauteile mit der "energetischen Brille" angeschaut werden. Speziell die Dämmung der obersten Geschoßdecke stellt in alten Häusern oft ein hohes Einsparpotential dar, diese Maßnahme ist zudem sehr einfach und kostengünstig umzusetzen.

Ein guter Wärmeschutz aller Hüllflächen ist die beste Garantie für einen geringen Energieverbrauch. In allen Fällen ist eine gute Beratung und Planung durch Baufachleute eine wichtige Grundlage für den gewünschten Erfolg.

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